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2014 Rocky Mountains Explorer Trail Willmore

Aktualisiert: 15. März

2014 Rocky Mountain Explorer Trail  

 Wir sind zu zweit. Zsolt Szabo aus Ungarn und ich werden 4 Wochen in der Willmore Wilderness und Kakwa Wilderness unterwegs sein. Mit geliehenen Pferden und Ausrüstung für 4 Wochen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Ein neues Zelt wurde konzipiert, Satteltaschen und Ausrüstung auf die Nordamerikanischen Bedingungen aufgerüstet. Verpflegung und Karten die grosse Herausforderung. Garmin liefert, aber was?  eine Karte, wo nur Flüsse und Bergspitzen sichtbar sind, keine Höhenlinien und keine Trails. Für 130.-- CHF eine Sauerei. Also Storno und Geld zurück.  

 Günter Wamser hat uns die Region empfohlen und die Long Riders haben mir die Kontakte zu einem Outfitter hergestellt, von dem wir die Pferde bekommen werden. Percherons, Fiordies gekreuzt mit Tenesse Walkers.... mal sehen was da auf uns zumarschiert.   

4 Wochen ohne Kontakt zur Aussenwelt.  Ich bin gespannt, wie wir das Verkraften werden. 4 Wochen ohne Bier. Da kann man nicht schnell im Supermarkt was einkaufen, was vergessen wurde. Was muss unbedingt mit, und was ist überflüssiger Ballast. Z.B. Batterien der Elektronik. Keine Möglichkeit zum Nachladen.  Also alles auf eine Sorte Batterien AA abgestellt. Solarladegerät?  Ja, aber keine Sonne, also, nein?  Notizbuch und Kugelschreiber, damit der Blog geschrieben, aber Batterien gespart werden können. Erste Hilfe mit all den Kleinigkeiten, die man hoffentlich nie braucht, aber wenn es nicht dabei ist, Pech gehabt. Durchfall, Blasen, Verstauchung, Schmerzen, alles muss dabei sein.   

 

Essen, wird spannend werden. Ich kenne die Amis. Alles kalorienarm in Großpackungen. Unbrauchbar für uns und welches von den zig Produkten nehmen wir?  Wir brauchen 3400 kal am Tag. Da muss es auch schmecken. Mehl oder Knäckebrot und Pumpernickel? Selbst backen oder fertig in der Dose.  Alles muss mit in die Satteltaschen, Bärensicher verpackt. Kleinpackungen für zwei Personen, nichts darf verbrannt oder weggeworfen werden. Müll muss wieder mit raus. Kernseife, damit der Grizzly nicht vom Geruch angezogen, vorbeischaut.  Karten sind jetzt Garmin kompatibel, Ersatzkarten und Satellitentelefon sind organisiert.   

 Habe heute doch ein Solarladegerät organisiert. Ich kann damit meine AA-Akkus laden und mein Tab. Wiegt 600 gr und ist A4 groß, aber nur 5 mm dick. Dazu Garmin Karten, hoffentlich diesmal mit Höhenlinien und Trails. Die Beschreibung klingt schon mal ganz gut.    

Der Zaunset für 3 Pferde und Anbinde Pflöcke. Ich bin gespannt was Stan dazu meint. Stan ist der Outfitter, der uns seine Pferde vermietet. Ich habe mir seine Ausrüstung angeschaut, kein Wunder braucht er pro Person ein Packpferd.   

 

 

28.6.2014 

Ausrüstung ist zusammengesucht. Muss noch ergänzt werden, durch das Zeugs aus der Rittführertasche. Aber ich bin jetzt bei ca. 40 kg, für uns beide. Mal schauen was der Szolt noch bringt.    

 

Am Samstag bin ich von der Sprinz Route zurückgekehrt, und gestern habe ich mal Pause gemacht. Pferde zum Nachbarn gebracht und mein Zeugs gewaschen und aussortiert. Heute Sattel zur Reparatur weggebracht und Pakete verschickt.  Gegen Mittag wird Szolt eintreffen und wir werden unsere Ausrüstung gemeinsam durchgehen.   Morgen gehts los.  Die Einkaufslisten liegen bereit und morgen werden wir uns die Zeit am Flughafen Amsterdam noch etwas vertreiben müssen. Ein Buch scheint die richtige Lösung zu sein. Mal sehen. was es so zu lesen gibt. Die Ausrüstung haben wir komplett so, dass wir nur noch Satteltaschen hinten und ev. eine Rolle oder ähnliches brauchen. Ich denke aber eh, dass das Packpferd nichts zu tragen hat, und wir dem noch einiges oben drauf packen können. Da sind Stan und ich nicht gleicher Meinung. Er meint unbedingt bräuchten wir 4 Pferde zu zweit. Ich denke wir kommen mit dreien klar. Mal sehen.   Morgen 7 Uhr geht der Flieger nach Amsterdam, dann Vancouver und um 1600 sollten wir in Prince George BC eintreffen.   

29.7. Zürich – Mc Bride BC Canada  

Wir fliegen via Amsterdam nach Prince George in den Norden von BC und werden dort von Stan abgeholt. Da die Verbindung zu knapp kalkuliert war, (es braucht minds. 3 h zwischen Ankunft und Abflug nach Prince George, wegen 200 m langen Schlangen vor den Immigration-Schaltern) schaffen wir den geplanten Flug nicht und werden umgebucht auf einen späteren Flug. Einkaufen muss deshalb Stan für uns, was das Abenteuer noch etwas spannender macht, denn nicht nur haben wir keine Ahnung, was es gibt, jetzt muss auch noch jemand anders für uns entscheiden, was uns 4 Wochen lang schmecken wird.  Den nächsten Tag verbringen wir damit die Ausrüstung zusammen zu stellen und zu ergänzen. Die Pferde werden beschlagen und probepackt. Es sind zwei Fiordis  Hassan und Pal (mit Percheron-Anteil) und Brass, das Morganpferd, die wir bekommen.  Die Satteltaschen sind fest am Sattel montiert (was sehr unpraktisch ist und von uns dann auch geändert wurde) und die Pferde sind für Reiter mit bis zu 150 kg ausgelegt. Da passt noch jede Menge Gepäck drauf, wenn wir Europäer drauf sitzen. Aber alles hier ist XXXL, die Trucks auf denen unsere Pickups bequem auf der Ladefläche Platz haben, bis zu den Trailern, in denen min. 10 Pferde untergebracht werden können. Wir gehen gemeinsam mit Stan und diversen Freunden Abendessen. 

  



31.7. Mc Bride Holmes River – Blue Berry Lake 10 km  

Tags darauf ist es dann so weit.  Stan schafft es um 7 auch aus den Federn und es wird 9 Uhr bevor die Pferde und Ausrüstung im Trailer untergebracht sind und wir starten. Nach 2 Stunden ist unser Wendeplatz erreicht und Stan raspelt noch schnell die Zähne seines Morgans. Dann wird das Packpferd, Hassan bepackt und wir brechen auf, um die 4-stündige Strecke unter die Füsse zu nehmen. Der Weg hinauf ist sehr steil, sehr mühsam mit vielen zum Teil Knie tiefen Wurzelstöcken und grossen Steinen und zum Teil klettern die Pferde einfach im Bachbett den Berg hinauf. Hassan der bepackte Fiord, ist eigentlich nicht daran interessiert, den Berg zu besteigen, im Gegenteil, interessiert ist er eigentlich nur am Futter, das unterwegs zu finden ist, also bleibt er einfach stehen, um zu fressen und reisst mir den Führstrick immer wieder aus der Hand. Endlich binde ich den Führstrick mit dem Zügel des Morgans zusammen, damit dieser wenigstens selbst merkt, wenn der Hintermann, nicht mehr mitläuft und so denn auch stehen bleibt. Die Strategie scheint aufzugehen und nach 2 1/2 Stunden haben wir den Blue-Berry-Lake erreicht und werden von einem schwarzen Schwarm riesiger Pferdebremsen begrüsst. Wir satteln ab, versuchen die Pferde zu hobbeln. Szolt bekommt vom Morgan eine Kopfnuss mit dem beschlagenen Vorderhuf verpasst und die Kette der Hobbels beschädigt seine Brille, so dass er neben einer Beule auch noch einäugig die nächsten 4 Wochen lang an den ersten Tag erinnert wird. Endlich können wir den Pferden mit Bug-Dope, einer schmierigen stinkenden Pampe aus Baumharz, Petroleum und anderen Zusatzstoffen, etwas Erleichterung verschaffen und unsere roten (vom Blut der erschlagenen Biester) Hände im See säubern.  Wir schlagen unser Camp etwa 1 km unterhalb der von uns aufgestellten Koppel auf und machen Feuer, um die Moskitos zu vertreiben und das Abendessen Wasser zu kochen. Die gefriergetrocknete Mahlzeit vom Hause Mountainhouse schmeckt nicht schlecht und so legen wir uns zufrieden, wenn auch mit teilweise brummendem Schädel auf unsere Matten und harren der ersten Nacht unter Wölfen und Bären entgegen. 





 

1/8/2014  

Um 5 ist es Taghell und wir verlassen unsere Schlafsäcke. Es wird auch heute wieder über 30 Grad warm werden, so dass wir früh unterwegs sein wollen. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Granola und Kaffee befreien wir unsere 3 Pferde von den Hobbels und führen sie zum Camp hinunter, wo wir sie aufsatteln und anbinden. Wir brauchen etwa 2,5 h bis wir abritt bereit sind und dann führen am See entlang dem Berg entgegen. Es geht sehr steil bergauf, auf einem schmalen Pfad und ich steige ab, um die letzten steilsten Meter des Pfades zu führen. Wir stellen fest, dass unsere Pack-Technik noch verbesserungswürdig ist, und müssen das Packpferd neu satteln, da auf dem steilen Aufstieg, die ganze Packung nach hinten gerutscht ist. Der Pfad, der durchaus auch einfach verschwindet, führt über drei Pässe auf einer riesigen unübersichtlichen mit Seen bestückten Hochebene. Wir durchreiten kniehohes saftiges Gras und geniessen die unbeschreiblichen Weiten und die Aussicht auf die Gletscherberge um uns herum. Unterwegs müssen wir die Pferde über steile Schneefelder hinunterführen und immer wieder muss ich mit dem GPS versuchen, die Richtung zu halten. Die hinterlegte Karte ist nur eine einzige grüne Fläche ohne jegliche Konturen, so dass das Orientieren recht mühsam ist. Aber es gelingt und wir kommen zum Besspass, von dem aus ein Pfad hinunter führt in die Ebene des TwinTree Lakes. Kurz vor dem Abstieg zum See kommen wir an einer Wiese vorbei. Hier gäbe es vielleicht die Möglichkeit für ein Camp. Aber weiter unten, dort wo auf der Karte ein See eingezeichnet ist, sind nur riesige Geröllfelder zu finden. Brass der Morgan marschiert unbeirrt über das Geröll nach Norden und findet auch immer wieder einen Pfad, der in diese Richtung führt. Und als wir dann endlich in der Nähe des Robson Trails ein Camp erreichen, gibt es für die Pferde dort kein Gras.  Ich lasse Szolt mit den Pferden auf einer sumpfigen Wiese zurück und mache mich auf die Suche nach einer Fläche, auf der die Pferde genügend Gras und wir Wasser finden würden. An einem idyllischen See etwas abseits vom Pfad werde ich fündig und hole Szolt und die Pferde nach. Dort in gutem Gras auf weichem Boden schlagen wir unser Camp auf. Es gibt kaum noch Mücken oder Pferdebremsen hier, so dass die Nacht sicherlich viel ruhiger werden wird 





2/8/2014    

33, 6 km Wir sind jetzt den 3. Tag unterwegs und die Pferde sind müde. Sie hatten von Anfang an keine wirklich gute Kondition und sie haben auch ein paar kg abgenommen. Da Saddam einen leichten Gurtdruck hatte, wechseln wir das Gepäck auf den Pal rüber und ich reite Saddam am Schnurhalfter. Während Szolt auf dem Brass unterwegs ist. Brass lässt sich supergut am Schurhalfter reiten, so dass ich schon am zweiten Tag darauf umgestiegen bin, aber Szolt will mit Trense reiten. Wir reiten dem Fluss entlang und der Pfad ist gut machbar und bald kommen wir wieder in freies Gelände. Der Fluss führt an einigen tiefen Schluchten vorbei und hier im Jasper Park sind sogar richtige Holzbrücken vorhanden, die über die teils heftig rauschen Bergflüsse führen. Die Pferde haben auch keine Probleme mit dem wilden Lärm und dem dumpfen Dröhnen des Holzes. Sie sind sehr genügsam und ruhig und sehr angenehm im Umgang, wenn auch ein wenig stur. Die Kribbelmücken haben Handteller grosse Flächen blutig gebissen, aber die Endzündungen gehen dank dem Bugdope von Stan zurück und auch der Gurtdruck von Saddam hat sich wieder beruhigt. Wir reiten dem Fluss entlang und finden dort, wo auf dem GPS ein Camp eingezeichnet ist, auch wirklich ein Schild mit dem Hinweis Camp. Zu finden ist es allerdings erst nach einer halbstündigen Suche. Das Camp liegt idyllisch direkt am Fluss im Wald und etwa 100 m entfernt gibt es eine riesige Lichtung mit gutem Gras. Dort bringen wir die Pferde hin und bauen unseren Elektrozaun schon kurz nach Mittag auf, um den Pferden mal eine kleine Pause zu gönnen. Wir geniessen das Lagerfeuer und lassen die Zelte trocknen, während die Pferde in ihrem 100 x 100 m Paddock gemüsslich das hohe Gras am Kauen sind. Die offiziellen Horse-Camps sind mehrheitlich mit Anbindebalken und Corall ausgerüstet und neben einer Feuerstelle, gibt es in der Nähe auch immer Wasser und manchmal sogar ein richtiges Outhouse mit Toiliettensitz im Freien. 




3.8. Snake River – Oatmealcamp 24,5 km   Wir reiten dem See entlang und der Pfad in den dunklen Föhrenwäldern, bietet einen ersten Eindruck von der Undurchdringlichkeit der Wälder. Bald geht es aufwärts dem Snake Pass 2700 m entgegen. Die Pferde müssen durch einige tiefe Sumpfflächen hindurch und sie meistern das sehr gut. Man hört wie der Sumpf an den Hufen saugt und manchmal müssen sie einen Galoppsprung machen, um aus dem Matsch wieder rauszukommen, aber sie haben offensichtlich Erfahrung damit und vermitteln uns ein sicheres Gefühl. Oben auf dem Pass machen wir Pause und geniessen die Landschaft. Es ist unglaublich weitläufig, Es reiht sich Bergkamm an Bergkamm, Tal an Tal und man erwartet gleich eine Herde Bissons friedlich grasen zu sehen, aber ausser einem Adler, ein paar Vögeln, Murmeltieren und Eichhörnchen gibt es nichts. Gleichzeitig ist es unglaublich still, so dass man das Rauschen des eigenen Blutes in den Ohren hört. Zu Mittag gibt es nach alter ungarischer Tradition immer ein Stück Brot mit roher Zwiebel und etwas geräucherte Wurst und ein Stück Käse. Wasser gibt es reichlich und gut, wir verzichten die Mikropur Tabletten zur Desinfizierung einzuwerfen, süssen dafür mit den von Stan eingekauften Geschmacks-Pülverchen (Zitrone – Banane –Aepfel) oder Himbeere das Wasser. Wobei ich die letzten Tage fast 2 ltr. Pro Tag getrunken habe, da es so heiss und ich entsprechend ausgetrocknet war. Die Powerriegel, die er organisiert hatte, haben etwa das 2,5 fache an Volumen und Gewicht und sind immer mit Soja Protein angereichert und müssen schweinisch teuer sein, wie teuer werde ich in Grande Cache herausfinden.   Wir führen die Pferde den Snake River Pass hinunter, der Pfad verschwindet immer wieder, wo immer ein Fluss seinen Weg zum Snake River bahnt. Die Geröllhalden an den Flüssen und die Querung des sind auch für meine Begriffe recht heftig und an die Sümpfe, die sich grossflächig vor uns ausbreiten müssen wir uns gewöhnen. Die Einheimischen nennen die Flächen Mooskek und der Pfad verschwindet in der Regel dort, weil die Elche und Hirsche auf die freien Flächen gehen, um zu weiden. Wir lassen die Pferde jeweils grasen und ich umgehe den Sumpf, um auf der gegenüberliegenden Seite nach dem Pfad zu suchen. Manchmal sogar mit Erfolg. Mooskek - Flächen sind Sümpfe, die über dem Permafrostboden  liegen. Unter einer etwa 30-50 cm dicken Grasnarbe liegt freies Wasser und wenn man nicht aufpasst, bricht man bei bestimmten Pflanzen einfach durch die Grasnarbe durch und steht dann hüfttief in der schlammigen Brühe. Auch jedes Pferd muss sich seine eigene Spur durch den Sumpf suchen, sonst brechen sie in der Spur des Vordermannes ein. Brass und Pal, machen das sehr gut, nur Saddam will davon nichts wissen, er ist nur am Gras interessiert und kämpft sich dann halt einfach in der Spur durch. Wir erreichen Outmealcamp und 10 min. später duscht es. Wir schaffen es gerade alles ins Zelt zu bugsieren, ohne dass es nass wird.  Im Regen stelle ich den Elektrozaun auf und hobble die Pferde an den Vorderfüssen. Die Klöppel der Glocken werden von ihren Lederstraps befreit, damit sie auch läuten können. 



4.8. Snake River Lake – Blue Creek Camp 28 km  

Um 3 in der Früh wache ich auf, weil etwas nicht stimmt. Es dauert eine Weile, bis ich rausfinde, was der Grund für meine Unruhe ist. Die Glocken, das Gebimmel, es fehlt. Es ist viel zu ruhig. Ich bleibe noch eine Weile liegen, und lausche in die Nacht. Da es bimmelt doch, aber es lässt mir keine Ruhe. Ich stehe auf und gehe nachschauen. Der Morgan fehlt. Der Zaun steht, aber es sind nur die beiden Fiordies im Paddock. Aber jetzt mitten in der Nacht, nach dem Morgan zu schauen, bringt es auch nicht, also lege ich mich wieder schlafen. Die beiden Fiordies sind ruhig. Also wird der Morgan nicht weit sein. Wenn es hell ist, werde ich suchen gehen.  

Um 5 Uhr wird es hell und ich ziehe mich an, um Brass suchen zu gehen. Da er gehobbelt ist, kann er nicht weit gekommen sein und ich folge der Spur, den Weg den wir gekommen sind. Man kann genau sehen, wo er halt gemacht hat und am Gras genibbelt hat, bevor er weitergezogen ist. Etwa 500 m den Trail hinunter steht er seelenruhig da und kaut genüsslich am Gras.  

Der Trail führt den zweiten Tag durch das Snake River Valley und wie eine Schneise dem Fluss entlang. Mal geht’s über einen Hügel, mal rauscht der Fluss 40 m unter uns in einer engen Schlucht, dann mäandert er wieder auf 5 km breite durch eine einzigartige Sumpflandschaft. Im Hintergrund leuchten die Gletscher. Der Boden variiert von Grau über Ocker bis Hellgrün, je nachdem ob man gerade über eine Fläche mit Flechten oder durch Sumpfgelände kommt. Unterbrochen wird es durch helle kreisrunde Flächen eines Krautes, dass weisse Ränder auf dunkelgrünen Blättern hat.  

Bald kommen wir wieder an einen See und der Ausblick ist gigantisch. So muss der Garten Eden ausgeschaut haben, bevor der Mensch ihn zu kultivieren begann. Hier müsste man eine Lodge haben, ein Kanu und wöchentlich ein landendes Wasserflugzeug mit frischem gekühltem Bier. Es wäre das Paradies. Mitten im Wald höre ich plötzlich das leise Läuten von Glocken. Ich bleibe stehen und lausche und sehe sich etwas bewegen abseits des Trails. Dort im Wald am See stehen zwei Pferde und ein Mann. Ich rufe ihn an und werde von Bill aus Hinton mit einem Howdy begrüsst. Er und sein Freund Loyd sind aus Hinton und kamen her, um zu fischen. Er spendiert uns sofort ein Bier. Es ist zwar kanadisches trotzdem schmeckt es herrlich. Bald taucht auch Loyd auf und wir quasseln eine Weile. Wir werden im gleichen Camp nächtigen, also werden wir die beiden später wieder sehen. Sie reiten weiter, um nach guten Fischplätzen zu suchen und wir reiten zum Camp hinunter. Eine Stegbrücke führt über den Fluss und wir finden das Camp, wo Bill und Loyd sich schon breit gemacht haben. Während Szolt die Pferde absattelt, suche ich nach Grasflächen für unsere Pferde, aber es schaut schütter aus. Der sandige Boden gibt eh nicht viel her, und es scheint alles schon mal abgenagt worden zu sein. Ganz am Rande des Camps finde ich eine kleine Fläche mit dürftigem Gras und baue dort den Paddock auf, während die inzwischen vom Gepäck befreiten Pferde gehobbelt in der Umgebung nach Gras suchen. 




5.8. Blue Creek Camp – Ancient Wall – Caribou Camp 28,9 km  

Bill und Loyd aus Hinton sind aus Rock Lake im Süden hier hoch geritten. Loyd der selbst behauptet Züchter und Pferdetrainer zu sein, reitet eine 3jährige Hanoveraner-Percherand Stute. Ich kann es kaum glauben, dass der 150 kg Mann sich wirklich auf das schmächtige Pferd schwingt. Als er von dem kurzen Ausflug in die andere Richtung zurückkommt, scheint das Pferd fix und fertig zu sein. Die beiden haben 2 Packpferde dabei, eines trägt 2 Kühlboxen mit 40 lfr. Inhalt, in denen nur Bier und Whisky transportiert werden. Auf dem anderen Packpferd sind das Zelt, die Lebensmittel (Stake, Eier, Speck, Öl, Kaffee, Milch, Zucker…. Etc.) und eine Motorsäge. Loyd fällt einige 30 cm dicke Föhren und fängt an 40 cm hohe Rundlinge zu schneiden, die er dann mit der 5 kg Axt spaltet. Nicht nur der Mann ist XXL, sondern auch seine Ausrüstung.  Szolt kauft ihm eine Schachtel Zigarette für 15 Dollar ab und als Wechselgeld erhalten wir eine halbe Flasche Whisky.   Wir kochen unser Wasser und geniessen unsere Chilli-Con-Carne aus der Tüte, während die beiden Ihre Steaks auf dem Feuer grillieren.  Anschliessend sitzen wir noch eine Weile gemeinsam am Lagerfeuer und Bill erzählt er habe eine Trap-Line entlang des Sheepcreeks, auf der er im Winter jeweils Fallen aufstellt um Marder, Füchse und andere Pelztiere zu fangen.  Er habe dort auch eine Lodge.  Wir schlafen unter unserem Tarp und die vier Pferde der beiden Kanadier werden in der Nacht einfach an den Bäumen festgebunden.  In der Frühe braten die beiden Speck und Eier in ihrer gusseisernen Pfanne, während wir unsere Pferde aufsatteln. Heute werden wir unterwegs die Pferde lange grasen lassen müssen, damit die zu ihrem Futter kommen.  Wir folgen dem Blue Creek nach Norden entlang einer tiefen Schlucht und bald führt der Trail durch Licht durchflutete Föhrenwälder rauf und runter, immer dem Flusslauf folgend, der mal als reissender Strom durch enge Passagen schiesst, mal als gemächlicher Strom daherkommt. Nach 3 h haben wir das Ancient Wall Camp erreicht und entscheiden hier die Pferde ihr Nachtration nachholen zu lassen. Wir nehmen inzwischen ein Bad und reiten nach 2 Stunden erfrischt und gestärkt weiter Richtung Azur Lake. Um 13 Uhr erreichen wir die trockene Hochebene. Hier im Schatten der Bäume grillen wir zwei der mitgebrachten Würste über einem Feuer und lassen die Pferde rasten. Sie dösen angebunden unter den Bäumen und eine Stunde später machen wir uns wieder auf den Weg. Brass hat richtig vorwärtsdrang, ich frage mich, ob er schon mal hier war.  Gegen vier erreichen wir Caribou Camp und entlassen die Pferde mit ihren Glocken und Hobbels in den Wald, damit sie nach Futter suchen.  Wir richten unser Nachtlager und während Szolt Feuer macht und Abendessen kocht, hole ich Wasser und stelle den Zaun für die Pferde für die Nacht. 



6.8. Azure Lake – Hardscrabble Pass, West Sulphur Trail 28,3 km  

In der Früh haben die Pferde die Weide abgenagt. Wir lassen sie also gehobbelt in der Umgebung weiteres Futter suchen und packen unser Zeugs zusammen. Das Auswiegen der beiden Kunststoffkisten und der beiden Kleidersäcke hat Szolt inzwischen sehr gut im Griff und obwohl sich das Gewicht täglich reduziert, sind die beiden Seiten immer gleich schwer. Das Packpferd wird mit dem Tragegestellt gesattelt und der vordere und hintere Bauchgurt werden extrem hart angezogen. Vor der Brust zieht sich ein einzelner Brustgurt, der nicht nach unten verbunden ist. Dann werden die beiden Kisten links und rechts eingehängt und die beiden Kleidersäcke obenauf gelegt. Darüber kommt die Plane, die vorne und hinten zwischen Pad und Kiste eingeschlagen wird. Darüber kommt dann das Zurrseil, das nochmals mit einem Bauchgurt versehen ist. Eine Schlinge wird über die Mitte der Ladung geworfen, auf der rechten Seite am Bauchgurt eingehängt und dann auf der linken Seite mit einer Schlinge verknotet. Dann wird die Schlinge zweimal von vorne nach hinten übereinander geschlagen und das Ende durchgezogen und so die Kiste links festgezurrt. Denn wird das Seil vorne den Kleidersäcken entlang geführt, und nochmals durch die auf der anderen Seite von hinten nach vorne übereinander geschlagener Schlinge gezogen. Wieder wird die andere Kiste mit dem Seil fixiert und dann das Seil um die hintere Seite der Kleidersäcke gezogen, nach vorne geführt und mit der Schlinge am Bauchgurt verknotet. Dieses System nennt sich Double-Diamond und ist richtig Wildnis tauglich. Stan Wallchuck ist Ausbilder und gibt Kurse für diese Art des Packens.  

Die beiden Reitpferde sind in der Zeit angebunden, aber als wir mit Saddam dem Packpferd fertig sind, fehlt ein Pferd. Brass ist weg. Still, klamm und leise muss er sich aus dem Staub gemacht haben. Er ist nicht mehr gehobbelt und der Klöppel der Glocke ist arretiert. Panik kommt auf, wo ist der Kerl. Ich renne den Pfad hinunter, den wir gestern gekommen sind und laufe bis ich das gesamte Tal überblicken kann. Aber soweit ich sehen kann, ist da kein Pferd unterwegs. Also zurück und in die andere Richtung, aber auch hier ist nach 2 km nichts zu sehen. Was nun…. Da die beiden Fiordies nicht wiehern, muss er noch irgendwo in der Nähe sein, aber ich kann nichts hören. Zu sehen ist in dem dichten Wald eh nichts, also schnappe ich mir Pal und steige auf. Szolt hat inzwischen die Umgebung abgesucht, kommt aber auch ohne Ergebnis zurück. Ich reite zurück auf den Weg, den wir gekommen sind und ich erinnere mich, dass wir gestern ja zuerst zu einer Lodge gekommen sind, an der es Gras gab, bevor wir das Camp gefunden haben. Ich reite also zur Lodge zurück und da, endlich, sehe ich den Morgan friedlich im Gras stehend und mampfend. Inzwischen hat Szolt das Packpferd beruhigen können, dem es nicht passt, dass er so quasi allein zurückbleiben soll und kommt mir, nachdem ich ihn rufe, mit dem Pferd zu Fuss entgegen. Wir tauschen die Pferde und der Puls kommt so langsam wieder auf normal zurück, während wir aufsitzen. Der Trail führt den Berg hinauf und unter uns liegt der Azzuresee. Der Trail verschwindet kurz vor dem Wald völlig und wir fragen uns, wo es weiter geht. Wir versuchen durch den Wald zu kommen, aber es ist kaum möglich. Die Bäume stehen zu eng und wir kommen nicht durch. Wir entscheiden nach unten zu gehen, da unten beim See keine Bäume stehen.  Ein Fehler wie wir feststellen, denn hier unten ist eine riesige Sumpflandschaft, in der wir fast absaufen. Ich nehme die Karten raus und studiere diese und vergleiche mit meiner Garmin Karte und dem darauf befindlichen Trail. Irgendwie gibt es da ein Problem, dass der Trail auf dem Garmin aufhört und an anderer Stelle wieder beginnt, aber es keine Verbindung gibt. Und genau dort, wo er aufhört, verläuft auch die Grenze des Jasper und Willmore Parks, in den wir nun hinein gehen.  Was soll`s, offensichtlich verläuft der Trail viel weiter oben auf einen Pass hinauf und so steigen wir wieder den Berg hinauf und kämpfen uns diesmal Direttissima den Berg hinauf. Überraschenderweise geht dies besser, als den Wald quer zu passieren, denn es tun sich immer wieder Lichtungen auf, die uns den Weg hinauf erleichtern. Dort wo der Trail auf der Garmin Karte eingezeichnet ist, findet sich absolut nichts, aber wir folgen einfach der Richtung und sehen dann oben auf dem Pass ein Steinmännchen, und finden dort dann auch den Trail wieder. Jetzt wird klar, der Garmin Trail ist nur eine gerade Verbindung von diesem Punkt runter zum See, und offensichtlich hat hier am Pass mit der Track Aufzeichnung begonnen, denn ab hier stimmt es plötzlich wieder.  Wir führen die Pferde über grosse Felsplatten hinunter, bis wir endlich wieder an etwas Gras kommen, wo wir die Pferde fressen lassen können. Wir sind in einem weiten Talkessel und in der Ferne sehen wir einige Hirsche grasen. Jetzt verläuft der Pfad zwar wieder abseits des Garmin Tracks, aber er ist leicht zu finden und führt an riesigen von Bibern gestauten Weihern vorbei nach Osten. Hier finden wir auch die auf dem Garmin markierten Camps, aber diese sind für Pferde nicht tauglich. Beim Hochklettern einer Böschung in einer Bachdurchquerung rutscht Brass mit der Hinterhand ab und steigt, um sein Gleichgewicht nicht zu verlieren. Ich falle aus dem Sattel in das Bachbett und wälze mich zur Seite, als Brass rückwärts auf mich drauf fällt. Ich kann froh sein, dass mein Knie nach unten gebogen wird, ansonsten wäre es jetzt aus. Er derrappelt sich wieder und ich stehe etwas belämmert auf. Aber ausser einer Schramme am Rücken und nassen Hosen, ist nichts geschehen und ich komme mit dem Schrecken davon. Etwas später finden wir eine Fläche mit Gras, und entscheiden hier zu bleiben. Allerdings gibt es kein Wasser in der Nähe, und ich mache mich auf die Suche danach. Laut Garmin sollte es im Tal ein Camp geben und als ich unten im Tal am Flusslauf Wasser hole, sehe ich in der Ferne ein Dach in der grünen Landschaft blitzen. Ich kehre zum Camp zurück und steige auf Brass auf, um mit ihm die Cabin zu suchen, die ich gesehen hatte. Noch während ich weg reite, höre ich wie einer der Fiords wiehert und Szolt hat offensichtlich alle Hände voll zu tun, die beiden gehobbelten Pferde daran zu hindern mir zu folgen.  Es ist eine ganz neu gebaute Holzlodge, sehr schön gelegen und auch mit Wasser in der Nähe, aber ohne jeglichen Zugang zum Gras. Also kehre ich wieder zurück und wir bleiben dort, wo die Pferde Gras haben.  Als ich zurückkomme, fängt es gerade an zu regnen und wir verräumen unser Zeugs.  30 Minuten später scheint die Sonne wieder und die Pferde grasen auf der abgezäunten Wiese. Ich liege auf meiner Lagerstätte und schreibe, während ich dem Gebimmel der Pferde lausche.. 

 




7.8. West Sulphur Creek – Jack Knife Pass – Snow Creek – Muskek River Camp 32,6 km  

Heute früh war alles gefroren. Noch vor ein paar Tagen hätten wir uns über Eiswürfel im Tee gefreut, heute früh ist es nur kalt, als wir aus unseren Schlafsäcken krabbeln. Wir klettern in unsere klammen und kalten Stiefel und wir haben eine ganze Weile kalte Füsse, als wir die Pferde talwärts führen.  Bald kommen wir an eine Abzweigung, hier geht es weiter hinunter dem Sulfur Creek entlang. Doch wir haben genügend Wald gesehen und entscheiden, zum Jack Knife Pass zu gehen, um aus dem Wald rauszukommen. Die Garmin Karte und die von Stan zur Verfügung gestellten Karten sind für mich, der ich Schweizer Topokarten gewohnt bin, wirklich eine Herausforderung. Denn die Papierkarte schwarz-weiss, zeigt kaum Konturen an und vor allem sie stimmt nicht. Denn die Trails sind nur so ungefähr eingezeichnet, so quasi hier irgendwo gibt’s einen Trail, wo wissen wir nicht genau und die Karte auf dem Garmin ist einfach Schrott, denn der Fluss, ob 50 m breit oder ein Rinnsal ist immer genau gleich breit, so 0,1 mm auf dem Monitor und kaum sichtbar bei Sonnenlicht, zumal alle Konturen und Höhenlinien einfach grün übermalt wurden, und nichts zu erkennen ist.  

Zum Glück ist dem Trail leicht zu folgen und die Aussicht den Pass hinauf wunderschön. Wir machen Pause auf dem Pass und lassen die Pferde gehobbelt grasen. Das die Pferde frei herumstreifen und davon auch Gebrauch machen, macht Szolt nervös, denn seine bleiben in der Regel stehen und hauen das Gras rein, während unsere hier so quasi nach den Leckerbissen suchen und permanent in Bewegung sind.  Wir ziehen im offenen Gelände den Berg hinunter, wo wir nach 25 km einen guten Platz finden, aber trotzdem weitergehen, denn wir wollen einen Pausentag einlegen. Wir ziehen weiter ins Snow Creek Tal hinein und folgen dem Fluss den Berg hinauf. Oben eine riesige Ebene mit vielen Biberteichen. Wir überqueren den Pass und der Pfad führt uns quer durch heftiges Dickicht. Die Büsche sind höher als wir, wenn wir auf den Pferden sitzen und der Pfad unter uns ist kaum sichtbar. Die Äste zerren an uns und wollen uns festhalten. Das Camp, dass an der Gabelung unten im Tal eingezeichnet war, gibt es nicht, aber 4 km weiter finden wir ein tolles Camp mit genügend Gras. Hier werden wir Pause machen, damit wir Grande Cache am Sonntag erreichen.  

 



8.8. Muskek River – Rocky Pass – Big Graves Cabin 32,1 km  

Wir liegen iunter unserem Tarp und es regnet mal wieder. Aber das Cordura Material ist dicht und wir liegen trocken. Gott sei Dank. Die Pferde mampfen in ihrer Umzäunung und irgendein Tier, vermutlich ein anderer Grasfresser, getraut sich nicht auf die von uns besetzte Weide und schleicht die ganze Nacht ums Camp herum. Die Pferde schauen immer wieder gebannt in eine Richtung, aber es ist zu dunkel, um was wahrnehmen zu können. In der Früh war es erheblich wärmer als die Tage zuvor, aber alles ist klatsch nass. Wir gehen den Trail zurück, den wir gestern gekommen sind und gehen Richtung Rocky Pass das Tal hinauf.  Der Trail läuft entlang des Bachlaufes und wir haben Mühe, ihn zu finden. An einer Stelle, an der eine Wiese vom Bergrücken zum Fluss hinunterreicht, machen wir Rast und lassen die Pferde grasen. Ich steige auf die Anhöhe hinauf und finde dort ein altes Camp sowie eine völlig andere Welt mit weiten Sumpfflächen und Bergen im Hintergrund. Oben verläuft ein Trail und wir folgen diesem die nächsten drei Stunden durch den triefend nassen Busch. Hier wären Chaps oder Chinks definitive von Vorteil, vor allem wenn sie Wasserdicht wären. Noch besser Hüftstiefel, dann blieben auch die Füsse trocken. Nass bis auf die Unterhosen erreichen wir Big Graves, eine riesige Ebene, an der sich mehrere Flüsse treffen. Hier sind Gräber zu finden und wir bestaunen die kleinen weissen Dachgiebel und die vor über 100 Jahren davor gepflanzten Kreuze mit Namen und Todesdaten aus 1904 etc. In der Ferne donnert es und wir finden das in der Karte eingezeichnete Camp am Rande eines kleinen Wäldchens. Wir stellen dort die beiden Fiordies unter und ich nehme Brass und reite 2 km weiter zu einer Cabin, die ich dort gesehen habe. Zu meinem Erstaunen, lässt sich die Türe öffnen und ich reite zurück, um Szolt und die anderen beiden Pferde zu holen. Neben der Hütte steht hüfthoch saftiges grünes Gras und wir zäunen dort die Pferde ein. In der Hütte hat es Holz, einen Herd, 4 Betten und einen Vorratsschrank gefüllt mit Lebensmittel für 10 Personen. Unglaublich. Wir verräumen unser Zeugs in die Hütte, während es draussen wie aus Kübeln schüttet. Eine halbe Stunde später scheint wieder die Sonne und nach einer Stunde wird der Himmel wieder Finster und Grau und es hagelt. So wechseln Sonne und Regen in schöner Regelmässigkeit, aber wir sitzen gemütlich im beheizten Hüttchen und geniessen unser Abendessen. Herrlich so ein Dach über dem Kopf. Die Matratzen sind mit Plastikhüllen bezogen, also legen wir unsere Pferdedecken drauf und legen uns in unseren Schlafsäcken schlafen.  




9.8. Big Graves - Grande Cache 35 km  

Wir sind zeitig auf, und wir geniessen den Kakao, den wir in der Vorratskammer gefunden haben. Zum Ausgleich lassen wir zwei Tafel Schokolade da. Die Pferde haben sich am Gras sattgefressen und bald schon sind wir wieder unterwegs. Es sollte ein gemütlicher kurzer Tag werden, denn wir wollten nochmals Campen bevor wir morgen Grand Cache erreichen. Der Mountain Trail ist sehr gut gepflegt und schon fast etwas langweilig, dem wir hier über Hügel und durch lichte Wälder folgen. In einem kleinen Tal stossen wir auf Cowlick Trail, dem wir jetzt weiter folgen. Da auf der Karte zwei Camps eingezeichnet sind, lassen wir das erste mit sehr viel gutem Grass links liegen und wollen am zweiten dann Halt machen. Ein Fehler, denn das zweite Camps gibst nicht und wir stehen mitten im Wald, ohne Grasflächen, so dass wir entscheiden, doch bis Grande Cache weiter zu gehen. Grande Cache wird französisch ausgesprochen und wurde in der Zeit der Pelzjäger und Hudson Bay Company gegründet, die hier ein Pelzdepot (grosses Lager) eingerichtet hatten.  Der Cowlick Trail endet an einem offenen Tor auf der Rückseite einer Ranch. Da ich nicht weiss, wie das hier gehändelt wird (In Alaska wirst du erschossen, wenn du privates Grundstück unbefugt betrittst) also schlagen wir uns quer durch die Büsche hinüber auf den anderen Trail, von dem wir hoffen, dass er uns zum Haupteingang der Ranch bringt. Eine halbe Stunde später stehen wir wieder an einem Zaun, diesmal ganz in der Nähe eines Coralls. Wieder machen wir kehrt und gehen in der Richtung weiter, um ein paar Minuten später wieder am gleichen Zaun zu stehen. Ok, ich gebe auf und die Pferde und Szolt zurück lassend, klettere ich durch den Zaun und marschiere auf die Häuser zu, die ich etwas weiter unten an einer Strasse stehen sehe.  

Ich stelle mich den zwei jungen Männern kurz vor und frage, ob sie wüssten, wo wir mit Pferden hier unterkommen könnten. Sie meinen nur: go ask Curtis, he will help you…. Just down the road. Ich hole Szolt und die Pferde, öffnen den Zaun und marschieren die Strasse runter, auf der uns Curtis mit seiner Familie schon entgegen kommt.  Was wir nicht wissen… Curtis ist Mountain-Cree Indianer vom Stamm der Aseniwuche und verheiratet mit einer weissen Krankenschwester aus Grand Prairie und er ist einer der Elders des Stammes. Wir unterhalten uns bis spät abends und legen uns dann in unserem Tarp schlafen 




10.-11.8.2014   Leben mit den Cree-Indianern  

Den Indianern hier ist Eigentum nicht wichtig, Dinge sind tot und haben keine Seele und deshalb nicht relevant. Pflanzen, Tiere, Menschen sind wichtig, nicht weil sie Dinge besitzen, sondern weil sie Gaben und Fähigkeiten haben. Über diese Gaben und Fähigkeiten definieren sich die Stammesleute auch selbst.  

Noch heute 10 Generationen später, hat sich das Leben der Indianer hier noch nicht 100%ig an den westlichen Wertestil angepasst. Im Gegenteil, die zwei Kulturen scheinen noch immer unvereinbar, auch wenn es z.B. Curtis geschafft hat in der Westlichen Welt Fuss zu fassen.  Einer seiner Cousins hat sich umgebracht, seine Schwester ist Alkoholikerin und der Sohn seiner Schwester tut sich sehr schwer im Leben. Curtis selber arbeitet als Baggerführer für den lokalen chinesischen Kohlenbergbau und ist Guide und Fährtensucher für Jäger. Er ist mit einer Krankenschwester verheiratet und sie haben 2 gemeinsame und 2 Kinder aus erster Ehe von Ihr. Allerdings war auch Curtis nicht ganz ohne als Jugendlicher, auf jeden Fall hat er so seine Geschichte mit der Polizei. Er hatte ein KFZ geklaut und ist, als er verhaftet werden sollte, für 5 Jahre im Busch untergetaucht. Nur sein Bruder wusste, wo er sich aufhielt und brachte ihm ab und an, Mehl, Salz und Patrnonen. Nach 5 Jahren wurde polizeiseits vorgeschlagen, dass er nicht ins Gefängnis müsse, wenn er sich freiwillig stellen würde und ihm die 5 Jahre im Busch angerechnet würden. Er hat sich dem Traditionellen Lebensstil der Indianer zugewandt und dadurch Inhalt und Sinn für sein Leben gefunden. Er will diesen Lebensstil jetzt auch ab nächsten Sommer den Jugendlichen seines Stammes weitervermitteln.  

Sein Stamm war ursprünglich unten in Jasper zu Hause und wurde Ende des vorletzten Jahrhunderts mitten im Winter nach Norden nach Grande Cache verwiesen. Auf der entbehrungsreichen Reise sind viele der Alten und Jungen des Stammes gestorben, und deren Gräber findet man noch heute draussen in der Wildnis zum Beispiel eben in Big Graves, wo wir auch vorbeigekommen sind.  Auffallend war auf der Ranch, auf der er 20 Pferde und 15 Longhorn-Hochlandrinder hat, dass zum einen sehr professionell gearbeitet wurde (Corall und Einzäunung für die Pferde) aber gleichzeitig überall Werkzeug, Spielzeug und Ausrüstungsgegenstände rumlagen, was für uns Europäer einen sehr unaufgeräumten Eindruck hinterliess.  

Die Cree glauben an eine Dualität, den Schöpfer und den grossen Geist (weiblich) der jedem Lebewesen und jeder Pflanze innewohnt.  Wir verbringen sehr viel Zeit mit Curtis und seinem Bruder Richard, der so etwas wie das geistige Oberhaupt des Stammes ist. Vor allem Richard erzählt uns von der Geschichte der Cree und der Indianer im Westen allgemein und es ist faszinierend ihm zuzuhören. Wir verbringen das ganze Wochenende zusammen, weil wir den Montag abwarten müssen, um einzukaufen und um unser Paket aus McBride entgegenzunehmen.  

 

Am Montag nehmen wir uns Zeit Basil Lamerts von der Willmore Foundation kennen zu lernen und wir verbringen 2 Stunden mit ihm, besprechen Trails und mögliche Routen und lauschen seinen Hinweisen und Erfahrungen. Er ist 83 Jahre alt und führt noch immer selbst die Crews, die draussen die Trails freischneiden. Wir versuchen vernünftige Karten aufzutreiben, aber das ist nicht möglich und gehen einkaufen. Wir schicken Ausrüstung zurück in die Schweiz und auch nach McBride. Am Abend kommt Richard mit seiner Freundin und bringt uns einige Kräuter und getrocknetes Elchfleisch, welches hervorragend schmeckt. Wir unterhalten uns lange über die Indianische Geschichte, so wie er sie sieht und er schreibt mir die 10 Gebote der Indianer auf.  

1 Die Erde ist deine Mutter, sorge für sie. Ehre alle deine Verwandten. Behandle die Erde und alles was lebt mit Respekt, seien es Pflanzen, Wasser, Luft, Vierbeiner oder Geflügel, sie sind Deine Verwandten.  2 Sei dem Schöpfer und seinem grossen Geist immer nahe in allem, was du tust.  Öffne dein Herz ihnen gegenüber und gedenke ihrer.  3 Alles Leben ist heilig, behandle alle lebendigen Dinge mit Respekt.  Respektiere dich selbst und alle Menschen egal welcher Farbe.  4 Arbeite mit anderen zusammen für Frieden und Harmonie, so dass alle profitieren.   Nimm von der Erde nur, was du brauchst und nicht mehr.  5 Helfe und unterstütze, wo immer es notwendig ist, fördere das Gemeinwohl.  6 Handle richtig und sei dankbar gegenüber dem grossen Geist.  7 Sorge für einen gesunden Geist, Körper und Seele  8 Sprich die Wahrheit und sei allezeit ehrlich vor allem dir selbst gegenüber.  9 Folge dem Rhythmus der Natur und gebe einen Teil deines Ertrages der Gemeinschaft.  10 Geniesse den Weg deines Lebens, hinterlasse keine Spuren und trage die Verantwortung für dein Handeln.  

12.8.2014 Victor Lake – Grande Cache – Sulphur Gates – Coral Creek Camp 29,1 km  

Schon beim Aufsatteln stelle ich fest, dass der Pal nicht 100%ig sauber läuft, aber es ist nicht zu definieren, wo das Problem herkommt. Wir reiten los und umgehen Grande Cache auf einer südlichen Route und er scheint sich einzulaufen, aber als wir ihn den Berg hinab führen, wird es sehr deutlich. Szolt hat dazu noch einen Black out am Berg  und stürzt. Es ist über 30 Grad heiss und er ist unterzuckert.  

Ich bringe ihn zum Schatten und er trinkt etwas Ginger-Ale. Dann geht es ihm besser, seine Hand schmerzt vom Sturz. Dem Pferd verpasse ich eine Dosis Equipalazone und wir führen weiter hinunter zur Brücke nördlich von Grand Cache und die 7 km Schotterpiste bis zum Sulfur Gate. Sulfur Gate heisst so, weil sich zwei Flüsse hier vor einem Felsdurchbruch vereinen. Es ist der Sulfur Creek und Smokey River. Mit den Medis läuft Pal ok, aber reiten will ich ihn trotzdem nicht. Wir hoffen, dass es morgen wieder gut sein wird. Wir folge dem Trail Richtung Sheep Creek und wir hoffen bald ein Camp mit genügend Gras und Wasser zu finden.  Wir verpassen den Trail zu einer Cabin oben am Berg und das zweite Camp scheint es nicht zu geben. Der Trail entlang des Smokey Rivers führt über die Kvass Flats und nach bald 30 km haben wir das Corall Creek Camp erreicht. Wir werden von der Crew dort herzlich willkommen geheissen und nach dem wir die Pferde versorgt haben, geniessen wir gemeinsam mehrere Dosen kanadisches Pils. Wir schlafen in einem Ihrer Zelte und geniessen das gemeinsame Abendessen, dass von einem jungen Bauern aus Edmonton gekocht wird. 

 

 13.8. Coral Creek Camp Sulphur Gates 26 km  

 

Wir checken als erstes die Pferde und unser Fiord ist lahm.  Echt nicht gut…. Entweder er hat einen Tritt abgekriegt, oder etwas ist faul, mit der Sehne oder dem Huf. Wir finden nichts Eindeutiges. Wir rufen Stan an und erreichen ihn nicht, rufen Curtis an und vereinbaren mit ihm, dass er uns ein Ersatzpferd nach Sulfur-Gates bringen wird. Ich sattle den Morgan und verpasse dem Pal eine doppelte Dosis Equi. Brass reitend, nehme ich den Fiord an den Halfter und reite mit ihm als Handpferd die zwei Stundenstrecke zurück nach Sulfur Gates, wo ich ihn Curtis übergebe, der mir sein Rocky Mountain Horse Fast Eddy gebracht hat. Der Sattel passt so einigermassen und wir satteln auf den Schecken um.  Im Trab geht’s zurück zum Coral Creek Camp, aber der Tag ist trotzdem gelaufen,  denn es ist schon nach Mittag, als ich wieder zurück bin. Wir raspeln die hinteren Hufe des Rocky Mountain Horses, denn er ist nur vorne beschlagen. Es ist heiss und schwül und ich bin froh, nicht unterwegs sein zu müssen. Im Camp sind etwa 20 Pferde, alles grossrahmige schwere Tiere, die ungehobelt und ohne Glocken sich frei grasend bewegen. Ab und an versammelt sich die ganze Herde im Coral um am rauchenden Feuer, die lästigen Kribbelmücken loszuwerden.  So pendeln sie zwischen Fluss, wo sie saufen, dem Wald und dem Coral, und besuchen ab und an auch unsere drei, die friedlich in ihrem Paddock grasen. 

 

14.8. Coral Creek Camp – Dry Canon Camp 32 km  

Wir verlassen den Corall Creek und seine Crew mit einem Morgenkaffee. Der Pfad aus dem Camp führt wieder hinauf zum Minen Weg welchem wir weiter nach Westen folgen. Nach etwa 7 km furten wir den Smokey River. Jedoch finde ich den Einstieg zum Trail nicht, bis ich realisiere, dass der auf dem GPS eingezeichnete Trail zuerst weg führt vom Fluss und in einem grossen Bogen zu ihm zurückkehrt. Also wieder zurück und jetzt ist es klar, wo der Trail verläuft. Wir folgen ihm über einen hohen Bergrücken im Wald und hier finden wir auch einzelne vergessen Fallen, von Bills Trapline. Aber ausser Birkhühnern ist nicht viel zu sehen und wir reiten den ganzen Tag im lichten Wald. Nach der Kuppe kommt ein kleiner Bachlauf, an dem auch ein Camp ist, aber es ist er 3 Uhr mittags, so dass wir entscheiden noch den Dry Canon mitzunehmen. Steil führt der Weg hinunter zum Muddy River und an seinen Ufern machen wir erst mal Rast. Auf der anderen Seite führt der Weg hinauf auf einen kleinen Pass. Dry Canon heisst das Tal wohl, weil ausser ein paar Weihern unter uns im Tal, kein Wasser zu sehen ist und auf der linken Gebirgsflanke sieht man die Reste von verbrannten Bäumen ihr dürres Geäst in den Himmel strecken.  

Nach dem Pass, der sehr sumpfig ist, führt der Weg langsam hinunter und wir kommen in ein breites Tal, mit sehr viel gutem Gras. Ein am Baum befestigtes Elchgeweih weisst uns den Weg zum Camp und um 17.00 Uhr haben wir dann das auf der Karte vermerkte Camp erreicht. Es ist wunderschön gelegen im Wald etwas erhöht vom Fluss und die Pferde haben gutes Gras hier.  Der Fiord legt sich immer wieder hin und kaut an seiner Fessel, ich wundere mich noch ob er eine Kolik haben könnte, aber beachte es dann nicht mehr weiter. 

 

15.8. Dry Creek Canon Camp – Smoky River Cabin 25 km  

Saddam unser Fiord ist stocklahm.  Weiss der Geier, was los ist, aber zwei Pferde die lahm gehen auf einer Tour hatte ich auch noch nicht. Aber was soll`s, wir haben keine Wahl und müssen umkehren.  Wir können nicht abwarten, ob es besser wird, wir müssen in ein paar Tagen zurück nach BC und ohne Packpferd schaut das düster aus. Der Morgan wird als Packpferd beladen, Szolt reitet das Indianer Pony und ich führe den Saddam gesattelt hinter mir her. Equipalazone sei Dank, kann er einigermassen schmerzfrei laufen, wenn er dann läuft, aber die ersten Schritte tun schon beim Zuschauen weh. Trotzdem wir müssen zurück und ich führe ihn die gestrige Strecke zurück bis zum Camp. Der Morgan ist echt klasse, er hat seine Rolle als Führpferd sofort kapiert und läuft vor mir her, damit ich mich am Schweif den Berg hochziehen lassen kann. Selbständig findet er den Pfad und weicht auch den umgestürzten Bäumen genau so aus, wie wir es auf dem Herweg schon getan hatten. Gegen Abend erreichen wir Smokey Creek. Der Fluss ist dunkelgrau und man sieht den Grund nicht mehr, da es oberhalb stark geregnet hat, ist er auch rund 30 cm höher heute als noch vor einem Tag.  Fast Eddy und Brass gehen ruhig durchs Wasser, nur der lahmende Saddam hat keinen Bock mich rüberzutragen und macht Zicken. Aber nach einigem Hin und her geht auch er durch den Fluss und wir machen hier an Bills Cabin halt. Es sind noch 7 km bis zum Corall Camp, und die wollen wir morgen früh gleich in Angriff nehmen. 

16.8. Corall Creek Camp – Grande Cache die zweite  13 km   Wir erreichen Corall Creek so gegen 10 und der Camp Steward erklärt, dass alle Taylor, der Chef heute von Sulfur Gates her reiten wolle. Wenn wir Glück haben, erreich wir ihn noch dort. Wir verabschieden uns auf s neue, nicht ohne von ihm noch ein Bier geschenkt zu bekommen.  Am Sulfur Gates finden wir Taylor ziemlich im Stress, denn er hat etwa 30 Pferde dort, die alle bepackt werden wollen, er hat 15 unerfahrene Reiter, die dabei helfen sollen und diese haben viel zu viel Gepäck für die wenigen Packpferde die dabei sind.  Er ist beständig am Telefon und versucht weitere Packpferde zu organisieren, und erklärt seinen Gästen kategorisch, er habe nur Platz für Socken und Schlafsack, alles andere bleibe hier. Wir bekommen ein Soda und als er mal eine Minute Luft hat, zeige ich ihm unser Problem und frage ihn, ob er uns nach Victor Lake fahren könnte. Er sagt ja, und wendet sich wieder seinem Telefon zu. Wir satteln ab, lassen unsere Pferde grasen und versuchen ihm so gut es geht zu helfen, die Pferde gesattelt und beglockt zu bekommen. Nach einer halben Stunde meint er dann plötzlich „get ready to go“ und eine junge Frau kommt auf uns zu, (es ist seine Ehefrau und Tochter des U-Bar-Outfitters) die uns zum Trailer führt, in den wir unsere Pferde verladen sollen. Gesagt getan, das Gepäck auf den Pickup und schon sind wir auf der Schotterpiste unterwegs zur Brücke, hinauf nach Grande Cache, runter nach Victor Lake und 30 Minuten später halten wir vor dem Haus von Curtis. Bezahlen dürfen wir nichts, also wünschen wir ihr alles Gute und sagen herzlichen Dank. 

 

17.8.-18.8. Victor Lake Grande Cache  

Wir richten uns also mal wieder häuslich ein, diesmal bleiben wir mit unserem Schlafsack gleich in der aufgeräumten Scheune und Melanie erklärt uns, dass ihr Mann Curtis noch unterwegs sei und erst Montag ankommen werde. Sie ruft den Hufschmied an und zeigt uns wie sie den Pal versorgt hat, der jetzt schon wieder einen ganz munteren Eindruck macht. Alle drei stehen im eingezäunten Bereich auf weichem Heu und Saddam bekommt eine Kältebandage mit tiefgefrorenen Beeren im Plastikbeutel.  

Wir füttern die drei mit sehr gutem Heu, welches inzwischen geliefert und im alten Pferdetrailer gebunkert wird. Der Hufschmied wird sich abends melden und sagen, wann er kommen kann und wir müssen warten, bis Curtis zurückkommt, da wir mit ihm über ein Pferd, welches wir nach BC mitnehmen können, sprechen müssen.  Ich versuche Stan zu erreichen, aber ausser einer Message auf seinem Mobile Phone kann ich nichts hinterlassen. Ich versuche es jeweils morgens, mittags und abends, aber am Samstagabend ist auch seine Mailbox voll.  Also warten wir die drei Tage und verbringen die Zeit mit Fischen und Einkaufen in Grande Cache. Am Samstag kommen die Frau von Basil und deren Tochter und holen ein Pferd, das sie bei Curtis eingestellt hatten. Sie will es zu einem anderen Stall hinüberreiten, wo sie bessere Trainingsmöglichkeiten hat. Sonntagabend kommt der Hufschmied Cody, er ist der Sohn von Basil und es stellt sich heraus, dass Melany seine Pferdefachfrau ist. Der nächste Grosstierarzt wohnt drei Stunden weg in Grand Prairie und immer wenn Cody irgendwelche Medizin braucht, hilft ihm Melanie mit den Produkten des Krankenhauses aus. Er begutachtet unsere beiden Fiordies und nimmt zuerst bei Saddam das Eisen runter, stochert mit dem Ausschneider etwas rum und findet gleich ein riesiger Abszess, der durch einen zu hoch gesetzten Nagel ausgelöst wurde.  Dann nehmen wir uns Pal vor, und auch hier tippt er sofort auf einen Nagel und als er das Eisen entfernt hat, fliesst auch hier Eiter und Blut, allerdings nur in geringer Menge und Pal scheint es auch schon wieder sehr gut zu gehen. Melanie fährt ins Krankenhaus, um neue Spritzen und ein Antibiotikum zu holen und wir besprechen mit Cody nochmals die gewählte Route nach BC über einer Tasse Kaffee.  

19.8. Sulphur-Gates – Sheepcreek Trail – Dry Canon Creek Camp 29, 1 km   Curtis hat angerufen und wir sind ihm am Montag ein Stück entgegen geritten. Der kleine Indianer Junge und die junge Frau, die mit ihm unterwegs waren, sind begeistert von der Tour, die sehr anstrengend gewesen sein muss. Curtis ist froh, alle gesund nach Hause gebracht zu haben und ich kann mit dem Jungen einige Sätze reden.  Nach dem Abendessen einigen wir uns, dass wir Fast Eddy mit nach BC nehmen können, und dass er sich um Saddam kümmern wird. Ich zahle ihm 400 Dollar für den Rocky Mountain und er fährt uns mit seinem Trailer wieder hinaus zum Sulfur Gates.  Richard und seine Freundin begleiten uns und nach dem Aufsatteln verabschieden wir uns von unseren neuen Freunden.  Wir reiten am Coral Camp vorbei, furten den Smokey zum vierten Mal und reiten in einem Stück durch bis zum Dry Canon Camp, allerdings bleiben wir im breiten Tal, wo wir auf der linken Seite in einer grossen Grasfläche unser Camp aufstellen. Hier hat es Gras und Holz, nur muss ich das Wasser unten am Fluss holen. Es ist gar nicht so einfach einen offenen Wassersack mit 6 Liter Wasser reitend zu tragen, vor allem scheint die Strecke zurück unendlich lang zu sein und der Arm wird fast taub. Am Camp kämpft Szolt mit dem nicht brennen wollenden Feuer und verschüttet auch noch einen Teil des mühsam angeschleppten Wassers.  Das Mountain House Beutelessen ist so ganz gut, heute gibt’s zum Dessert etwas Schokolade und wie immer literweise Tee. Die Nach verspricht kalt zu werden und wir kriechen in unsere Schlafsäcke, sobald es dunkel wird. Die Pferde mampfen genüsslich am hohen fetten Gras und wir sind froh endlich wieder unterwegs zu sein.    

20.8. Fame / Trench Creek Trail – Sheep Creek – Casket Creek 31,7 km  

Am Morgen mache ich Kaffee und heisses Wasser für das Birchermus. Szolt beschwert sich, dass ich die Heizung nicht eingeschaltet habe, die kleine Herdplatte  sein nicht warm genug. Dann baut Szolt das Tarp ab und räumt die Küche auf, während ich die Umzäunung abbaue und die Pferde zum Satteln herbringe. Ich sattle Brass und Eddy und während Szolt noch mit dem Gepäck beschäftigt ist, beginne ich den Pal zu satteln.  Wir brechen auf und finden den Fame Trail ohne Probleme, folgen ihm und verpassen am Bach eine Abzweigung und landen mitten in einer riesigen Sumpfwiese. Der Trail verschwindet dort und ich gehe den Trail mal wieder suchen. Es dauert eine Weile bis ich unten am Fluss die verpasste Abzweigung wieder finde und ich gehe den Weg zurück zu den grasenden Pferden. Ich führe Brass zu einem Baumstrunk, wo ich aufsteigen will, aber er läuft gekonnt immer ein paar Schritte zurück, sobald ich den Fuss im Steigbügel habe, so dass ich mich nicht in den Sattel schwingen kann. Genervt knuffe ich ihn im Brustbereich. Er dreht sich um, ich verliere den Zügel und er ist weg. Er trabt munter den Weg zurück, den wir gekommen sind und Szolt hat Mühe mit seinem Pony zu folgen. Der Weg ist so schmal, dass er nicht an Brass vorbeikommt und erst als er wieder unten am Fluss steht, kann ihn überholen, muss aber absteigen, um den Führstrick zu fassen. Während ich mit dem Packpferd wieder Richtung Fluss unterwegs bin, kommt Szolt mit Brass und dem Indianerpony zurück und reklamiert, ich solle doch besser mein Pferd festhalten, dann müsse er nicht mit nassen Füssen reiten. Wir folgen jetzt dem richtigen Trail und müssen den Fame Creek mindestens 30-mal queren. Der Trail führt durch ein Waldbrandgebiet und der Wind hat die abgestorbenen Bäume kreuz und quer gelegt. Nach vier Stunden Kampf durch das unwegsame Gelände geben wir auf und entscheiden die 6 km wieder zurück zu reiten und dem Sheepcreek zu folgen, denn wir haben keine Chance die 24 km in der uns verbleibenden Zeit zu schaffen. Also zurück und diesmal geht’s erheblich schneller, da wir den Trail nicht mehr suchen müssen, und einfach unserer eigenen Spur folgen können.  Wir erreichen wieder unser Camp und folgen jetzt wieder dem Minen Weg entlang des Sheep Creeks. Der Trail im Sheep Creek Valley verläuft oberhalb des mäandernden Flusses und führt bald durch weite Wiesen und Sumpfflächen. Bald schon erreichen wir das Camp mit Helikopterlandeplatz und Benzinhäuschen und dort findet sich neben dem Pferdecorall auch eine Cabin gleich unterhalb des abgebrannten Waldes. Wir führen die Pferde dorthin und während Szolt in der Cabin am Herd Feuer macht, bringe ich die Pferde auf die Weide und zäune sie dort ein.  Die Hütte ist gemütlich mit zwei Betten mit Matratzen, Tisch und Stühlen und wir geniessen unser Chilli-Con-Carne und entscheiden, dass es morgen geröstete Tortillas und Rührei mit Schinken aus dem Beutel gibt. 

 

21.8. Sheep Creek – Casket Creek Trail 30,7 km  

Ich bin heute erst um 5.30 wach, da es dunkel ist in der Hütte. Es ist neblig draussen, als ich aufstehe und Feuer mache. Ich gehe Wasser holen unten am Fluss für die Rühreier und den Kaffee und als ich zurück komme, ist Szolt auch auf. Wir geniessen das warme Frühstück und räumen auf. Der Trail führt bald in einen Totwald, wo vor Jahren offensichtlich ein Waldbrand wütete und jetzt überall neue Douglasföhren ihre jungen Äste in den Himmel strecken. Die noch stehenden Bäume sind durch das Feuer zu bizarren Skulpturen verbrannt und jeder Sturm kann die alten Baumleichen entwurzeln. Der Trail verliert sich immer wieder und ich mache mich dann jeweils zu Fuss auf die Suche, in dem ich einen Halbkreis laufe, um wieder auf den Trail zu stossen.  Wir haben Glück und finden ihn immer wieder und so folgen wir dem Fluss auf etwa 13 km bis wir auf einer Ebene auf den Casket Creek stossen.  Ein beschriftetes Elchgeweih weisst uns die Richtung, aber seltsamerweise hängt es verkehrt herum. Wir folgen dem Trail und verlieren ihn, reiten im Bachbett weiter, bis auch das zu mühsam wird, und kehren wieder um, zurück zu unserem Wegweiser. Da entdecken wir auf der anderen Seite der Ebene zwei Markierungen an den Bäumen und als wir dorthin reiten findet sich auch ein Trail, der ausnahmsweise Mal genau dort hin führt, wo er auf der Karte auch eingezeichnet ist. Eureka, der Trail ist gut und wir kommen gut voran, da er frisch ausgeschnitten ist.  Durch lichten Wald führt er hinauf zum Casket Pass und als wir den Pass hinunter führen finden wir gegen 17 Uhr in der Nähe eines kleinen Sees ein Camp. Ich gehe zum See vor und stelle dann fest, dass Wasser gleich in der Nähe des Camps sein müsste. Ich kehre zurück, Szolt hat die Pferde bereits abgesattelt und zum Weiden entlassen, und hole auf der anderen Seite des Camps Wasser. Während Szolt zur Feier des Tages gegrilltes Huhn mit Kartoffelpüree vorbereitet, stelle ich den Zaun für die Pferde auf und nach dem Essen bauen wir unser Lean-To auf und verstauen unser Gepäck als Kopfkissen unter der Blache. 

22.8. Casket Creek – Morkil Pass Camp 30,7 km  

Es ist halb Sieben abends. Es ist kalt und ich sitze in meine Jacke gehüllt am Lagerfeuer und schreibe meinen Blog. Es hat aufgeklart, dafür ist es sau kalt. Heute war es trotz Sonne nie über 15 Grad und jetzt hat es vermutlich knappe 10. Der Tag heute war ein echter Explorer Tag, der Trail verschwand häufiger als normal, immer in den Sumpfgebieten und ich habe aufgegeben, nach ihm zu suchen. Wenn er weg ist, gehen wir einfach in der Richtung weiter und in der Regel findet er sich dann auch wieder.  Da wir laut GPS nach links über einen Pass mussten, sind wir einfach im freien Feld den Berg angestiegen und haben die Höhe gesucht. Oben auf dem Pass war dann der Trail wieder für einige Meter sichtbar, dann ist er in der Fläche wieder verschwunden. Hier ist der GPS Trail wieder nur eine gerade Linie und wir bewegen uns so im Schnitt etwa 240-260 m davon entfernt im Tal mal nördlich mal südlich vom eingezeichneten Trail. Wir kommen trotzdem gut voran und erreichen schliesslich um ca. 16 Uhr ein Camp. Unterwegs sehen wir vor dem Pass einen Wolf, leider verschwindet er in der Landschaft, so dass er auf dem Foto nicht auszumachen ist. Später nach dem Pass, fotografieren wir ein Stachelschwein und stellen das Hinweisschild, willkommen im Willmore Provinzial Park neu auf. Allerdings steht auch dieses Schild nicht genau auf der Grenze, aber 250 m sind ja keine Distanz hier in Canada.  Morgen wird es spannend werden, denn da habe ich gar nichts mehr, kein GPS Trail, keine geplanten Tracks sondern nur die Karte, die sich ja als 100% unzuverlässig erwiesen hat.  Das Packpferd hat einen leichten Satteldruck und ich behandle es mit dem Bugdope von Stan. Das Indianerpony ist ebenso etwas aufgescheuert, wo die Haut über die Kante des Bauchgurtes rutscht, so dass ich mein Anti-Kubitus-Fell nehme und dies um den Sattelgurt klebe. Dies wird helfen. 

 

23.8. Shell Pass – Pauline Creek Camp 23,2 km  

Es ist sehr kalt und sehr neblig heute früh. Die Pferde sehen auf ¼ Hektar, Sumpfweide und fressen das gelbliche Grass.  Gegen 8 Uhr bricht die Sonne endlich durch den Nebel und dann sind wir auch soweit zum Abritt.  Es gilt den Trail zum Shell Pass zu finden, der vom bisherigen Trail nach Süden abweicht. Wir finden den kleinen See, der auf der Karte eingezeichnet ist und in dessen Nähe der Abzweiger sein sollte und dort werden wir dann auch fündig. Wir folgen ihm durch das Sumpfgebiet den Berg hinauf und bald befinden wir uns im dichten Wald. Der Trail schlängelt sich hoch und wir kommen auf eine Hochebene und wir stellen fest, dass dieser Trail immer dem Waldrand nach verläuft. So auch wenn er nicht sichtbar ist, gehen wir einfach weiter und kommen so immer wieder auf ihn zurück.  Szolt schlägt vor, dass hier Schilder angebracht werden, die die Elche darauf hinweisen, dass sie sich gefälligst vom Trail fernhalten sollen. Der Weg zum Shell Pass zieht sich in die Länge und ich konsultiere mein Samsung Tab, auf der ich eine andere GPS-Karte installiert habe, um zu sehen, ob wir noch in der Richtung sind. Alles passt und wir finden den Trail, der zum Pass hinauf führt, nachdem wir einen anderen Pass und ein Tal durchquert haben. Shell Pass ist ein Schotterhügel mitten in der Landschaft, von dem aus man eine unglaubliche Rundumsicht hat.  Andere Pferde sind hier auch rauf, so zumindest die Spuren, aber wir verlieren sie immer wieder, und gehen einfach der Richtung folgend den Berg hinunter.  Bald finden wir den Trail wieder und er führt steil zum Pauline Creek hinunter, unterwegs müssen wir immer wieder Bachläufe queren. Heute hat das Packpferd keinen guten Tag, zuerst bleibt ein von ihm umgerissener Baum auf seinem Nacken liegen und verkeilt sich zwischen Baum und Gepäck, so dass er weder vorwärts noch rückwärts kann. Ich muss den Baum umsägen, und dann über das Pferd heben, um Pal aus der misslichen Lage zu befreien. Dann stellten wir fest, dass sich der hintere Bauchgurt gelöst hatte, dass beim steilen Abstieg das gesamte Gepäck nach vorne gerutscht ist und jetzt komplett auf Widerrist und Hals hängt. Also komplett absatteln und neu aufsatteln.  

Das Camp liegt sehr schön an einem Bach, aber es hat kaum Gras hier.  Wir benötigen das nächste Mal Krafu für dieses Camp.  Ich gehe baden und die Pferde werden gehobbelt und beglockt in die Landschaft entlassen.  Die Innensohle meiner Stiefel macht Probleme, diese werden nun heute mit Silbertape repariert.  Ebenso müssen die Taschen der Hosen neu angenäht werden, denn der Busch, klammert und reisst, alles was nicht Niet und nagelfest ist ein.  Die Route wird auf dem Tab nochmals gecheckt und ich rufe Stan an, um mit ihm den Abholtermin zu besprechen. Das Sat-phone funktioniert ganz gut, man muss nur etwas Geduld und freie Sicht zum Himmel mitbringen. Szolt ist beruhigt im Wissen, dass jemand weiss, wo wir sind und ich bin zuversichtlich, dass wir die restliche Strecke zum Blueberry-Lake in der verbleibenden Zeit schaffen werden.  

 

24.8. Jackpine River – Castor Creek – 20,2 km  

Wir klettern über einen Bergrücken und kommen dann auf der Höhe des Medowlandflusses zum Jackpine River. Kurz davor verlässt uns der bisher gute Trail in einem Totholzwald und wir entscheiden hier die Pferde grasen zu lassen, während ich mich mal wieder auf die Suche mache. Unverrichteter Dinge kehre ich nach einer Stunde zurück und wir führen die Pferde einfach in der vorgegebenen Richtung weiter, als ich nach 50 m plötzlich wieder auf dem Trail stehe. Glück muss man haben, jedoch ist es nur von kurzer Dauer, denn am Jackpine endet der Trail im Bachbett. Vergeblich suchen wir nach einem Ausstieg auf der anderen Flussseite und entscheiden, dass die anderen auch im Bachbett weiter geritten sein müssten. Etwa 5 km weiter sehen wir plötzlich einen Ausstieg und siehe da, der Trail lädt uns wieder ein, ihm zu folgen. Wir reiten dem Ufer des Jackpine entlang und kommen zu Spyder Creek und ich will nach gutem Gras suchen, während Szolt die andere Flussseite nach einem möglichen Camp absucht. Fast Eddy mag Sumpf und Bachläufe nicht und weigert sich über ein 20 cm breites aber tiefes Rinnsal zu gehen und hüpft stattdessen in den Fluss hinunter. Als ich die steile Böschung wieder hinauf will, rutscht er ab und steht plötzlich mit der Hinterhand in tiefem Wasser, während die Vorhand auf der Böschung halt sucht. Ich rutsche über die Kruppe weg und stehe hüfttief im Wasser, während Eddy ohne mich die Böschung hochkrabbelt. Super….  Am Flussufer machen wir Feuer und ich trockne meine Boots während ich den Blog schreibe und Szolt das Abendessen kocht. Die Pferde stehen auf gutem Gras und ruhen sich aus. 

25.8. Castor Creek – Jackpine River  20,6 km  Erfolgloser Versuch...  

Am nächsten Morgen folgen wir dem Jackpine bis zur Abzweigung des Castor Creeks und suchen dort nach einem Trail. Nichts zu finden, aber der Fluss selber lädt zum Reiten ein, also folgen wir ihm und reiten im Bachbett nach Westen. Allerdings wird es schon bald recht ruppig und wir versuchen uns durch den Wald durchzuschlagen. Nach 3 Stunden machen wir Pause und ich versuche alleine einen Weg zu finden, aber es ist aussichtslos. Diesen Trail gibt es nicht. Also kehren wir um, und reiten im Bachbett den Fluss wieder hinunter, aber immer wieder müssen wir aus dem Bachbett raus, weil es zu tief ist und uns durch den Wald durchkämpfen. Wir kehren zurück bis zu einer Schneise, auf der ich hoffe, morgen eine andere Abkürzung finden zu können. Hier ist es zwar steil und sehr steinig, aber die müden Pferde haben doch wenigstens gutes Grass und wir bauen uns zwei primitive Biwaks, damit wir wenigstens Trocken liegen, wenn wir denn schon mit der Schwerkraft kämpfen müssen. Es wird schon dunkel als wir endlich auf der Matte liegen und ich liege noch eine Weile wach, bevor die Müdigkeit mich übermannt. 

26.8. Jackpine River –20 km  

 

Wir haben einen ganzen Tag verloren und jetzt wird es langsam eng, denn wir müssen am 28. Zurück sein in McBride wenn wir am 29. den Flug erwischen wollen. Das GPS sagt es seinen noch 40 km Luftlinie, normalerweise ja kein Thema, aber hier weiss man nie was einen erwartet. In der Frühe rufe ich den Stan an und teile ihm mit, dass wir am 27. Abends am Blueberry sein werden und versichere mich, dass es auch wirklich einen Pferdetauglichen Trail über den Jackpine Pass gibt. Stan bestätigt mir dies, allerdings mit der Einschränkung dass der Trail u.U. schwer zu finden sei. Ok, wir haben keine Alternativen, also müssen wir einfach vorwärts machen und schauen, dass wir es packen. Wir stehen früh auf, und satteln die Pferde und versuchen in der Schneise nach oben zu gelangen, um oberhalb der Waldgrenze über den Pass zu einem Snowmobile Track zu  kommen, den ich auf meinem Garmin sehen kann.  Es gibt keinen Trail hinauf und was so easy aussieht, entpuppt sich als böse Schinderei. Das Indianer Pony legt sich einmal sogar hin, weil es so müde ist und ich entscheide nach einer Stunde, dass die Pferde auf einer Lichtung Pause machen, und ich alleine hochgehe, um zu sehen, ob es für die Pferde machbar ist. Auch Szolt ist fix und fertig, ob der Schinderei und will wissen, ob es nicht eine andere Möglichkeit gibt, hier rauszukommen. Ich klettere eine Stunde lang nach oben und bin klatschnass vom nassen Gebüsch, als ich endlich oben auf rutschigem Geröll stehe und sehen kann, wo wir rauskämen. Das Gelände ist so steil, und das Geröll so lose, dass ich es vergessen kann, hier mit den Pferden durchzuwollen. Abbruch…. Ich eile den Berg hinunter und 90 Minuten später bin ich wieder bei Szolt. Wir besprechen die Lage und mein Adrealinspiegel fährt hoch. Jetzt gilt es Tempo zu machen, und die verlorene Zeit einzuholen.  

Wir führen die Pferde hinunter, denen die Pause gut getan hat und reiten im Bachbett zurück zum Jackpine River. An einer engen Stelle, rutscht mein Indianer aus, und begräbt mich unter sich im Bachbett. Es dauert eine Weile bis Szolt abgestiegen ist, und meinem Pferd hilft wieder auf zu stehen. Ich liege rücklings im Bach, und das Wasser spült über mich drüber. Jetzt ist es auch egal, ich stehe auf und führe mein Pferd die restlichen 4 km den Bach hinunter. Um warm zu bleiben, muss ich in Bewegung bleiben und deshalb führe ich auch die nächsten 20 km dem Jackpine entlang, bis ich wieder einigermassen trocken bin.  Meine Füsse gluckern zwar bei jedem Schritt in meinen Stiefeln, aber ich friere nicht. Gegen 16 Uhr wird es frisch und es fängt zu regnen an. Wieder werde ich komplett durchweicht und jetzt wird mir auch langsam kalt. Wir suchen eine Camp Möglichkeit und finden am Waldrand eine einigermassen trockene Stelle an einem kleinen Seitenlauf des Jackpine, wo wir auch Sumpfgras für die Pferde haben.  Szolt macht Feuer, ich stelle das Zelt auf, es regnet nur noch leicht und zäume die Pferde ein. Nach dem Essen, lege ich mich gleich in den Schlafsack, damit meine Temperatur endlich wieder etwas nach oben kommt. Es regnet heftig die ganze Nacht und die Pferde tun mir leid, da draussen ungeschützt im Regen stehen zu müssen. 

 

27.8. Jackpine River – Blueberry Lake 26 km  

Wir folgen dem Jackpine weiter, bis ich die Schlucht sehen kann, wo kein Durchkommen sein wird. Ich versuche Stan zu erreichen, damit er mir sagt, wo ich den Trail suchen muss, erreiche ihn jedoch nicht. Auf gut Glück klettere ich die Böschung hinauf und schlage mich durchs Buschwerk bis ich auf einen Trail stosse, der hoch über die Baumgrenze hinaufführt und diesem folge ich bis ich sicher bin, den richtigen Trail zu haben. Ich kehre zurück und versuche nochmals Stan zu erreichen, um weitere Instruktionen zu bekommen, und erreiche ihn auch. Er erklärt mir den Verlauf des Trails und wir verabreden, ihn nochmals zu kontaktieren, wenn ich Blueberry erreicht hätte. Wir führen die Pferde die Bergflanke hinauf, auf den Trail und folgen diesem für etwa 2 km. Dann verschwindet er wieder und auch sämtliche Markierungen sind weg, während wir die Pferde über grobes Geröll führen. Zwei Flüsse, die oberhalb von uns als Wasserfälle sichtbar sind, müssen gequert werden und wir suchen einen Übergang, wo wir die Pferde sicher furten können. Von hier aus kann ich das gesamte Gelände einsehen und sehe auch den Aufstieg zum Pass. Da ich nicht weiss, ob der Pfad weiter oben verläuft oder nicht, entscheide ich runterzugehen zum Flusslauf und auf der gegenüberliegenden Seite den Pass hochzugehen. Da wir jetzt knapp auf Höhe der Baumgrenze sind, ist auch das Gebüsch nicht mehr so zäh und der Aufstieg auf der anderen Seite gelingt ohne grosse Probleme. Es sind etwa 300 hm zu bewältigen, bevor wir auf der Passhöhe sind und kaum sind wir oben, finden wir auch wieder einen Trail. Wir folgen ihm und jetzt kommen wir bald auf den Weg, denn wir am zweiten Tag unseres Abenteuers bereits in der anderen Richtung einmal gegangen sind. Die Hufspuren sind auch wieder da und jetzt langsam kann ich sicher sein, dass wir es auch packen werden. Es sind noch etwa 2 h zu gehen bis Blueberry Lake als ich den Stan nochmals erreiche und mit ihm 20.00 abends ausmache. Wir führen den Pferden den ganzen Weg, auch Szolt scheint wieder zu Kräften gekommen zu sein, nachdem er nun weiss, dass wir es schaffen werden.  

Am Blueberry Lake steht ein Zelt, und wir lernen ein Ehepaar aus McBride kennen, die da oben gerade Rast machen. Nach kurzem Gespräch müssen wir weiter und führen die Pferde im völlig aufgeweichten und von 6 Pferden zertrampelten Pfad hinunter zur HolmesCreek Strasse. Kniehoch steht der Matsch an Stellen auf dem Trail und jedes Mal wenn ich knapp das Gleichgewicht haltend kurz zögere, um meinen Stiefel aus dem Sumpf zu ziehen, vorzugsweise mit dem Fuss darin, bleibt mein Packpferd stehen, um einige Halme Gras zu zupfen und ich werde zurück gerissen. Ich schimpfe über den Egoismus des Pferdes, das allerdings einfach nur Hunger hat, denn wir sind zwei Stunden über der Abendessenzeit und kämpfe mich nach unten. Knapp nach 20 Uhr erreichen wir die Strasse aber Stan ist noch nicht da. Wir sind gerade am Absatteln, da kommt er gefahren und äusserst sein Erstaunen, dass wir ein fremdes Pferd dabeihaben. Hat er die Nachricht auf der Mailbox nicht gehört. Er verneint und ich erkläre ihm die Situation. Er hat uns Hamburger mitgebracht und Fruchtsaft und auf der zweistündigen Fahrt nach McBride erzählen wir ein wenig von unseren Abenteuern. 

28.8. McBride  

Stan bricht in aller Frühe auf, um das Indianer Pony nach Grande Cache zurückzubringen, und wir trocknen unsere tropfnasse Ausrüstung. Zum Glück meint die Sonne es heute gut mit uns, und die Sachen werden trocken. Kurz vor 12 läutet das Telefon und Stan fragt mich, wo das Pferd sei. Ich erkläre, wo es sein müsste und nach 3 Stunden suchen ist klar, das Pferd ist weg und es ist niemand da, der weiss wo es abgeblieben ist. Ich versuche Stan so gut es geht zu unterstützen und rufe alle an, die ich da drüben kennen gelernt habe, aber Melanie ist nicht zu Hause, Curtis nimmt das Telefon nicht ab, Richard ist nicht erreichbar und so bleibt mir nur die Sorge um das Pferd und den gefrusteten Besitzer, der unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren muss. Endlich abends bekomme ich einen Anruf von Melanie, die erklärt, dass 3 Tage davor das Pferd in der Nach zusammen mit den anderen Pferden aus dem Corall ausgebrochen und seit da verschwunden sei. Aber Curtis sei auf der Suche danach und würde am Montag zurückkommen. Sie sei sich sicher, dass er es finden würde.  Etwas beruhigt gehen wir schlafen, da wir um 5 Uhr in der Früh aufstehen müssen. Der Bus soll um 20 vor Sechs Uhr in McBride nach Prince George abfahren.  


29.8. Rückreise  

Wir stehen um 5.30 am Busbahnhof, eigentlich einfach vor dem Gebäude, in dem wir die Tickets am Vortag gekauft haben und warten auf den Bus.  Um halb sieben geht beim Haus neben an das Licht an, und der ältere Herr erklärt, ja, das sei ganz normal, der Bus komme schon noch, es dauere halt manchmal etwas. Es ist sieben, als ich Stan anrufe, um ihm zu sagen, dass er uns vermutlich nach Prince George fahren müsse, er meint ich solle noch eine viertel Stunde warten. Um halb acht fährt der Bus vor, und wir fragen den Fahrer, ob er meint, dass wir den Flug um 10.30 schaffen würden. Er meint es wäre knapp, aber es müsse gehen. Ok, ein letztes Gespräch mit Stan und wir sitzen für die nächsten 2 Stunden im Bus nach PG. Dort angekommen schnappen wir uns ein Taxi und schaffen es noch 5 Min. Abflugzeit am Gate zu stehen. Gott sei Dank, wir schaffen den Flieger nach Hause.  


Epilog.  

Am Montag rufe ich Curtis an, Dieser ist zurück aber ohne Pferd. Er hat es über 200 km lang verfolgt, aber es hat zwei Tage Vorsprung und er hat es nicht einholen können. Es sei auf dem Weg zurück, den wir gekommen sind. 

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