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2010 Los Pyreneos

Los Pyrineos   

Was für ein Klang. Seit Dezember sind wir dran, die Details der 4-wöchigen Tour auszuarbeiten. Schwierig ist, dass die andere Kultur so anders tickt. Emails beantworten - manana - manana, aber kommt Zeit kommt Rat. Aber der Reihe nach.  

Wir sind am Trainieren. Pach und Flash sind beide fit, Pachlavan obwohl er einen Einschuss hatte und obwohl er sich mit einem Kreuzverschlag abplagte. Warum kann dir die Pat vielleicht irgendwann mal erklären. Er läuft jetzt sauber mit und solange es kühl ist, bleibt auch Flash der Alte. So haben wir dieses Frühjahr schon einige schöne Touren absolviert. 2 Tage Schnee im Februar, Ostern, Auffahrt und Fronleichnam, mit jeweils 3 bzw. 4 Reittagen mit insgesamt etwa 700 km. Aber wir kommen auch an unsere Grenzen. So ist Flash am letzten Wochenende am letzten Tag (nach 200 km und fast komplettem Gepäck) steif gegangen, obwohl er noch immer vorne mitlaufen wollte. Aber auch das Tempo war nicht wie gewohnt, so dass ich ihn ab jetzt etwas schonen werde, denn die Kondition und Ausdauer hat er für die Pyrenäen. Jetzt muss nur noch ich selbst an meiner Fittness weiterarbeiten und schauen dass ich meine Kondition optimiere. Obwohl eigentlich geht es gut. Laufen ist eh kein Problem und inzwischen sind auch 10 Stunden Sattelsitz im Trab und Schritt auszuhalten.  



Wir haben Kartenmaterial (Papier) besorgt und jeden Bericht über Pyrenäen gelesen, den wir im Internet finden konnten. Die Karten sind sehr schön, bunt und leider ungenau, so dass wir wieder viel Spass haben werden, vor Ort. Aber wir kennen es ja und deshalb habe ich mir die Garmin Topo für Spanien und Frankreich besorgt, so dass wir wenigstens mit dem GPS arbeiten können. Es gibt drei mögliche Routen, die GR10 in Frankreich, welche nördlich parallel zur HRP Haute Route Pyreneä und der GR 11 in Spanien verläuft. Die drei Wege sind nur etwa 15-20 km auseinander und der HRP verläuft partiell auf beiden, so dass wir ohne Probleme wechseln können. Wir werden neben den üblichen kartentechnischen Anforderungen auch noch mit der Situation von freilebenden Pferden, Bären und Tagen ohne Zivilisationskontakt konfrontiert werden. Aber Abenteuer ist eben Abenteuer, so wer will sich beklagen.  

Pat muss noch ein neues Pad besorgen, während ich mich mit passenden Schuhen rumschlage, meine Stiefel sind einfach zu warm für Spanien. Die GTA-Packtaschen wurden wieder aufgemöbelt und umgebaut, so dass die Getränke Flaschen jetzt vorne an der Tasche sind und hinten Zaunwerkzeug und Hobo-Ofen verstaut werden kann. Jetzt müssen sie nur noch gefettet und imprägniert werden, damit sie wasserdicht sind. Die Vorderpacktaschen von Pat und meine eigenen muss ich reparieren und Pats etwas kürzen, damit sie am neuen Sattel besser zu befestigen sind. Und dann gilt es in den nächsten Tagen ein Carnet ATA und die Fahrtroute sowie Übernachtungsstation für die 1000 km lange Hängerfahrt zu organisieren. Wir werden nachts fahren, und die Pferde jeweils tagsüber ruhen und weiden lassen. Unten angekommen, werden ich den Hänger an den Zielort bringen und mich mit Zug zurück an den Start begeben. Aber all diese Stationen gilt es noch zu kontaktieren und die Termine zu vereinbaren. Pats Schwester wird uns dabei helfen, denn sie kann fliessend Spanisch. Ebenso muss in etwa 14 Tagen die Ausrüstung zusammengestellt sein, damit wir unseren Notvorrat an die Zwischenstation nach Spanien schicken können. Am selber entwickelten Zelt sind noch die letzten Details zu verbessern und ich muss mir noch ein neues Handy mit Internetanschluss und externer Speicherkarte besorgen, damit ich den Blog mit Bildern bestücken kann, wenn wir dann unterwegs sind.  

Die Strecke wird diesmal etwas kürzer sein, die Pyrenäen sind Luftlinie nur 470 km so dass wir auf ca. 800 km Distanz kommen werden. Höhenmeter werden es wohl wieder an die 50.000 werden, aber das ganze gibt uns doch etwas mehr Zeit und damit kürzere Etappen und längere Erholungszeit für Flash als letztes Jahr. Ich denke es ist gut so, denn es soll ja auch den Pferden Spass machen und ich möchte Flash nicht überfordern, der mit seinen 20 Jahren noch immer alles gibt, was er hat und Unglaubliches zu leisten im Stande ist. 

 

Pach fällt aus. Domingo kommt mit.


Noch vier Wochen. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Wir haben inzwischen zwei Ställe und Übernachtungsmöglichkeien in Spanien organisiert. Der Isa sei Dank. Das Carnet ATA ist unterwegs und wir werden am Freitagnacht über Bordeaux nach Hendaye (San Sebastian Atlantikküste Spanien) fahren und ich werde dann am folgenden Tag entlang der Pyrenäen ans Mittelmeer fahren.


Dort werde ich auf der Kentucky Ranch (kein Witz, heisst echt so) den Hänger abstellen und per Zug am Sonntag wieder nach Hendaye zurückfahren und dabei die erste Nacht Schlaf nachholen.  Unsere Halbzeitstation ist auch gebucht. Ruth in Bossost Vielha Spanien.  Dorthin werden wir unsere Ersatzbeschläge (Kunststoff) schicken und sie dort vom lokalen Schmid aufnageln lassen. Auch sonstiges Ersatzteile - so wir sie in Spanien schlecht kaufen können - werden per Post zugestellt. Heute abend habe ich mit der Wrangler von Ruth Pablo gesprochen, er spricht amerikanisch wie ein Texaner. Ich freue mich Ihn kennen zu lernen. Ansonsten macht uns eigentlich nur Pach Kummer, der seinen Haxen beim Rumkaspern wieder angeschlagen und wieder ein dickes Bein hat. Pat hat genug, sie wird jetzt Domingo mitnehmen. So kommen unsere beiden alten Haudegen nochmals zum Einsatz. Die Route steht und es ist klar, dass wir unsere Küche und das Zelt mitnehmen werden, denn es kann sein, dass wir mehrere Tage komplett weg sind von der Zivilisation.  Ein Problem ist noch nicht gelöst.... wir wissen, dass unsere Pferde die Elektrozäune respektieren, wir wissen jedoch nicht, ob die frei in den Bergen lebenden Pyrenäen-Pferde dies auch tun. So wir werden sehen, was zu tun ist. Ansonsten freuen wir uns... die Spannung steigt... 

 

6.7.2010 

2010 Los Pirineos Vorbereitungsritt Pfitschtal   

Wir sind um 4 Uhr auf und füttern die Pferde. Heute gehts ins Tirol, um das Gepäck und die Ausrüstung zu testen. Die Fahrt dauert viel länger als geplant und der Zoll in Diepoldsau ist mal wieder von der feinsten Sorte. Beschwerdebrief an die zustänige Zolldirektion wird folgen. Endlich nach fast sechs Stunden Fahrt sind wir am Ziel. Es ist schwül und heiss und wir satteln auf, um zum Eisjöchl hoch zu steigen. Aber es soll anders kommen als geplant. Schon der Einstieg zum Weg ist gesperrt, weil die Brücke fehlt und wir klettern auf einem schmalen Pfad abseits des offiziellen Weges den Berg hinauf. Flash ist fit und hoch motiviert ist, und Domingo und Pats Domingo marschiert voller Begeisterung vorne weg.Nach einer Stunde geht mir die Puste aus, und obgleich wir nur 300 Höhenmeter geschafft haben, muss ich Pause machen. Die HItze ist zu heftig, unten im Tal ist es fast 35 Grad. Wir müssten noch fast 2200 weitere Höhenmeter hochsteigen und dann schwant mir, dass das Eisjöchl nciht passierbar sein könnte. Das würde bedeuten wir müssten wieder absteigen und kämen nicht nach Moos, unserem Etappenziel für den heutigen Tag. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir, abzubrechen und nach Moos zu fahren, um morgen mit frischen Kräften, der Hitze zu trotzen und über die Schneeberger Höhe nach Sterzing zu gelangen.  

 

Wir fahren durch Bozen, welches mit fast 36 Grad, heute sicherlich die gefühlt heisseste Stadt Italiens ist und kommen nach Moos, wo wir die Pferde nach einem kurzen Ausritt in einem brandneuen Stall einstellen. Wir gehen Essen und besprechen Details unserer Reise nach Spanien.  

In der Früh, nach dem Frühstück, fahren wir die Pferde nach Moos hinunter, finden den Parkplatz, wo wir den Hänger abstellen können und satteln die Pferde auf. Pat hat die 18 kg Kraftfutter vollgeladen und Domingo hat das erste Mal das volle Gewicht zu tragen. Wir führen die Pferde die Passstrasse hoch und kommen bald auf einen Fahrweg, der uns Richtung Schneeberger Hütte hinauf nimmt. Flash reagiert wieder mit Schweissausbrüchen und Pausen auf den gepoppten Mais, den er am Vorabend und Morgen als Kraftfutter bekommen hat. Irgendwas verträgt er an diesem Futter nicht. Wir kühlen ihn an einem Bach und bald ist die Krise überwunden und Flash zieht wieder wie gewohnt an.  Der Weg ist breit und wir können nebeneinander reiten. Flash und Domingo laufen gut und zügig und wir kommen gut voran. Es sind heute fast 1500 Höhenmeter, die wir hochsteigen müssen, bevor wir zur Schneeberger Hütte kommen. Der Hüttenwirt warnt uns, dass oben noch Schnee liege und es auf der anderen Seite schwierig werden könnte. Wir trinken ein Radler und nehmen die letzten 300 Höhenmeter unter die Hufe. Der Aufstieg gelingt gut, wir haben nur einige wenige Schneefelder zu queren und eine Stunde später stehen wir oben auf dem Pass. Die Aussicht ins Tal ist herrlich und nach kurzer Pause steigen wir ab und haben jetzt einige schwierigere Passagen vor uns, aber ohne grössere Schäden kommen wir durch die Schneefelder und gelangen hinunter ins Tal, wo wir erstaunt begrüsst werden, wir sind die ersten, die per Pferd über den Pass gekommen sind. Wir führen die Pferde hinunter bis zum Ende des Tals und reiten dann Richtung Sterzing. Rudi Hofer wollte sich mit uns treffen, leider verspäten wir uns, so dass er wieder zurückreitet und uns per PKW entgegenkommt. Erst gegen 8 Uhr abends, nach fast 50 km und 12 Stunden kommen wir an und werden von Stefan Streit und seiner Frau und den Hofers herzlich willkommen geheissen. Der Ferienhof ist herrlich gelegen, mit grossen Weiden und Reitplatz, auf den wir unsere Pferde zum Wälzen lassen und später auch mit Heu versorgen. Bald gibt es Abendessen und wir geniessen den Abend mit guten Freunden.  

Heute müssen wir nicht so früh auf, denn heute sind es nur 40 km bis wir unser Ziel Sant Leonhard erreichen werden. Wir reiten hinüber nach Sterzing und treffen im Eingang des Jaufentales Freunde von Patricia, die sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wir essen gemeinsam Lunch und die Jungs dürfen auf den Pferden einige Meter mitreiten. Später reiten wir das Jaufental hinauf und die Hitze macht uns so richtig zu schaffen. Gute Vorbereitung auf Spanien. Der letzte Aufstieg zum Pass hat es in sich. Die Pferde ziehen uns den schmalen Weg hinauf und endlich stehen wir an der Jaufenhütte, 150 Höhenmeter unter dem Pass. Wir löschen den Durst, während die Pferde frei grasen und reiten später zum Pass hinauf. Der Abstieg folgt der Passstrasse und wir sind bald oberhalb von St. Leonhard, wo wir die Wirtin einer Gaststätte fragen, ob sie wüsste, wo wir mit den Pferden unterkommen könnten. Sie meint, gleich im Hof hinter der Gaststätte seine Pferde untergebracht gewesen, wir sollten Ihre Mutter halt mal fragen. Gesagt getan, aber noch bevor wir entscheiden können, wo und wie wir die Pferde unterbringen, sehe ich ein Pony im Steilhang stehen, und einige Meter weiter oben eine alte Frau, die verzweifelt versucht das Pony davon zu überzeugen, über die Leitplanke zu springen und zu ihr zu kommen. Die Wirtin erklärt, dass das Pony der Tante verschwunden sei und jetzt dort im gefährlich steilen Hang stehe und weder rauf noch runter könne. Ich schnapp mir den Zügel von Flash und klettere hinauf, um das Pony aus seiner misslichen Lage zu befreien. Es gelingt und bald sind Pony und Tante wieder vereint. Die Frau möchte mir was Gutes tun und versucht im Stadel altes Heu zu finden, aber offensichtlich wurde alles ausgeräumt, um dem frischen Platz zu machen.  

Wir bauen einen Paddock auf einem kleinen Hügel unterhalb des Gasthauses und führen die Pferde dorthin zum Wälzen und zum Grasen. Sie erhalten eine gute Portion Kraftfutter und wir gehen ebenfalls Essen oben in der Gaststätte. Wir unterhalten uns mit dem Nachbarn, der aus Stockach kommt und gehen gegen 10 Uhr hinunter, um unser Nachtlager neben den Pferden aufzubauen. Gegen Mitternacht fängt es an zu regnen, es kühlt jedoch nicht ab und die Stechmücken sind lässtig. Wir decken die Schlafsäcke mit dem Poncho ab und schlafen weiter bis um 6 Uhr. Die Pferde werden gefüttert, getränkt, geputzt und gesattelt und zum Restaurant geführt, wo wir unser Frühstück bekommen. Um halb 9 sind wir unterwegs und führen die Pferde weiter die Passstrasse hinunter. Bald kommt der E5, ein internationaler Weitwanderweg, dem folgen wir und quer durch den Wald auf schmalen Pfaden gelangen wir nach Moos. Der letzte Abstieg zur Strasse sind etwa 30 Betontreppenstufen ca 60 cm breit und die Pferde müssen vorsichtig hinuntergeführt werden. Unten blockiere ich die Strasse, damit auch Domingo runterkommen kann. Geschafft.  Die Hauptprobe bei gut über 30 Grad ist gelungen und es gibt nur einige wenige Dinge auszubessern oder zu verändern, bevor wir den Pyrenäen Trail in Angriff nehmen können. 



Die Route  Nach dem Testritt im Tirol, sind noch einige wenige Änderungen vorzunehmen, aber alles bewegt sich im normalen Rahmen. Die Ersatzteile werden nach Spanien geschickt und die Pferde bekommen ihren letzten Check-up. Die Osteopatin war da und hat sich Flash vorgenommen, der Tierarzt spritzt nochmals gegen Tollwut. Wir haben noch Fliegenschutzmittel aus den USA, dass wir den Pferden verpassen werden, bevor wir da runterfahren und wir werden die Silikonringe testen, mit denen ich schon vor vielen Jahren gute Erfahrungen gemacht habe. Es soll noch geschneit haben in den Pyrenäen, aber die Webcams zeigen keine besonderen Vorkommnisse, so dass ich hoffe, dass bis in 4 Wochen auch der letzte Schnee verdunstet sein wird. Zwei Routen wurden aufs GPS geladen, die HRP, Haute Route Pyrenäe und die GR11, der in Spanien verlaufende parallele Weitwanderweg. Hier im Bild ist nur die HRP zu sehen, die GR11 verläuft südlich davon. Die weisse Linie ist die Grenze zwischen Frankreich und Spanien und auch der Staat Andorra ist eingezeichnet. Dort wo die Grenze einen scharfen Knick nach Norden macht, ungefähr in der Hälfte der Strecke, dort führt die blaue Route HRP durch Vielha, wo wir unser Ersatzmaterial hingeschickt haben.   Zusätzlich zum GPS haben wir  5 topografische Karten des zentralen Bereiches 1:50000 dabei, und die komplette Route nochmals 1:50 000 ausgedruckt. Die Topokarten, damit wir den Ueberblick behalten und die gedruckten Routenkarten, falls das GPS aussteigen sollte. Was noch nie passiert ist.  Um den Blog zu schreiben, werde ich mich mit meinem neuen Telefon auseinandersetzen müssen. Ich hoffe, dass es meinen Erwartungen entspricht, werde mich jedoch gedulden müssen, bis nächstes Wochenende, da mir dann mein Sohn alle Tricks und Kniffs zeigen wird. Mit dem Handy werde ich Fotos guter Qualität machen können und den täglichen Blog schreiben, so dass ich auf meinen Minilaptop verzichten kann. Ich hoffe nur, dass ich auch ab und zu Empfang haben werde, damit die Blogs auch geschickt werden.  Medizinische Ausrüstung 

Pat wird wie jedes Jahr wieder ihre Homöopathie-Apotheke mitbringen. (Schade dass sich noch keine Globoli für Hafer gefunden haben, der Kraftfuttertransport wäre so viel einfacher). Dazu haben wir vom TA wieder eine Ampulle bekommen, die uns im Notfall weiter helfen wird. Zur Notfallapotheke gehört bei uns immer eine Rolle Silbertape dazu, und eine Gallsalbe. Mit dem Silbertape kleben wir allfällige Schrammen ab, um die Fliegen fern zu halten, die Gallsalbe hilft bei allen Arten von Verletzungen.  


Verpflegung  Da wir mehrere Tage abseits von jeglicher Zivilisation sein werden, haben wir diesmal Trockenmahlzeiten und einen Kocher dabei. Ansonsten werden die unterschiedlichen Oeffnungszeiten der Läden und Gaststätten, gewöhnungsbedürftig sein, aber man gewöhnt sich an alles. Das einzige echte Problem, wird die Beschaffung von Kraftfutter für die Pferde sein. Hier werden wir u.U. auch Umwege in Kauf nehmen müssen, um unsere Vorräte aufzustocken. Domingo wird wieder den Kraftfuttertransport übernehmen, indem er 2 x 9 kg Kraftfutter an seinem Sattelhorn aufgehängt bekommt. Dies reicht uns in der Regel für vier einhalb Tage, so dass wir ca. 2 x in der Woche an Kraftfutter kommen müssen. 


Letzter Test der Elektronik bevor wir abfahren. Die rückwärtigen Stangen im Hänger wurden heute früh noch mit Schaumstoff gepuffert und zwei grosse  Heunetze gefüllt. Heute um 13.00 Uhr fahre ich Flash zum Zoll, um das Carnet ATA zu eröffnen und nach Freiburg zu fahren, wo ich Pat und Domingo abholen werde. Wenn es klappt, werde ich auch Cool noch kurz reiten, mein 4-jähriger Nachwuchswallach, bevor wir uns dann endgültig verabschieden. Wir werden die Nacht durchfahren, und hoffen morgen früh in Hendaye bzw. Irun einzutreffen.  

 

24.7.2010  

Das Abenteuer beginnt. In Heuweiler verladen wir Domingo und fahren los. Wir teilen die Autobahn mit jeder Menge Lkw und rollen mit 80 Sachen ruhig dahin. Um 22 h lassen wir die beiden Weißen kurz abseits der Auto-Bahn grasen.  

Gegen Mitternacht verlassen auch die letzten Trucks die Bahn, dafür überholen uns jetzt laufend Pkws mit ch-Kennzeichen. Wo die wohl alle hinwollen? Um 5 in der Früh machen wir auf einem Parkplatz eine Pause, alle vier schlafen eine Runde. Bei Sonnenaufgang rollen wir weiter. Die letzte Strecke von Bordeaux nach Irun zieht sich ewig und endlich kommt die ersehnte Küste in Sicht. In Hendaye besichtigen wir den Hafen und landen mit Hänger mitten im Marktgewuehle. Nur mit mehr Glück als Verstand kommen wir ohne Kratzer wieder raus. In Irun ist die Einfahrt zum Centro Hippico so versteckt, dass wir sie 2 x verfehlen. Wir steuern ein Fahrzeug der Guardia Zivil an und fragen nach dem Weg. Die Polizisten eskortieren uns zum gesuchten Hof. Nach 16 h Fahrt sind wir froh am Ziel zu sein. 

 



25.7.2010 

Flora spricht zum Glück fließend Englisch, so dass unsere Pferde und unser Gepäck schnell versorgt sind. Wir fahren in den Ort, die Pension zu suchen. Nicht ganz einfach, alles ist in baskisch beschriftet, für mich könnte das auch kyrillisch sein. Leicht gefrustet, des undurchschaubaren Einbahnstrassen-Systems wegen, fahren wir unverrichteter Dinge wieder zurück. Wir fragen im Heu schlafen zu dürfen und ich nehme die nächsten 500 km ans Mittelmeer unter die Räder. Um 18 h bin ich Stau vor Argeles sur Mer und um 20 h endlich am Ziel. Das die Franzosen hier die Touristen als nützliches Übel empfinden, kann ich verstehen. Um so herzlicher empfängt mich Veronique von der Kentucky Ranch. Nach 45 h mit 2 h Schlaf freue ich mich auf mein Bett.  

Am nächsten Morgen nehme ich den Zug und fahre den Pyrenäen entlang wieder zurück nach Irun. 



26.7.2010 

Die Pferde haben sich dick mit Lehm gekrustet. Es war staubige Arbeit sie daraus zu befreien. Es ist 8 Uhr als wir zu Fuss Irun durchqueren und um 10 stehen wir endlich vor der GR 11. Der Weg ist knapp ausreichend markiert, ohne GPS hätte man echt Mühe. Die Landschaft ist einzigartig. Hügelig und und landwirtschaftlich kaum genutzt, ziehen wir an endlosen Farnenfeldern vorbei von einem Tal ins andere über knapp 400 m hohe Pässe. Die Wege sind gut zu gehen und auf den der Hoehenlinien folgenden Wegen geht es in flottem Trab dahin. Nach 40 km erreichen wir Etxalar, ein baskisches Dorf, wo wir auf der Wiese einer im Dorf lebenden Amerikanerin unser Paddock aufbauen. Flash und Domingo werden geduscht und auch wir versuchen uns für das baskische Restaurant frisch zu machen. Es ist kurz vor acht, wir haben Heu besorgt und werden in der Gaststätte nach Salz fragen, um es dem Kraftfutter beizumischen. Schlafen werden wir bei den Pferden auf der Wiese. 



27.7.2010 

Das Essen beim Basken war hervorragend, obwohl er erst um 20 h aufmachte. Er war überrascht, dass wir um die Zeit schon Essen wollten. Das Restaurant war urig, mit schweren schwarzen handgeschnitzten Möbeln ebensolchen Deckenbalken, Hinkelsteinen aus rotem Sandkalkstein als Torpfosten und weißen Kalkputzwänden. Der Wirt erklärte sein 5-Gaenge Menü in baskisch, wir nickten fleißig mit dem Kopf und verstanden kein Wort, so dass er uns kurzerhand die Sachen zeigte, die er für uns kochen wollte. Spätere erschien der Mann der Amerikanerin und erzählte uns von seinen Erlebnissen mit Land und Leuten. Wir schliefen unruhig, zum einen, weil Flash immer mal wieder hustete, was einen Hund in der Nachbarschaft veranlasste für lange Zeit zu bellen. Kaum hörte er nach einer Stunde auf, fing Flash 5 mim später wieder an zu husten. Irgendwann früh am Morgen stand Patt auf, um den Hund zu erschießen. Aber stattdessen brachte sie Flash Globuli gegen den Husten. Nach dem Frühstück führten wir die Pferde auf Forstwegen die Berge hinauf und über Pässe hinüber. Am dritten Pass kamen wir zur GR 11, die uns der Grenze entlang über die Kämme führte.  

Es war heiss und schwül, die Pfade führten uns durch endlose Farnenfelder, im denen Shettis und Schafe zwischen den Farnen das Gras zupften. Endlich nachmittags fanden wir einen Brunnen der Erfrischung versprach, wir wuschen unsere T-Shirts und zogen sie nass wieder an. Welche Wohltat und wenig später fanden wir abseits der Strasse einen verlassenen Hof mit schönem Gras, wo wir unsere beiden lange weiden liessen. Wir stiegen vollends ins Tal hinab und ritten Richtung Osten, bis wir ausgangs Ordoki einen Reitstall fanden, wo wir die Pferde versorgen konnten. 





28.7. Flash und Domingo sind gut drauf heute morgen. Sie hatten zwar nur Stroh und weder Heu noch Gras zur Verfügung, dafür 3 Portionen Kraftfutter. Flash sieht mich, sieht mich ohne Eimer, dreht um und trabt zum hintersten Ende der Weide. Dort bleibt er kurz stehen, sucht nach einem Platz zum wälzen und schmeißt sich in die Schlamm-Pfütze.. Neben ihm Domingo, beide warten mit Engelsmiene darauf, das Schnurhalfter angezogen zu bekommen. Wir reiten nach dem Frühstück die Strasse hinauf und reiten schon bald auf einem Forstweg in den Berg hinein. Die uralten knorrigen Eichenbäume erinnern an Baumgart aus Herr der Ringe. Der Weg führt erstmals auf über 1000 m hinauf und der Ausblick ist einzigartig, denn die Landschaftsform der Pyrenäen ist völlig anders. Sie erinnert etwas an die Vogesen, ist aber wesentlich massiver und steiler und als Besonderheit sind immer wieder einzelne Kuppeln in die Landschaft gesetzt. Die nicht eingezäunte Fläche wird von Pferden, meist freilebenden Shetties und Schafen begrast, so dass neben Farnen kaum Gras vorhanden ist. Wenn wir unter uralten Buchen, Eichen oder Kastanienbäumen was finden, fressen die Pferde das Gras nicht, da es die Geilstelle der anderen Pferde sind. Den ganzen Tag suchen wir nach Fressbarem für die Pferde. Füttern mal 10 min auf der eingezäunten Wiese eines Bauern. Wir kommen an mini Stonehenge vorbei und finden ganz in der Nähe das Skelet eines Pferdes. Interessantes Studium bietet sich an. Nur der Geruch ist nicht gerade von Dior. Erst gegen Abend ändert sich die Situation, Kühe ersetzen die Pferde und die Berghänge sind nicht mehr so völlig abgenagt. Unsere beiden stürzten sich hungrig auf das frische Gras. Hinter uns liegt eine lange Strecke, die auf einem Höhenzug der Grenze entlang führte. Wir steigen ab ins Tal und kommen nach Roncevalles, auf dem Pilgerweg nach Campostella. Die Weißen werden auf einer Wiese am Bach eingezäunt, das Gepäck hinter Gebüsch verstaut und im Klosterrestaurant gibt es auch für uns was zu essen. Es waren etwa 250 Pilger die Schlange standen, um ein Bett zu ergattern. Wir entschieden uns für den Wald und ein Essen im Klosterrestaurant. 

 



29.7. 

Der Wind trieb gestern Abend noch Nebel ins Tal, aber heute früh ist die Luft trocken, der Himmel jedoch bedeckt. Das Barometer ist gefallen, mal sehen, wie es wird. Die Pferde sind satt und eifrigen Schrittes ziehen wir wieder hinauf auf den nächsten Pass. Pilger begegnen uns allenthalben, erst als wir die Route Richtung Osten verlassen, ebben die Wanderer ab, dafür beginnt es nun fein zu nieseln. Wir bewegen uns über Stunden im dichten Wolkennebel und sind inzwischen gut durchfeuchtet. Wir kommen zu einem Talkessel und bei einem Hof im letzten Winkel des Tales hört der Weg für uns auf. Der Pfad, der hier in die Höhe führen sollte, ist nicht mal sichtbar, der Boden vom Regen so glitschig, dass an einen Aufstieg im steilen Grashang nicht zu denken ist. Die Begeisterung aller hält sich in spürbaren Grenzen, als wir den Weg wieder hinauf gehen und mit quatschenden Schuhen die Teerstrasse ins Tal hinunterführen. Wir kommen aus den Wolken raus, die Sicht wird besser und die Fliegen fallen über uns her. Unten im Tal hält ein Geländewagen neben uns. Das einzige Haus im Tal ist ein Hotel. Wir reden mit dem Chef. Er hat Boxen, Heu und natürlich Zimmer, wo wir auch den nassen Klamotten steigen können. Den Pferden behagt die Unterkunft wenig, erst als wir einen Zaun auf dem Hof aufbauen und sie aus der Box lassen, scheinen sie zufrieden zu sein. Das wertvolle Heu wird verschmäht, aber das benagte Gras wird nochmals beknabbert.



30.7. 

Am Morgen ist der Himmel zwar bewölkt, aber es verspricht trocken zu bleiben. Wir machen 600 hm gut und von nun an bleiben wir auf 1000 m Höhe. Die Landschaft hat sich wieder völlig verändert, wir umreiten steile Bergkessel, während die Adler über uns kreisen. Der Weg an freilebenden Kaltblütern Comtois Typ vorbei, nimmt uns nach Irati, wo wir hoffen auf dem Pferdehof unterzukommen. Leider hat er keinen Platz für uns, aber wir bekommen Kraftfutter. Wir führen die Pferde in ein kleines Tal hinter dem Dorf, zäunen eine Weide ein und lassen sie dort grasen. Wir gehen essen, studieren die Karte und hören Live Baskische Musik.  

 




31.7. 

Unser kleines Tal war die Rückseite des Pferdehofes, was wir allerdings erst am Morgen feststellten. Irati, das kleine Feriendorf hat neben einem Restaurant, einem Laden, einem Büro auch einen Tennisplatz, der sich offenbar statt dem Ortsnamen im GPS Verzeichnis verewigt hat. Wir folgen der Schotterpiste zum nächsten Pass und führen unsere Beiden auf einem Wanderweg dem Pic d’Ohry entgegen.  Aufsteigend zum 2000 m hohen Gipfel erklärt uns ein entgegen kommender Bergwanderer, dass es da hinter dem ersten Pic eine für Pferde kaum machbare Stelle gäbe. Ich soll sie mir doch mal anschauen, bevor ich die Pferde da hochführe. Ich tat wie empfohlen, und musste ihm recht geben. 10 m absteigend auf einer schmalen Felsnase mit anschließendem Felsband 15 cm breit und 20 m lang wieder hoch, war Risiko zu viel. Ich sah von dort jedoch die Möglichkeit auf der Rückseite des Pics den Berg zu umgehen, so dass wir kurzerhand abstiegen, einem Waldweg folgten und dann quer über die Kuh- und Pferdeweide zum anderen Ende des Pics wanderten. Wir stießen auf zwei Herden Kaltblueter, vielleicht 15 / 20 Stück stark. Die Hengste beäugten uns kritisch, folgten uns im sicheren Abstand, ließen uns jedoch in Frieden. Wir folgten der französisch/spanischen Grenze auf Schotterpiste und ließen die Pferde ihr gewohntes Trabtempo gehen. Nach etwa zwei Stunden verließ mein GPStrack plötzlich die Piste und wollte uns einen steilen Bergweg hochschicken. Wir wollten dies den Beiden aber nicht mehr zumuten und folgten dem Weg weiter. Wir kamen auf eine riesengroße Alm, mit Tränke und ausreichend Gras und beschlossen hier zu biwakieren. Wir kochten Wasser für unser Abendessen und ließen die Weißen gehobelt grasen. Ich sitze im Gras, über mir zieht der Nebel hoch, in der Ferne bimmeln die Kuhglocken und am anderen Berg blöken die Schafe. Wir gehen noch mal zur 2 km entfernten Quelle zurueck, um nochmal Wasser zu holen und zu duschen. Ziemlich frisch, aber herrlich. Wie wir wieder am Biwak sind, dröhnt fetter Bass aus Autoboxen zu uns rauf. Zwei Hirten üben Breakdance an der Viehtränke unten. 



1.8. 

Ich sitze auf 1500 m, eingehüllt in erfrischendem Nebel, höre die Schafe blöken, schaue unseren beiden Helden beim Grasen zu, und schreibe am Blog, während ich auf Pat warte. Die Umgebung ist reiner Fels auf Felsen durchsetzt mit etwas Gebüsch und Gras. Wir versuchen seit einer Stunde das Skigebiet von Arrete zu verlassen und müssen jetzt am Abend feststellen, dass wir unser Tages-Ziel nicht erreichen werden. Ausserdem ist die Graslage mehr als bescheiden und das Kraftfutter geht ebenfalls zur Neige.  

Aber der Reihe nach.  

Letzte Nacht harten wir eine großartige Weide auf einer Anhöhe. Die Hirtin, der wir unterwegs begegneten, wünschte uns eine ruhige Nacht. Die Berge gehören allen, meinte sie. In der Nacbt bläst ein heftiger Wind, dafür ist in der Frühe alles trocken. Wir gehen über eine Weide mit braunem Gras hinauf zum Grenzzaun. Den ganzen Morgen ziehen wir dem Berg entlang über Pferde- und Kuhweiden. Verpassen den Abzweiger zum Kammweg und finden einen regionalen Wanderweg der uns nach Osten nimmt. Auf dem Abstieg scheuchen wir 24 Adler auf und finden Min. später eine tote Kuh, die den Adlern als Mahlzeit gedient haben musste.  Wir trafen zwei Hirten, denen Pat half ein

Kalb zu verarzten. Eine Stunde später holte Flash sich eine Schramme, die wir provisorisch verarzten müssten. Wir fanden immer wieder Viehtränken aber frisches Quellwasser ist eher selten. Wann immer wir welches fanden, füllten wir die Wasserflaschen auf und zogen das im Wasser getränkte T-Shirt wieder an, was bei 25-28°C für anhaltende Abkühlung sorgte. Wir erreichten ausgetrocknet das erste Refugio, nur um es vermauert vorzufinden. Wir verliessen den geplanten Weg, um schnellstmöglich an Futter für die Pferde zu kommen. Die Strasse führt uns zu einem anderen neueren Refugio, wo wir etwas Brot und Getränke kaufen können. Das Dorf, das wir anstreben, ist eine herbe Endtäuschung, eine lieblos in die Steinwüste gestellte Betonburg, ohne Gras. Es sind nur noch 15 km bis Lescun mit der Pferdestation auf der Gr 10. Der Pfad jedoch ist sehr schwer zu gehen und wir kommen nur mühsam voran. Nach einer Stunde haben wir gerade mal 2 km geschafft, dazu ist es nicht ungefährliches Gelände. Die Pferde halten sich tapfer, aber wir müssen sie ihren eigenen Weg finden lassen. Wir entscheiden abzubrechen für heute, und hier oben Gras und Wasser zu suchen. Während Pat noch unterwegs ist, treffe ich einen Hirten, der mir erklärt, wo ich Wasser finden kann. Wir nehmen den gezeigten Weg, die Skipiste hinunter und bleiben eingangs des Trails zur genannten Wasserquelle stehen, denn hier ist das Gelände etwas ebener und vor allem hat es etwas Gras. Ich hole Wasser im 1,3 km entfernen Cabana und brauche für den Weg hin und zurück über eine Stunde. Es regnet leicht und die Steine sind glitschig. Wir bauem unser Poncho-Zelt auf und verstauen Gepäck und Schlafstelle darunter. Ein ebener Boden ist anders, stellen wir fest, aber es bleiben nur Minuten, um den Zaun zu stellen, bevor es zu schütten beginnt. Also leben wir damit, dass wir beständig in Gefahr sind, das Zelt am unteren Ende zu verlassen. Wir essen kalt und liegen dabei auf unseren Sattelpads und Daunenmatten, während es draussen blitzt und donnert. Das Gewitter kreist in 1 bis 3 km Abstand um uns und beschert uns heftigen Regen, Sturmböhen und Hagel über Stunden hinweg. Flash und Domingo stehen mit gesenktem Kopf an der windgeschütztesten Stelle und lassen das alles in stoischer Ruhe über sich ergehen. 



2.8. 

In der Früh hatte es endlich aufgehört zu duschen und wir verräumten unser Zeug schnellstmöglich. Die Helden bekommen das letzte Kraftfutter und im erneut einsetzenden Nieselregen dackeln wir die Teerstrasse in Richtung Accous. Es geht die ersten 15 km nur bergalb und nach insgesamt 25 km kommen wir kurz nach 13:00 Uhr in Accouss an. Der gesuchte Pferdestall ist nicht auffindbar und kein Mensch im Dorf lässt sich blicken. Wir finden weder eine Bar noch einen Lebensmitteladen. Es ist Siesta-Time, hier an der Grenze zu Spanien. Endlich wagt sich einer vor die Tür und ich bekomme ihn zu fassen, bevor er wieder verschwinden kann. Ich frage nach der Gite de Chevall und mir wird erklärt, diese sei nicht hier im Dorf sondern etwa 5 km weiter. Und ja es gibt einen Laden, der macht aber erst um 15:30 Uhr auf. Ich bitte ihn mir die Telefon Nummer zu finden, damit ich dort anrufen kann. Die Frau am Handy ist sehr nett, spricht Englisch, hat Kraftfutter, Weide, Stall, Zimmer mit Dusche, Waschmaschine und Trockner und leiht mir ihr Auto, um später einkaufen zu können.  

Wir flüstern unsern Beiden was von Hafer und im Schnelltrab kommen wir an der Auberge Cavalliere an. Um 17:00 Uhr ist die Welt wieder in Ordnung, wir haben 20 kg Kraftfutter, Lebensmittel für die nächsten Tage, sind geduscht und die Waschmaschine kämpft mit unserer Kleidung. Domingo hat hinten neue Schlappen. Duplos. Die Batterien werden geladen, ich habe Wifi und in 3 Stunden gibts Abendessen. 



3.8.  

Wie gewohnt bin ich um 6 wach und da es erst um halb acht Frühstuck gibt schreibe ich am Blog. Eric, der lokale Rittführer, erklärt welche Wege wir meiden sollten und wir ziehen die Route de Mateur hinauf. Dieser Weg wurde vor ca. 400 Jahren aus dem Felsen geschlagen, damit Holz von den Bergen ins Tal und in die Bretagne zum Schiffsbau transportiert werden konnte. Der Transport im Berg wurde mit den heute noch hier beheimateten Pferden bewältigt. Über 600 m Höhendifferenz waren zu überwinden, ehe das Holz zu Wasser weiter transportiert werden konnte. Auch wir erklimmen diesen Pfad plus 800 weitere Höhenmeter in einem immer enger werdenden Tal. Wir überschreiten den Pass Col de Hourquette de Larry auf 2055 m und haben herrliche Landschaft vor uns. Wir kommen zum Lac D Ajoux, im Hintergrund der Pic du Midi. Unten im Tal sehen wir eine grosse Gruppe Reiter. Leider sind sie schon weg, bevor wir unten ankommen. Vorbei am kristallklaren Bergsee ziehen wir ins Tal hinab, wo wir vor dem nächsten Pass in einem Seitental unser Camp aufschlagen.  Immer wieder müssen wir eine neugierige Kuh vom Camp vertreiben. 



4.8. 

Vorallem Kuh 1494 war ganz vernarrt in Domingo, so dass Pat als gute Pferde-Mutti ganz schön rabiat werden musste, um ihr klarzumachen, dass sie hier nichts verloren habe. In der Nacht ließen wir Domingo gehobbelt, da wir nicht sicher sein konnten, dass die Kühe den Zaun respektieren. In der Früh fanden sich ein Dutzend Kühe ein, die auch Kraftfutter haben wollten. Wir kochen Wasser für den Kaffee und satteln auf. Dichter Nebel umhüllt uns, als wir zum Pass aufsteigen. Da der Weg nicht markiert ist, und der Weg zum Pass auf meinem GPS nicht existiert, gehen wir mehr nach Gefühl den Berg hinauf, den die Kuhpfade sind von Wegen nicht zu unterscheiden. Dank dem GPS weiß ich wenigstens in welche Richtung und Höhe wir uns bewegen. Wir queren einige tiefe Bachläufe, stehen plötzlich vor einer Felswand und stolpern über einen Kuhkadaver. Kein Wunder, dass Domingo rum nervt und Pat eine harte Zeit hat. Wir finden endlich die Passhöhe, wir haben in zwei Stunden  grade mal 3 Km und 600 hm geschafft. Wir gehen der Höhenlinie lang in Richtung des im GPS eingetragenen Weges und endlich klart es auf. Wir sehen den gesuchten Weg etwa 100 hm weiter oben. In der Ferne wiehert ein Pferd, eine grosse Herde steht oben am Berg. Wir füllen die Thermos an einer Quelle, ich tauche mein T-Shirt im Wasser und ziehe es nass an, um etwas abzukühlen. Wir kommen ins nächste Tal, und führen die Pferde die Strasse hinunter. Bald kommt der Wanderweg, der uns Richtung Sallente de Gallego nimmt. Der Abstieg zur Strasse erweist sich als sehr abenteuerlich, über 2 Stunden kämpften wir uns durchs hohe Gras mit Disteln und wilden Rosensträuchern und müssen immer wieder Felsenklippen im zerklüfteten Gelände umgehen. Endlich an der Strasse versperrt ein Stacheldrahtzaun den Zugang zur Strasse. Flash hat zudem ein Duplo verloren. Wir ersetzen den Beschlag und reiten im Fluss unter der Strassenbrücke durch, um aus dem umzäunten Gebiet herauszukommen. Eine Stunde später treffen wir eine Gruppe Reiter und fragen die Führer nach Unterkunft und Futter für die Pferde. Wir duschen bei den Leuten privat, die Pferde stehen auf deren fetten Weide und nachts um Viertel nach Zwölf, nachdem wir um halb Zehn Abendessen konnten, stehen die beiden neben unseren Schlafsäcken und bringen uns einen halben Sack Kraftfutter, um dann zu ihrer Party zurückzukehren. 

 



5.8. 

Die Tage vergehen wie im Flug. Das Gelände ist wie auf 2000 M Höhe, obwohl wir 1000 m weiter unten sind. Die sind nicht Adrenalinlastig, soweit sie vorhanden sind. Heute können wir mal wieder ein gutes Stück reiten. Der Schotterweg führt der Höhe entlang oberhalb vom See nach Panticosa. Hier haben wir Verpflegung aufgestockt und nach 3 km Teerstrasse, die nicht ausgeschilderte Abzweigung auf die Gr11 genommen. Wir reiten auf breiten Schotterwegen das Tal hinauf und erst etwa 400 hm unter dem Pass mussten wir die Pferde wieder führen. Unterwegs genehmigen wir uns ein Bad in einem kühlen Bergbach. Kurz vor dem Pass treffen wir zwei Schweizer. Oben am Pass beginnt Pat eine Schneeballschlacht. Wir steigen ins weitläufige Tal ab, der Weg jedoch verläuft immer auf der gleichen Höhe und endet im Nirgendwo. Mir reicht es, ich will nicht weiter suchen und wir steigen quer über die Weide ab. Pat ist alle, als wir unten ankommen. Unten auf dem Weg treffe ich einen Hirten, den ich Frage wo das nächste Refugio ist. Er ignoriert mich und erst nach dem ich insistiere sagt er: "Solmente Bask". Später erfahren wir von anderen, dass es ihnen genauso ergangen ist. In einem wildromantischen Tal finden wir ein Refugio und am Fluss können wir die Pferde grasen lassen. Die Nacht auf der Weide ist windig und kalt. 




6.8.

Wir frühstücken im Refugio und die Pferde sind gut drauf heute früh. Domingo voran klettern wir den Kuhpfad hinauf Richtung Garnave. Oben herrscht Völkerwanderungs-Stimmung. 100te Autos fahren bis 100 m unter dem Pass, stellen es ab und wandern schwer bepackt die 3 km bis zum Refugio. Wir wollen am Volksmarsch nicht teilnehmen und nehmen die Strasse. In Gavarne suchen wir den Reitbetrieb, um nach den weiteren Wegen zu fragen, als die Eigentümerin eines Souvenirladens uns anspricht und uns telefonisch die benötigten Informationen einholt.  

Der Circe de Gaverne ist ein kreisrunder Talschluss mit zwei Wasserfällen und einer Scharte und 1000enden von Touristen. Wir schließen uns notgedrungen den Massen an und besichtigen das Naturwunder. Oben am Hotel nehmen wir den Wanderweg, nur weg von den Massen, und müssen auf engstem Weg 100te Wanderer passieren. Ein Fahrradgatter muss auf schmalem Bergweg geöffnet und wieder geschlossen werden. Die Wanderer warten geduldig. Endlich kommen der Abzweiger und das Refugio, wo wir uns zusammen mit einer Berliner Familie eine Runde Getränke genehmigen. Wir steigen noch mal 300 hm auf zur nächsten Hütte und finden dort gutes Gras. Kaum eingezäunt erscheint eine Herde wunderschöner Pferde. Wir essen auf der Hütte und als ich nach den Pferden schaue, steht die ganze Herde am Zaun und will Freundschaft schließen. Unsere sind nur mässig interessiert. Dafür bieten unsere beiden und die Herde Bilder für die Gäste. 

 



7.8. 

Die Nacht war richtig kalt. In der Früh steht die Schimmelstute rossend am Zaun. Als wir aufbrechen, folgt sie uns eine ganze Weile. Wir sind auf 2600 m und steigen auf 1700 ab, um dann wieder auf 2500 aufzusteigen. Wir schaffen heute nur mal knapp 30 km, aber obwohl wir müde sind, gehen die Pferde fleißig voran. Auf dem Weg zum Refugio finden wir an einem Bach in einer kleinen Senke einen schönen Rastplatz und beschließen hier zu biwakieren. Beide Pferde legen sich satt vom Berggras auf der Weide zum Schlafen hin. 




 

8.8. 

Die beiden Weissen sind ausgeruht und gut drauf heute morgen. In weiten Serpentinen ziehen wir den Berg hinauf. Flash voran, den Rundzügel einseitig ausgehängt und durch den Steigbügel gezogen halte ich den Zügel in der linken Hand, rechts halte ich den Schweif und lass mich so den Berg hinauf ziehen. Wir queren den Gipfel auf einem 30 cm breiten, schräg abfallendem Felsband um dann oben mit 15 m fast planer und ebenfalls schräg abfallenden Felsplatten konfrontiert zu sein. Das Band ist 2-3 m breit und etwa 10 m weiter unten würden sich die Pferde vielleicht wieder fangen können. Ich führe und dank unserem Kunststoffbeschlag kommen wir ohne Rutscher rüber. Geschafft. Aber es ist erst der erste von 3 Übergängen, die wir heute packen müssen. Den ganzen Vormittag führen wir auf schmalen Wiesen- und Felswegen bis wir endlich das Refugio erreichen. Von dort aus geht es nochmals hoch an Schneefeldern vorbei über den letzten Pass auf 2500 m, bevor wir dann den Abstieg nach Parzan beginnen können. Unterwegs kommen wir an einen Bachlauf, den die Pferde nicht queren können, also 100m zurück und Abstieg quer über die Weide. Beim weiteren Abstieg verliert Flash einen Beschlag, welchen Pat glücklicherweise findet. Wir nageln ihn wieder neu auf und folgen dem langen Pfad hinunter ins Tal. Wir müssen ein Stück der Strasse folgen und gelangen kurz vor Parzan auf die Strasse, die uns weiter nehmen wird. Wir fragen die Signora, die neben einem ehemaligen Refugio wohnt, ob wir gleich auf der Wiese gegenüber die Pferde aufzäunen könnten und nach einigem Zögern stimmt sie zu. Wir nehmen ein Bad unten am Fluss und reiten am Abend ins Dorf hinunter, wo wir einkaufen und ein riesen Steak zu uns nehmen. Die Pferde warten derweil angebunden vor dem Lokal und sorgen für Aufregung. 




9.8. 

Die Nacht war sehr mild. Wolken bedecken den Himmel und es ist zwar schwül, aber nicht mehr so drückend wie gestern. Der Schotterweg erlaubt 11 km Reitdistanz den Berg hinauf und es schaut aus wie im Wallis in der Schweiz. Oben auf dem Pass, gehen wir noch zum Stausee hoch, bevor wir ins Tal absteigen, wo ein Camping angepeilt ist. Lichte Kiefernwälder säumen die Alpenweiden und an einem kleinen Wasserfall nehmen wir ein Bad. Das kühle Wasser tut gut und wir fühlen uns richtig erfrischt. Wir werden heute einen Pausentag einlegen und die Pferde ausruhen lassen. Wir haben über 500 km und fast 31000 hm hinter uns, also fast 810 Lkm in 15 Tagen geschafft. Nicht schlecht für unsere beiden Senioren.  

Unterwegs haben wir ein Ehepaar Jef und Lisa aus Neuseeland kennen gelernt, die auch die HRP gehen. Während Pat ihre Wade pflegt, die Pferde sich erholen, quatschen wir über Europa und ihre Heimat. Pat schrubbt die Wäsche am historischen Waschbrett des Refugios und ich stelle unnötigerweise das Zelt auf, weil Pat befürchtet es könnte regnen. Ganze 7 Tropfen fallen und dann klärt der Himmel wieder auf. 

 



10.8. 

Die GR11 ist heute gut machbar. Der grösste Teil der Strecke konnten wir reiten oder zumindest auf geschotterten Wegen führen. Dafür war der Aufstieg über den Pass um so heftiger. Flash ist auf einer Felsplatte ausgerutscht und wir mussten den Fels umgehen. Zum Glück ist nichts passiert. Der Weg hinunter ins Tal führte zuerst durch eine bizarre Felslandschaft, später auf schönen Wegen durch Fichten und Föhrenwälder. Wir gelangten zur Strasse und ritten entlang einer tiefen Schlucht hinauf zum Refugio, wo wir an einem Bach, der eisenhaltiges (rotes) Wasser führt, unser Camp aufschlagen. Übermorgen sollten wir Salardu erreichen. Um 8 Uhr lege ich meinen Blog zur Seite und suche den Eingang zu meinem Schlafsack-Inlet. Eine Stunde später weckt mich Pat weil unten bei den Helden irgendwelche fremden Pferde wiehern. Ich renne in Badehose barfuss hinunter und finde den Zaun eingerissen und die beiden Wallache umringt von einer Herde Hengste. Wir versuchen sie zu vertreiben, aber sie flüchten einfach in verschiedene Richtungen und kommen wieder zurück. Pat schwingt sich auf Domingo und führt Flash durch den Fluss, aber die Hengste folgen ihr einfach. Auf der anderen Seite bindet sie unsere beiden an und versucht die Hengste zu vertreiben. Zwei jungen Männer schauen dem ganzen gelangweilt zu und sehen sich ausser Stande mitzuhelfen. Stattdessen zückt einer seine Digicam und fotografiert die sich mühende Pat. Später stauche ich die beiden Burschen in allen Landessprachen gehörig zusammen. Inzwischen habe ich das zerstörte Zaunmaterial gesammelt und wate barfuss durch den Bach Pat zu helfen. Aber es ist zwecklos, die vier übrigens wunderschönen Hengste dauerhaft zu vertreiben. Also wieder durch den Bach und die Schlafsäcke in Poncho eingeschlagen und Rope und Zügel geholt. Inzwischen ist es finster und ohne Lampen geht nichts mehr. Pat kommt mir zur Hilfe und gemeinsam waten wir im Schein ihrer Kopflampe durch den Bach beladen mit dem gesamten Schlafzeugs. Die beiden Weissen werden etwas weiter unten auf einer Brücke einngesperrt. Die Rope auf der einen, die Zuegel auf der anderen Seite. Wir legen unser Biwack unter dem kleinen Vordach einer Busshaltestelle, neben der Brücke neu aus. Die Hengste haben sich Richtung Berg verkrümelt, unsere werden Hunger schieben bis morgen früh und wir liegen um viertel nach Zehn auch wieder auf unseren Matten.

 



11.8. 

Um 5.45 höre ich einen Bus auf die Brücke zufahren. Ich stürze in Badehose und T-Shirt auf die Strasse, um unsere Zügel zu retten. Der Busfahrer kann mein Geschrei zwar weder Hören noch verstehen, er hält trotzdem vor der Brücke an. Ein Dutzend Leute steigen aus dem Bus und klettern mit ihren leuchtenden Kopflampen den Berg hinauf.  Wir führen die Pferde durch den Bach, satteln auf und reiten durch den Bach zurück. Jetzt endlich haben wir alle vier Zeit für Frühstück. Später gehen wir einen Bachlauf hoch, und werden prompt von den Hengsten begrüsst. Der Älteste davon folgt uns die nächsten zwei Stunden unbeirrt. Der Weg wird immer schwieriger. Mehrfach müssen wir Felspassagen umgehen. Oben kommen wir an einen kristallklaren See. Wir treffen auf Wanderer die und mehr über die Fortsetzung des Weges sagen können. Diesmal scheinen wir mit Leuten zu reden, die im Gegensatz zu den bereits früher Befragten, den Weg wirklich kennen. Und es hört sich nur noch suboptimal an. Ich gehe ohne Pferd weiter hinauf und stoßen auf eine Barriere aus großen Felsblöcken, die für die Pferde, nicht überwindbar ist. Das ganze Tal ist verperrt. Das war’s also, all die Schinderei hier hinauf, um jetzt 300 hm vor dem Pass umkehren zu müssen. Wir kehren um und gehen den Weg wieder zurück ins Tal, wo wir von dem uns folgenden Hengst freudig begrüsst werden, so quasi, ich wußte ihr kommt zu mir zurück. Unterwegs treffen wir zwei weitere Spanier, die uns von einer anderen Route, die für dir Pferde machbar sein müsste, erzählen. Wir gehen die am Vortag aufgestiegenen 12 Km wieder zurück und umgehen das Gebirge im Norden. Hier schauen die Berge freundlicher drein und nach einem langen Tag mit fast 40 km nächtigen wir in einem Tal am Fuße des morgen anzugehenden Passes Picardo. Beruhigt nehmen wir zur Kenntnis, dass der Weg durch Schaf- und Kuhweiden fuhrt. Wir sind jetzt über eine Woche ohne vernünftigen Mobilfunk Kontakt und die Liste der nicht versandten Blogeinträge wird immer länger. Nur ab und zu gelingt es uns ein kurzes SMS abzusetzen. Aber morgen in Salardu sollte es besser werden.   

 



12.8. 

Um 5 sehe ich wieder Kopflampen den Weg hochkommen. Ich stosse ein Wolfsgeheul aus, was da unten für einige Verwirrung sorgt. Ich döse noch eine Stunde, dann stehen wir auf. Wir lassen uns von den Pferden den Berg hinaufziehen und stoßen auf ein Wegzeichen mit der Aufschrift Routas Caballos. Gut zu wissen. Wir treffen auf einen Schäffer, der hier oben haust und er freut sich über unseren Besuch. Weiter geht es hinauf, dem in der Höhe wallenden Nebel entgegen. Der Abstieg ist einfach, man gehe im Bachbett den Berg hinunter. Wo das Tal breiter wird treffen wir auf eine Gruppe Kaltblüter und Maulesel. Unten an der Fahrstrasse gibt’s sogar ein Bistro. 6 h später treffen wir, vom heftigen Regen geduscht, in Salardu ein, wo Ruth bereits auf uns wartet. 




13.8. 

Ich sitze hier auf einem Steinmäuerchen in Ilises Dorfplatz und esse mit 200 Dorfbewohnern gemeinsam Abendessen. Um uns wuseln Kinder und es ist 10 Uhr nachts. Wir wurden von zwei jungen Frauen aus Barcelona eingeladen, am Dorffest teil zu nehmen. Die 10 Tische waren reichlich gedeckt mit spanischen Spezialitäten und Wein und jeder nahm sich was ihm schmeckte. Später wurden drei verschiedene Wurstsorten aufgetischt, jemand brachte uns eine Flasche Rotwein und der Eigentümer der Wiese auf der Flash und Domingo stehen, fragt mich, wie es den Pferden gehe. Zum Nachtisch gab es weisse und rote Melonen,die unglaublich gut schmeckten. Aber zurück zum Anfang des Tages. Wir nächtigten nach 8 Tagen mal wieder in einem Hotel, mit Dusche und allem Luxus und Ruth wusch bei sich zu Hause unsere Wäsche. Die Pferde standen auf einer riesigen Koppel und pennten. Wir entschieden die Dienste des lokalen Schmids in Anspruch zu nehmen, zumal das Paket mit Ersatzmaterial nicht aufzufinden war. Wir nageln unsere abgelutschen Duplos neu auf, und hoffen, dass sie bis Argeles durchhalten. Wir folgen einem lokalen Wanderweg und gelangten in ein breites Tal mit freilaufenden Bretonen Pferden, die prompt hinter uns die Strasse blockierten. Wir konnten das erste Mal seit Tagen wieder reiten. Im Trab gibt Flash vorne rechts an. Wir wechseln die Pferde und versuchen so Flash zu schonen. Das Gelände ändert sich hier, es ist jetzt mediterraner und viel stärker verbuscht. Wir kommen zur Strasse und führen die Beiden fur die nächsten 2 Stunden darauf hinunter Wir erreichen Isil, wo wir nach einem Platz für die Pferde fragen.  Eine resolute Frau nimmt die Angelegen in die Hand, organisiert uns eine Weide. Nebenan wohnen die beiden jungen Frauen aus Barca. Die laden uns ein mit ihnen einkaufen zu fahren und bei ihnen zu nächtigen. Wir nehmen dankbar an. 



14.8. 

Erst geht es mal 10 km der Strasse lang , dann sind wir in Esterri. Hier hol ich mir eine Karte für den restlichen Weg. Und im Bistro wir nebenan gibts 2. Frühstück. Wir führen die Pferde den Passweg hinauf, denn die beiden sind müde. Oben angekommen, suchen wir 3 Stunden lang, nach dem in der Karte eingezeichneten Weg und klettern 10 Km lang den Berg rauf und runter. Ich bin zu doof, oder den Weg gibts gar nicht. Müde und gefrustet entscheiden wir uns über die Weide ins nächste Seitental abzusteigen, hoffend, dass der dort verlaufende Bach uns auf den 400 hm weiter unten sichtbaren Pfad bringen würde. Die Weiden verbuschen hier, weil viel zu wenig Landwirtschaft betrieben wird. Durch Ginsterbüsche und wilde Rosen steigen wir ab und  stossen auf einen Pfad der uns in ein verlassenes Dorf führt. Im Dorf bestehend aus 5 verstreuten Häusern treffen wir sogar Leute, ein Spanier, der seinen Neffen aus Dubai zeigt, wo ihr Grossvater aufgewachsen ist. Er bestätigt mir, dass ich nicht doof bin, den Weg gibts nicht. Endlich stossen wir wieder auf Wegzeichen, klettern nochmal 200 hm rauf und 300 ab und kommen endlich nach 13 Stunden und 47 km in Llarret an, wo wir von den Bewohnern der ersten Häuser umsorgt werden. Wir dürfen die Pferde auf der Festwiese im Wald einzäunen, das Gepäck in einem Stall unterbringen und die Frau kocht uns eine Suppe. Wir schlafen im Keller des Hauses mit Toilette. 

 



15.8. 

Wir verlassen den Keller und holen die Pferde von ihrer Weide. Sie sind nicht viel besser drauf heute, der Tag war mal wieder heftig gestern. Auch ich spüre meine Knochen.  Wenn möglich besorgen wir uns Kraftfutter und machen früher Schluss. Auch müssen wir sicherstellen, dass der Pass machbar ist, bevor wir aufbrechen. Ja, auch wir sind noch lernfähig.  Den Abstieg ins Tal auf dem Forstweg nutze ich den Blog zu schreiben.  Dann beginnt der Aufstieg auf den 2200 m hohen Pass. Um Flash zu entlasten, führe ich ihn, das heisst er geht vor mir her und versucht mein Tempo zu drosseln. Wir nehmen die Forststrasse ein Wanderweg gibt es wohl, aber dort ist es eine schwierige Kraxlerei. An weiteren Pferdeherden vorbei kommen wir auf zum Pass, ab hier sind wieder Wanderwege, die man auch gehen kann. Auf dem Abstieg ins Tal müssen wir durch Fichtenwälder und dort müssen wir dann die beiden Pferde absatteln, denn ein umgestürzter Baum liegt genau auf dem Weg in einem Sumpfgebiet, so dass wir ihn nicht umgehen können. Glücklicherweise passen unsere 150 cm Pferde noch gerade unter dem Stamm durch. Nach einer Pause auf einer schönen Weide sind wir eine Stunde später im Tal und steuern einen Campingplatz an. Pat bietet all ihren Charme auf, zu bekommen, was wir brauchen. Einen Platz für die Pferde mit Gras, Kraftfutter und die Möglichkeit unsererseits irgendwo zu schlafen. Eine Deutsche, die hier wohnt und Pferde hat kommt uns besuchen. Sie bringt uns später einen Ballen Heu, denn die Wiese, die der Manager uns zuweist, ist noch nicht mal mehr Golfplatztauglich. Aber er will uns noch Weizenkleie bringen. So zumindest haben wir verstanden. Aus der Weizenkleie wurden dann Pellets, aber immerhin, es war Kraftfutter für die Pferde. Im Laufe der Gespräche mit den ortsansässigen Besuchern unserer Pferde, stellte sich dann heraus, dass das Camping noch über weitere Flächen verfügte, die sehr gut mit Gras bestückt waren.  Als ich den Manager darauf konkret ansprach, konnte er nicht mehr ausweichen und willigte ein, uns ein Stück Grasland abzutreten. Dies und die 15 kg Kraftfutter machten Pat happy. Als die Pferde auf der Kleeweide untergebracht waren, gingen wir Duschen und Essen. Wir schlafen unter dem Dach eines Grillplatzes. 




16.8. 

Den Pferden hatte die Pause gut getan. Uns auch nicht minder. Wir können heute das ganze Tal hochreiten. Die beiden laufen in zügigem Schritt und freuen sich mal wieder Reitpferd und nicht Saumtier zu sein. Die Gegend ähnelt dem Wallis in der Schweiz. Wir kommen hoch zum Refugio und ich frage den Wirt nach der einfachsten Route nach Andorra. Man hatte mir erzählt, dass es einen Viehtriebweg gäbe. Die Antwort war ernüchternd. Leicht ist keiner. Einer ist unmöglich und der andere für Pferde nicht machbar. Aber wenn es geht soll, dann nur dort. Na Super. Jetzt haben wir richtiges Schlamassel, denn über den Pass müssen wir, oder wir kommen nie an in Argeles. Ok, mal sehen. Wir reiten weiter bergwärts und müssen bald führen, denn der Forstweg hört auf und ein schöner Wanderweg beginnt. Über plateauartig angelegte Weiden geht es immer höher hinauf und irgendwann auf dem Weg treffen wir auf einen Hirten, der allerdings nur Catalan spricht, und von Pat nicht verstanden wird. Das einzige was wir verstehen und auch erklären ist,  wo wir hin wollen. Und ein Teil seiner Antwort verstehe sogar ich. Sein sich ständig wiederholendes “impossibile”  

Wir aber haben keine Alternative, denn Richtungswechsel bedeutet etwa 2-3 Tage in die falsche Richtung zu gehen. Und unser Urlaub ist am Freitag zu Ende. Mit mulmigem Gefühl gehen wir weiter. Aber wie schon davor, ist die Gegend wunderschön und der Weg eigentlich leicht zu machen. Die Pferde sind fit und eifrig dabei und so gelangen wir an die letzte Schutzhütte, vor dem „Impossibile“. Wir schauen den so an, und denken uns, so schlimm kann es ja gar nicht sein… der schaut ja recht harmlos aus, und wenn’s nicht klappt, nehmen wir den anderen, den Unmöglichen, weil auch der sieht machbar aus, zumindest von dieser Seite. Wir gönnen uns und den Pferden eine zusätzliche Rast, nehmen ein paar Müsliriegel zu uns und reiten durch den Gebirgssee zum anderen Ufer. Dort hängen wir die Zügel aufs Horn und lassen die Pferde den steilen Wiesenhang hochgehen. Sie suchen sich frei ihren Weg, während wir am Schweif hängend, folgen. Die beiden, Domingo voran,  folgen ihrer Nase und umrunden Felskuppen und steile Stellen und suchen sich ihren Weg hinauf. Auf einem kleinen Sattel machen wir halt und ich schaue mir die Sache weiter oben etwas genauer an. Pat schickt die Pferde hoch und die beiden klettern, Pat im Schlepptau, zu mir hinauf. Dort wo ich meinte, die Passhöhe sei erreicht, tut sich eine weitere Senke auf, die auf einen noch höher gelegenen Punkt zuführt. Die ganze Senke ist angefüllt mit Felsgeröll und die Pferde suchen sich wieder den Weg über die flachsten Partien, im ausgetrockneten Bachbett. Sie klettern durch die immer heftiger werdenden Geröllfelder hoch zum Pass und bis jetzt geht alles recht gut. Geschafft, wir sind oben. Auf der anderen Seite sehen wir nicht sehr viel, nur dass es die ersten 10-15 m sehr steil runter geht, allerdings auch diesmal wieder im Geröll und Sand. Ich nehme den Zügel lang und führe Flash hinunter, der auf den Arschbacken hockend, mit den Vorderfüssen läuft und hinten rutschend folgt. Kein Problem für die alten Hasen. Wir steigen weiter ab und stehen vor dem Grund, warum seit 40 Jahren kein Vieh mehr über den Pass gekommen ist. Eine riesige Gerölllawine hat den gesamten Abhang verschlossen und liegt jetzt zwischen Gletschersee und Gletscher eingeklemmt und versperrt auch uns den Weg. Anfangs geht es noch ganz gut, das Geröll ist ziemlich fest und noch nicht zu gross, aber je weiter wir in die Geröll-Lawine hineinkommen, desto mehr Mühe haben die Pferde einen Weg zu finden. 20 m haben wir schon geschafft, es sind noch 5 m, die haben es aber in sich, denn hier sind die Felsbrocken 50 cm bis 1 m gross und die Pferde haben mehr Löcher um sich, in die sie hineinstürzen, als Felsblöcke auf denen sie stehen können. Und die ganze Sache wackelt bedenklich. Wir machen auch noch einen Fehler. Anstelle Flash vorauszulassen, führt Pat an der entscheidenden Stelle Domingo als ersten hinunter und da sie selbst höllisch Muffensausen hat, verweigert Domingo den Weg und bleibt einfach stehen. Er sagt sich, das war es, hier geht’s nicht weiter, ich gehe heim. Flash steht hinter mir auf drei Felsplatten und wartet geduldig. Aber auch er ist der Meinung, dass das Gras auf der anderen Seite nicht unbedingt besser schmecken müsse…. Und ich komme mit Flash nicht an Domingo vorbei, denn der steht am einzig möglichen Übergangspunkt, auf die andere Seite. Wir beraten, was zu tun sei, ziehen in Erwägung die Pferde schwimmen zu lassen…. Keine Chance Flash schwimmt nicht…. Oder über den Gletscher zu gehen,  aber Pat befürchtet die Pferde können einbrechen. Während einer halben Stunde versuchen wir immer wieder Domingo zum weiter gehen zu ermutigen, aber anstelle vorwärts zu gehen, versucht er rückwärts die Felsplatten wieder hoch zu klettern. Ich weiss keinen Rat mehr und entscheid, einen letzten Versuch zu wagen, Flash über eine noch heiklere Stelle an Domingo vorbei zu bekommen, und so die Blockade zu durchbrechen. Flash folgt mir willig über die ersten Felsen und entscheidet sich dann auf den Gletscher zu springen und den Gletscher hoch zu laufen. Mich frag keiner um Erlaubnis. Zum Glück habe ich ihn am langen Zügel, so dass er sich frei bewegen kann und er schafft es, ohne einzubrechen auf die andere Seite hoch. Ich schicke Pat hinterher, drücke ihr die Zügel in die Hand und nehme die von Domingo an mich. Sie verschwindet mit Flash hinter der nächsten Kuppe und Domingo wird es nun langsam mulmig, denn jetzt möchte er doch nicht allein hierbleiben. Mehrfach versuche ich ihn auf den nächsten Felsblock zu lotsen aber er verweigert. Endlich nach einer gefühlten Ewigkeit entscheidet er sich doch weiterzugehen, und steigt in einem 30 Grad Winkel zur perfekten Linie den Fels hinunter. Nur nicht dorthin, wo ich wollte. Aber er schaffte es, auf die Stelle zu kommen, auf der auch Flash gestanden ist, vor seinem Sprung auf den Gletscher, und dort geht er einfach weiter, über die Felsen drüber, wie ursprünglich geplant und kommt wohlbehalten auf der anderen Seite an.  Pat wartet etwa 100 m weiter vorne, und stellt dann mit Entsetzen fest, dass wir den letzten Beschlag auch noch verloren haben. Jetzt gibt es keinen Ersatz mehr, die müssen einfach halten, bis wir ankommen. Wir nageln den letzten noch verbleibenden Duplo auf und hoffen, dass er halten wird. Wir stossen auf  Schafe  -  ich hatte auf Kühe gehofft, da sind die Wege einfacher und beobachte andere Wanderer,  wie sie den Wanderweg hinunter bewältigen. Da scheinen noch einige Probleme auf uns zu warten, denn die beiden brauchen an einigen Passagen ganz schön viel Zeit. Etwa ein Drittel den Weg dem Berghang entlang hinunter stossen wir auf das erste Hindernis. Eine etwa 5 m lange nur handbreite Felskante im Fels, über die die Pferde müssen. Alternativen gibt’s nicht, und es geht etwa 10 m runter in eine kleine Schlucht. Adrenalin pur, aber nur für uns. Wir wissen, die Pferde können das, nur wir haben mal wieder Schiss. Nur nichts anmerken lassen. Wir lassen die Pferde etwas grasen, ich schaue mir die Sache an und führe dann Flash am langen Zügel zur Kante, über die er dann hinter mir ausrutschend rüber trabt.  Domingo folgt Flash frei und Pat schaut einfach in die andere Richtung, dann kommt auch sie rüber. Wir atmen durch und führen die Pferde weiter den nur 10 cm breiten Schafpfad entlang hinunter Richtung Tal. Kaum 10 Min. später stehen wir wieder und ich klettere weiter, um zu sehen, wo der Weg weitergeht. Aber er geht eigentlich nicht weiter, sondern hört an einer Felskante auf, die drei Meter breit von Wasser überspült wird. Der Fels ist etwa 5 m hoch und der Weg geht unterhalb des Wasserfalls in die andere Richtung weiter.  Na Super.  Jetzt nur nicht wieder lange zögern… ich schnapp mir Flash, nehme den Zügel in die Hand und klettere die Hälfte des Felsen hinunter, ihn ermunternd mir zu folgen. Er steht oben, schaut sich die Sache an und … setzt seinen Fuss auf die erste etwa 30 cm tiefer  liegende Rinne, zögert eine Sekunde und klettert dann den Fels hinunter, als ob er das schon 1000 mal geübt hätte. Domingo folgt ihm nur Sekunden später und wir atmen erst mal tief durch.  Ab jetzt ist der Weg relativ einfach und wir kommen zu einer Schutzhütte, wo einige Spanier am Picknicken sind. Wir sind so erleichtert es geschafft zu haben… wir müssen die Freude mit ihnen teilen… auch wenn sie die „Locos“ nicht verstehen. Wir sind unten, heil und ganz, mit ein paar Kratzern haben wir den schlimmsten Übergang, den wir je gemacht haben, bewältigt. Wir sind uns gewiss, sowas brauchen wir nicht noch einmal. Wir führen die Pferde die steile Strasse nach Arinsal in Andorra hinunter. An der Sunbar fragen wir, ob wir die Pferde hinter dem Haus grasen lassen dürfen und der Wirt willigt ein. Wir bekommen Wasser für die Pferde, Strom fürs Handy und 600 gr Steaks aus Argentinien für die Mägen. Todmüde fallen wir an diesem Abend auf unsere Schlafmatten.  

 



17.8. 

Heute früh hat es 7 Grad. Gestern muss es noch kälter gewesen sein. Dafür hat es tagsüber nur 22 Grad und das bei strahlendem Sonnenschein. Wir pilgern die Strasse hinunter und ich schreibe an meinem Blog. Kaffee und Croissants sind gesucht, aber es scheint, dass hier nur Industrie und Hotels gebaut wurden. Es gibt keine wirklichen Dörfer, sondern nur Touristenburgen und Sportgeschäfte. Mitten in der Stadt am zentralen Kreisel, da gibt’s ein Kaffee, nur leider ist dies für die Pferde nicht erreichbar. Also gehen wir weiter und 5 km weiter ausserhalb der Stadt gibt’s dann endlich ein Bistro. Die GR 11 ist hier einfach zu machen und wir kommen hinauf nach Soldeu, wo es einen Pferdehof gibt. Als wir ankommen, rennt die Stallbesitzerin erst mal los um Silberspray zu holen und noch bevor ich etwas einwenden kann, sind die 4 Füsse meines Arabers silbern eingesprüht. Als ich mich ungehalten zeige, wird die Dame dermassen unfreundlich, dass wir auf das erhoffte Kraftfutter verzichten und weiterziehen. Weiter oben im Tal, frage ich den Dorfpolizisten, ob es ok wäre, wenn wir die Pferde auf der Skipiste grasen liessen für die Nacht. Kein Problem für ihn, so gehen wir hinunter und zäunen die Pferde in schönster Weide ein und machen unser Schlafquartier zwischen zwei Picknicktischen. An der Fahrradputzstelle können wir die Pferde abspritzen und Wasser holen. Später gehen wir ins Dorf hinauf, um was zu essen und einzukaufen. Wir besorgen Zwieback und Alpenmüsli und füttern die Pferde damit. Das muss das teuerste Kraftfutter sein, das wie je eingekauft haben. Ich liege auf meiner Matte, um mich rum die Berge und vor mir die hell erleuchteten Hotels. Über uns der mit leichten Wolken bestückte Himmel. 




 

18.8. 

Es ist alles klamm und feucht wie wir aufstehen und die Pferde warten schon auf ihr Kraftfutter. Wir haben heute keine Wanderwege, sondern nur Asphalt zu klopfen, also ziehen wir auf die Fahrstrasse und führen die Pferde hoch. Die Autos brausen an uns vorbei Richtung Frankreich und wir suchen dringend nach Möglichkeiten von der Strasse weg zu kommen. Aber keine Chance, jede Möglichkeit endet immer an der Leitplanke und so marschieren wir die 12 km hoch bis zum Pass. Hier sind Pferde und wir finden eine Abkürzung die Skipiste hinunter ins Dorf. Dort genehmigen wir uns ein zweites Frühstück, während die Pferde als Stars von den Touris fotografiert werden. Pat kauft sich eine gefütterte Jacke und wir marschieren gegen den Strom, der nach Andorra im Stau stehenden Fahrzeuge die Strasse hinunter. Die Zöllner an der französischen Grenze ignorieren uns geflissentlich und wir kommen zum Abzweiger Perpignan / Toulouse. Hier wollen wir wieder aufsitzen und reiten, aber Pat steigt gleich wieder ab, denn Domingo lahmt. Es wird auch nicht besser, denn nach jedem Halt, scheint er mehr Mühe zu haben, wieder in die Gänge zu kommen. Pat gibt ihm Globuli und Schmerzmittel, aber diesmal scheint es nicht zu wirken. Wir führen den Pass hinauf und oben ist die Situation so schlimm, dass es nicht mehr weiter geht. Wir können es uns nicht erklären, aber so kann’s nicht weiter gehen.  

Wr müssen abbrechen, kurz vor dem Ziel, aber mit einem lahmenden Domingo schaffen wir die 120 verbleibenden km nicht in den 3 Tagen, die uns noch zur Verfügung stehen. Pat nimmt die beiden Pferde, während ich ein Auto anhalte, das mich in den nächsten Ort hinunter nimmt. Glücklicherweise, gibt es dort einen Pferdestall, so dass ich Unterkunft und Weide für Pat und die Pferde organsiert bekomme. Mit einem Taxi fahre ich zum Bahnhof um nach Argeles zu fahren, den Hänger zu holen. Ich staune nicht schlecht, als das Ticket 8 h Fahrzeit für die 118 km bis Perpignan vorgibt. Drei Stunden Bahnhofsbesichtigung inbegriffen, war das noch immer ein Langsamkeits Rekord. Bald begriff ich weshalb. Der gerade sein 100stes Jubiläum feiernde Zug war genauso alt. In offenem Kübelwagen auf Holzbaenken eingequetscht ruckelten wir die Strecke hinunter und machten in jedem Dorf 15 Minuten Halt. Nach einer Stunde fand ich raus, dass hinten bequemere Wagen angehängt waren, und setzte mich dort hinein. Um Viertel vor 11 war ich dann doch endlich auf der Kentucky Ranch in Argeles sur Mer, wo ich mir eine Dusche sowie frische Kleidung gönnte. 




19.8. 

Ich übernachte und steige ins Auto, um Pat und die Pferde zu holen. Nach 3 Stunden Fahrt bin ich wieder bei den Pferden. Pat hat sich nützlich gemacht und die feuchten Sachen getrocknet und gelüftet. Diesmal werden wir nicht stinkend ankommen, wie üblich, sondern etwas dezenter riechen. Domingo geht es noch immer nicht besser und Pat ist echt nervös, weil keines ihrer bewährten Globuli anspricht und sie sich auch überhaupt nicht erklären kann, wie was geschehen sein könnte. Wir verladen und fahren nach Argeles,  Dort lassen wir den Tierarzt kommen, aber trotz Dreiviertelstündiger Untersuchung kann auch die Veterenärinnichts finden. Wir geben ihm Schmerzmittel und beschliessen ihn morgen nochmals untersuchen zu lassen, um zu entscheiden, ob er transportfähig ist oder nicht. Den Rest des Tages verbringen wir in der Stadt. 

 



20.8.  

Als der Veterinär um 8.30 kommt geht es Domingo viel besser. Es scheint, als ob es doch nur ein gequetschter Nerv, eine Muskelsache oder etwas in der Richtung gewesen wäre. Sei es drum, es geht ihm wieder besser. Wir entscheiden heute Nacht zu fahren, und bereiten die Abfahrt vor. Später fahren wir nochmals der Küste entlang nach Süden und essen in Spanien ein letztes Mal Paella.  

Wir waren insgesamt 850 km unterwegs und haben über 50000 hm gemacht. Wir hatten 4 kurze Pausentage und haben die GR 10 und GR 11 sowie den HRP gemeistert. Und das mit Pferden, die bereits den Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit überschritten haben. Mit 54 LKM pro Tag haben sie eine Super Leistung erbracht, wenn wir auch weniger als 30 % der Strecke geritten sind.  Wieder einmal haben sie uns bewiesen, dass sie nicht nur fähiger sind, als wir uns vorstellen können, sondern auch leistungsbereiter und stärker. Wenn wir die vielen Pferde betrachten, die uns hier in den Bergen der Pyrenäen begegnet sind, können wir nur erahnen, was unsere Pferde leisten könnten, wenn sie hier aufgewachsen wären. 

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