
Das Wanderreitpferd
Diese Seite beschreibt das Wanderreitpferd als vielseitigen Allrounder für längeres Unterwegssein im Gelände. Ein Wanderreitpferd ist kein Spezialist für eine einzelne Disziplin.
Es ist ein Pferd, das über Zeit zuverlässig, anpassungsfähig und belastbar bleibt –
körperlich wie mental und die Fähigkeiten vieler Disziplinen vereint.
Das Wanderreitpferd..
Wanderreiten ist vermutlich die Reitdisziplin, bei der das Pferd innerlich am ehesten denkt:
„Ah. Endlich jemand, der mich verstanden hat.“
Denn Pferde sind keine Kurzstrecken‑Spezialisten. In freier Wildbahn sind sie fast ständig in Bewegung und legen täglich 30 bis 40 Kilometer zurück – nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern weil das ihr ganz normaler Alltag ist.
Ob Brumbies in Australien, Mestizos in Südamerika, Mustangs in den USA oder die Pferde der Mongolei und Islands: Diese Pferde bewegen sich über große Distanzen, oft unter einfachen Bedingungen, und werden dabei seit Jahrhunderten für Arbeit und Transport genutzt. Lange Strecken gehören für sie schlicht zum Leben.
Grundsätzlich lassen sich Pferde grob in vier Typen einteilen:
-
Hirtenpferde
-
Distanzpferde
-
Zugpferde
-
und Kreuzungen daraus
-
Heute stehen uns diese Kreuzungen in zahllosen Varianten zur Verfügung. Doch egal, wie modern die Zucht ist – jede Rasse wurde ursprünglich für bestimmte Eigenschaften geschaffen.
Und genau hier wird es für das Wanderreiten spannend.
Wenn du mit deinem Pferd auf Wanderritt gehen willst, lohnt sich ein kurzer Blick zurück:
Wofür wurde dieses Pferd – oder seine Rasse – eigentlich gezüchtet?
Diese rassetypischen Merkmale verschwinden nicht einfach, nur weil wir sie ignorieren.
Ein Araber als klassisches Distanzpferd wird zum Beispiel kaum ein Problem haben, 40 Kilometer im Gebirge locker wegzustecken. Dafür wird er bei Hindernissen meist nicht lange überlegen, sondern eher denken:
„Da drüber? Kein Thema – Abflug.“
Ein Kutschen‑ oder Zugpferd dagegen wird bei 40 Kilometern in den Bergen vielleicht zwischendurch einmal tief durchatmen müssen. Dafür marschiert es ruhig, gelassen und ohne Drama durch genau dasselbe Hindernis, bei dem der Araber schon längst auf der anderen Seite steht.
Beides ist nicht richtig oder falsch –
es sind einfach unterschiedliche Stärken.
Und genau diese Unterschiede sollte man kennen, wenn man wirklich wanderreiten möchte.
Dabei gilt: Das Wanderreitpferd
-
muss so präzise sein wie ein Dressurpferd,
selbständig die Hufe Zentimeter genau platzieren, denn das Felsband ist nur 90 cm breit und fällt senkrecht ab. Das Wanderreitpferd muss absolut trittsicher sein, sonst kommen wir nicht weit.
-
muss mutig sein, wie ein MilitaryPferd,
willig dorthin zu gehen, wo der Reiter will. Egal ob es gilt, eine Schlucht runterzurutschen, den tobenden Wildbach zu furtieren, über Bäume zu klettern, den Sumpf zu durchqueren, die Seilbrücke zu nutzen, den Busch oder die Kirmes mit Volksfest zu queren. Auch wacklige Felsen so gross wie Kühlschränke dürfen es nicht schrecken.
-
muss so agil sein wie ein Springpferd,
auf Felsenrauf und runter springen, ohne die Balance auf 80 x 80 cm Fläche zu verlieren, über Gräben und Bäume und ins Buschwerk hinein zu springen.
-
muss die Ausdauer eines Distanzpferdes haben,
denn aus 25 km werden schnell mal 40, wenn der gleiche Baum 3-mal an einem vorbeizieht.
-
muss gelassen sein, wie ein Kaltblut,
und sich nicht aufregen, wenn es vor oder hinter ihm trippelt, weil jemand sein Pferd nicht im Griff hat oder weil Mountainbiker den Pfad hinter ihm runterschiessen. Von den Skydivern, die nebenan auf der Wiese landen, darf er sich ebenso wenig beeindrucken lassen wie die flatternden Planen des Gewächshauses
-
muss Flanke an Flanke stehen können, wie ein Polopferde,
wenn es nur Platz gibt für 8 Pferde im Stall aber 12 rein müssen, weil draussen der Wintersturm tobt.
Es muss erlauben, dass der Reiter sich am Schweif den Berg hochziehen lässt.
-
muss auch mal Gas geben können, wie ein Galopper,
wenn man die Fähre noch erreichen will, oder das Gewitter auf 1000 m näher kommt.
-
muss laufen wie ein Traber, ohne müde zu werden, denn Trab lässt die km purzeln..
-
muss cool sein wie ein Cutting-Pferd, selbständig Probleme lösen, die ihm sein Reiter eingebrockt hat.
-
muss Cowsence haben, wie ein Western-Pferd, wenn es gilt, Mutterkuhr-Herden zu durchquern, sich 2-jährigen Rindern entgegenzustellen, sich von Shetlandponys, die auf der Alp in Einzelhaft stehen, nicht kirre machen zu lassen und aggressive Hirtenhunde mit gesenktem Kopf und gefletschten Zähnen im Trab zu vertreiben.
-
muss geduldig und freundlich sein wie ein Therapie-Pferd, denn Kinder werden ihn streicheln wollen und die zickige Stute steht ihm im Weg am Futtertrog.

