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2011 Mongolia Altai

Aktualisiert: 9. März

Wir, Olivia, Pat und Peter, fliegen von Zürich nach Ulaan Bator und werden bei Aeroflott mit Pünktlichkeit und gutem Service bedient. In Ulaan Bator , kurz UB, treffen wir Aynabek, der Mann mit dem Peter die ganze Reise organisiert hat. Er lädt uns zu Kaffee ein, wir besprechen die restlichen Fragen und er meint nur, dass wir doch etwas arg viel Gepäck hätten. Er verlässt uns recht schnell und vergisst dabei seine Schweizer Tassen, die wir extra für ihn mitgebracht haben.  Nun merken wir, dass wir in ein Land kommen, in dem die Zeit anders tickt. Das Kaffee füllt sich schnell mit wartenden Touristen und Minenarbeitern, deren Flug wegen zu starkem Wind verschoben wurde.  Wir sind guter Dinge, doch auch unser Flug geht nicht los. Die Anzeigetafel ist für uns meist nicht lesbar und wenn dann doch steht nur delayed da. Wie war das? Ihr habt die Uhr, doch wir haben die Zeit Wir warten einige Stunden und mit 3 Stunden Verspätung kommen wir doch in den einheimischen Flieger der Mongolian Airways. Der Ausstieg findet direkt auf dem Rollfeld statt und am Ende bekommen wir auch dort unser Gepäck, das auf einem Rollwagen hingestellt wird.  

Vor dem Eingang wartet unser Guide Berdibek auf uns. Er soll uns die nächsten 4 Wochen durch die Berge des Altai führen. Er bringt uns zu dem Fahrer und dessen Geländewagen. Ein etwas älteres Gefährt, Marke russischer Geländewagen, sicher an die 30 Jahre alt und wir stutzen erst mal, ob wir da all unser Gepäck reinbekommen. Der Fahrer spielt Chauffeur zum Hotel, dann gehen wir zu Aynabeks Haus, um unsere Ausrüstung für die Pferde und unsere Pakete mit den Lebensmittel-vorräten abzuholen. Wir werden von der Familie zum Tee eingeladen, der mit Milch und Salz versetzt ist. Ein Tourist ist auch dort, dem auf dem Schwarzmarkt der Rucksack aufgeschlitzt wurde und der gerade gar kein Geld mehr hat. Wir machen die ersten Familienfotos und es werden nicht die letzten sein. Berdibek ist sehr müde, da er gerade erst von einer Tour zurückkam und daheim wartet seine Frau mit einem gerade 1 Monate altem Baby. Kein Wunder, dass er gerne heim will und wir unser Abendessen im Restaurant alleine zu uns nehmen. Auf der Karte sind netterweise Bilder vom Essen abgebildet, aber bis auf einesl kommt zu jedem der Kommentar. dass es das nicht gibt! Hmm; eine Übersetzerin kommt vom Nachbartisch und hilft uns weiter. Es ist wohl der Stromausfall, der dafür sorgt, dass die Küche nur ein Gericht machen kann. Wir sitzen im Dunkeln und warten auf unser Essen. Es kommt wieder der Strom und dann auch unser Essen zu dem Peter und ich je ein Bier ordern, nur hier gibt es Bier für Männer und ein anderes für Frauen.  Um 22:00 sind wir im Hotel und fallen todmüde ins Bett. 





Donnerstag, 11.8.2011         Olgii – Zost Erek  

Um 6°° wachen wir frisch und munter auf. Das WC-Wasser mussten wir aufsparen, da die Spülung nur 1mal ging. Frühstück gab es keines. Dafür ist Peter mit Werkzeug an den Sätteln beschäftigt, um sie für unser Gepäck tauglich zu machen. Berdibek kam um 8:30, 30min früher als versprochen, Wir kaufen eine Telefonkarte und gehen dann auf den Schwarzmarkt, um ein paar Decken als Sattelunter-lagen für die Pferde zu finden. Wir sind viel zu früh, die meisten machen viel später auf. Olivia ist nicht bereit die angegebenen Preise zu zahlen und Peter muss handeln anfangen.  

Wir sind überrascht, wie teuer hier alles ist?  So 1:1 wenn man ein paar Nullen bei den Tugrik abzieht. 1 Dollar sind in etwa 1000 Tugrik , die Landeswährung. Im Supermarkt das Gleiche Niveau. Es ist fast 12Uhr, als wir endlich im Restaurant einen Kaffee und belegtes Brot bekommen. Im Verhältnis ist das Essen gehen richtig billig. Wir haben alles zusammen und nun ist der Jeep bis unters Dach voll und die Fahrt geht los aufs Land. Kurz nach Olgii hört die Teerstrasse auf. Wir tanken das Auto voll. Der Benzinpreis ist etwas teurer als bei uns. Wir fahren den Saksai Fluss entlang auf der recht holprigen unbefestigten Strasse nach Zost Erek , wo die Pferde für uns bereitstehen sollen. Wir kommen an und es gibt die nächste Überraschung, wir sind bei der Familie des Fahrers und weit und breit nichts von unseren Pferden zu sehen.... dafür gibt es erst mal Chai , den obligatorischen Tee, mit Milch und Salz versetzt, ist er für uns zuerst ungewohnt, doch wir haben damit wenig Mühe außer Peter, der sich an die Mengen an Teekonsum erst mal gewöhnen muss, da es ja bekanntlich sein Lieblings-getränk ist. Normalerweise trinkt man mind. 6 Schalen morgens, mittags und abends, nur sind die Mengen für uns etwas viel und man muss aufpassen, dass wenn die Schale leer ist, man nicht gleich nachgeschenkt bekommt. Da sind die Gastgeber sehr fürsorglich. Man muss die Hand auf die Schale legen, damit klar ist. dass man nicht mehr will. Die Frauen sind recht fix bei der Teezubereitung und wir schauen dem Geschehen interessiert zu. Wasser wird in einem Topf erhitzt, Milch in einem anderen  und dann wird das ganze mit etwas Schwarztee und Salz zusammen gemischt. Die Hausfrau probiert zuerst in einer Schale, bevor sie an die Gäste ausschenkt. Die Gäste und die Männer bekommen zuerst und dann wir beiden Frauen. Der Tee schmeckt gut und auf dem Tisch stehen unterschiedlichste Schalen und Teller mit Käse und Butter und Schlagrahm herum. Peter wird unser Vorkoster, denn zum Teil entspricht die Butter nicht unseren Gaumenfreuden. Wenn Peter sagt, es ist OK probiere ich, doch Olivia hält sich sehr zurück. Das Brot aus Mehl und Wasser wird in Butter ausgebacken. Je nach Herstelldatum ist es frischer oder auch schon hart. Der Käse ist eine Sache für sich. Der 90jährige Opa freut sich über unseren Besuch und ist äußerst interessiert an unserer Ausrüstung. Wir gehen nach draußen und in weiter Ferne kann man mit dem Fernglas anscheinend erkennen, dass die Pferde kommen.  

Wir verstehen nicht so ganz welches unsere Pferde sind. Berdibeks Englisch ist nicht das Beste und so kommt es zu manchen Missverständnissen. Wir warten ab und so sind zuerst mal 3 unserer Pferde da. Wir fangen an mit Probepacken unserer Sättel und suchen vergeblich die 2 Pferde, die 1,5m Stockmaß haben sollen... Überraschung, 1,5m sind in der Mongolei allerhöchstens 1,4m, Peter wird sich mit einem kleineren Pferd begnügen müssen oder das Pferd sich mit ihm. Nach 2h unter Gelächter und mit Hilfe der Leute sind wir dann so weit, dass wir einen kurzen Proberitt starten können. Bidan, der Pferdebesitzer kommt mit uns und nimmt zuerst mal das Packpferd zu sich das eigentlich Berdibek nehmen soll. Die Pferde sind recht feinfühlig zu lenken, und wir zotteln so erst mal los bei schönem Abendlicht.  

Wir werden zum Essen eingeladen und lassen dafür unser im Supermarkt gekauftes Essen hier. Es gibt Suppe – Kusche –ein einfacher Eintopf mit selbstgemachten Nudeln, Schafs oder Ziegenfleisch und evt ein paar Kartoffeln und Möhren dabei. Wir lernen die ersten kasachischen Wörter wie Heidltetun - Gute Nacht, Heidltetan - Guten Morgen. Rachmet - Danke, Ayran, Chai, Kumys sind mir schon bekannt. Im Halbdunkel bauen wir zum ersten Mal unter den kritischen Blicken der Nomaden unsere Zelte auf und gehen dann um 22°° schlafen. Ich habe nach dem vielen Schwarztee Einschlafschwierigkeiten und dazu bellt noch fast die ganze Nacht ein Hund. 




Freitag,12.8.2011      Zost Erek – Hopte sin, Saran Khol  

Es ist 5:30 als wir aufstehen und gut frisch. Wir bekommen erst um 7°° Frühstück im Ger. Wir suchen unsere Pferde, bzw. nur eines, das Packpferd, das nicht angepflockt war. Das sollte eigentlich in der Nähe bleiben.... unser Fahrer sucht das Tier und bringt es zurück. Wir werden es unterwegs anbinden. Die Pferde werden an einem langen Seil am Halfter angebunden und zur Sicherheit noch mit Hobbels versehen, damit sie auch wirklich dableiben.  

Wir packen unser Zeug auf die Pferde und ich übernehme zuerst das Packpferd, da Berdibek unsere Einwände am Gebiss rum zuziehen nicht wirklich nachvollziehen kann. Das Tier geht schnell in Peters Hände über, da es sich einfach nur ziehen lässt, sobald niemand hinten dranbleibt und treibt. Peter hat da doch mehr Kraft und zudem hat es die unangenehme Eigenschaft einfach plötzlich stehen zu bleiben, so dass es einen fast aus dem Sattel zieht.  

Wir haben ein gemütliches Schritttempo drauf, doch bald versuchen wir anzutraben und zu schauen, wie das Gepäck hält. Wir kommen ein paar Meter weit und beim Packpferd fängt alles an zu rutschen. Ich lass noch einen Schrei los, aber es war zu spät. Der Sattel hängt unter dem Bauch und das Pferd findet das gar nicht gut, es buckelt im Galopp davon auf einen Hügel, bis es alles los ist. Ich klettere mit meinem Pferd hinterher, Berdibek folgt und wir sammeln das Pferd und den Sattel ein. Peter begutachtet derweil den Schaden und flickt was kaputt ist. Wir verlieren knapp 1 h mit Neupacken und ziehen dann am Kohvd Fluss entlang durch eine farbenprächtige Landschaft. Hier am Fluss hat es einige Bäume und die Sonne strahlt aus dem wolkenlosen Himmel. Bis zum Mittag müssen wir immer wieder das Packpferd neu packen, bis endlich alles hält. Peter wird der Meister im Knoten machen, so dass das Gepäck hält.  Mein Pferd legt ein recht flottes Tempo vor und läuft der Gruppe vorweg. Wir sehen von weitem das Dörfchen Sakasai , zumindest für uns ein Dorf, dort eher schon eine Stadt.  Wir kommen an einen anderen Fluss und in diesem Tal ist es in Flussnähe einfach nur sumpfig. Wir versuchen ans Wasser zu kommen, werden aber von den Nomaden, die hier Heu machen darauf aufmerksam gemacht, dass wir da nicht weiterkönnen.  

So ziehen wir an Yak- und Schaf- und Ziegenherden vorbei. Ab und an sehen wir auch ein Kamel. Es ist sehr staubig auf der Schotterpiste und heiß, die Sonne brennt vom Himmel und unsere Pferde sind das lange am Stück laufen auch nicht gewöhnt und lassen im Tempo nach. Es ist mühsam sie zu motivieren weiterzugehen.  

Wir kommen vom Fluss weg in ein anderes Tal, schlagen uns durch die Sümpfe, bis zu einem Ger, wo wir nach Gras und Wasser fragen, denn unsere Pferde brauchen etwas mehr als nur mehrfach durch andere Tiere abgenagtes Gras.  

Wir müssen uns umgewöhnen, soviel gibt es hier einfach nicht. Das wird in den Tälern, in denen viele Gers sind nicht besser, denn sie haben alle Viehherden und es ist spät im Jahr. Das meiste ist abgefressen.  

Es ist warm und so nehmen wir alle ein Bad am erfrischenden Fluss. Berdibek ist den ganzen Tag im Vliespulli und Daunenjacke geritten und hat nun fast einen Sonnenstich. Kein Wunder bei den Temperaturen.  Unser Abendessen mit Trekkingmahlzeiten können wir bei leuchtendem Abendsonnenschein genießen. Wir haben am 1. Tag etwa 34 km geschafft. 




Samstag, 13.8.             Saran gol – Torag Tal  

Wir haben Frühstück mit morgendlichem Tau. Ich probiere den Benzinbrenner aus, doch bis der läuft hat Peter das Wasser schon auf seinem kleinen Brenner heiß gemacht. Aber nun wissen wir wie es funktionieren sollte.  

Wir bepacken die Pferde, laufen die ersten Meter und kommen so zum nächsten Ger. Dort werden wir zum Chai eingeladen. Wir nehmen an. Ein Junge hält unsere ganzen Pferde, Peter packt ein paar Schoko-Täfeli aus und wir kommen zum 2. Frühstück. Diesmal können wir ausgiebig Flüssigkeit zu uns nehmen. Wir werden gebeten ein paar Familienfotos zu machen und ihnen zukommen zu lassen. Hier draußen ist es für die Leute nicht einfach an Fotos zu kommen. Versprochen, nur sie müssen mind. 2 Monate warten, da wir ja erst am Anfang unserer Reise sind. So reiten wir nun frisch gestärkt auf die große Brücke zu, um den Saran gol überqueren zu können. Die Pferde laufen nicht gut auf den schottrigen Wegen und versuchen immer wieder abseits der Piste zu laufen, nur dort ist es auch nicht wirklich besser. So zieht es sich 2 h hin und wir hoffen. dass es nach der Brücke besser wird. Es ist heiß und nach der Brücke wird der Boden noch karger, nur direkt entlang dem Fluss finden wir etwas Grün. Wir kommen uns vor wie mitten in der Wüste und das Lied mit „ I ride throug the dessert, on horse with no name “ spuckt uns im Kopf herum. Endlich kommen wir an die Flusskreuzung an der Peter in das andere Tal wollte. Hier steht ein Ger und der Opa erzählt uns, dass wir wegen des hohen Wasserstandes da nicht durchkommen würden. Was nun? Bei einem Mittagstee wird die neue Route besprochen. Der Tee liefert die Wassermenge, aber es wird bei den Temperaturen auch richtig heiss, zumal der Ofen bullert. Es sieht trocken aus und wir hoffen. dass wir wieder an Wasser kommen. In der Ferne sehen wir eine Bergkuppe, über die wir noch drüber müssten, um einen guten Platz für die Pferde zu bekommen. Es ist nachmittags um 2 und wir sollten noch 20km machen. Hier fast ein Ding der Unmöglichkeit. Endlich kommt eine kleine Oase mit grünem Gras, doch hier wird Heu gemacht und wir werden 2 km weitergeschickt, wo es einen Bachlauf und Gras hat. Am Abend ziehen Kamele zum Wasserlauf und wir müssen auch immer wieder ein paar Meter laufen, um Wasser zum Kochen zu haben. Wir sitzen mitten in einer grandiosen Landschaft. Der Vollmond geht auf und wir haben eine tolle Abendstimmung.  




Sonntag, 14.8.               Torag Tal – Tongent oisn – Orzon Tan  

Um halb 7 stehen wir auf und der Brenner wird gleich nochmals in Anspruch genommen, nachdem es mir am Abend zuvor gelungen ist ihn anzuwerfen. Das Wasser wird schneller heiß als mit Peters Zündis. Mit beiden Brennern kommen wir gut hin. Das Brot wird knapp und für das Müsli sollten wir Milch oder Joghurt haben, beides nicht vorhanden.  Wir ziehen im Zotteltrab durch das Tal, kommen an einem Ger vorbei, wo gerade eine Ziege geschlachtet wird. Die Leute haben keine Zeit und so bleibt die Einladung zum Chai aus. Unsere Pferde fressen stachliges Gestrüpp da es kein Gras gibt. Anspruchslos sind die Tiere schon.  

Um 12°° sind wir auf dem Pass Tongen mit 2300m. Bis dahin hätten wir am Tag zuvor noch kommen sollen. Auch hier gibt es kein Gras. Wir sind an der Grenze zu China und es kommen uns immer wieder Fahrzeuge entgegen auf der staubigen Strasse. was schon von weitem sichtbar ist. an der Staubwolke.  

Wir kommen zur Stadt Tongen und finden dort am Tongen Fluss endlich ausreichend Gras für unsere Pferde. Sie stürzen sich auf das Grün, fressen allerdings knapp 30 min und fangen dann an zu dösen. Viel aufs mal fressen sie nicht.  

Ein paar Dorfbewohner kommen vorbei und einer meint, wir müssten nur über den Berg und da fänden wir Gras und eine Kasachen Familie. Der Vorschlag ist gut gemeint. aber da es schon früher Nachmittag ist, wollten wir lieber direkt am Fluss bleiben. Da haben wir sicher Wasser und finden eher Gras. Wir sehen immer wieder Männer, die Heu machen, was dann so läuft, dass die höchsten Grasbüschel abgemäht werden und der Rest bleibt stehen und wird von den Herden gefressen. Wir kommen bis zu einem Ger, werden zum Tee eingeladen, wollen aber zuerst unsere Pferde versorgen und Zelte aufstellen. Wir müssen mehrfach Wasser durchqueren. Die Frage stellt sich, wie kommen wir an den Ger zurück? Wir brauchen anscheinend zu lange und 2 Frauen kommen mit Thermoskanne und Brot bewaffnet zu uns herüber. Sie haben Gummisandalen an und laufen durch den Fluss. Im Gegenzug bekommen sie Schweizer Schoki.  

Es ist warm und wir können uns waschen gehen. Ein Mädchen kommt auf einem Pferd vorbei und verjagt die Ziegen, die uns besuchen wollen. Später kommt auch der Vater auf seinem Pferd mit seinen 2 Söhnen, alle 3 auf einem Pony. Wir bekommen zum Frühstück Milch und Joghurt.  

Der Vollmond strahlt in hellem Schein über unseren Zelten und wir können den Aus Knopf nicht finden. 

 




Montag, 15.8.                Orzon Tan – Oigr Oisn  

6°° wake up , es ist kühl am Morgen doch sobald die Sonne hinter den Bergen auftaucht, wird es schnell angenehm. Wir freuen uns auf Müsli mit Ayran (Joghurt) und frischer Milch. Peter hat zwar vorgekostet aber nicht bemerkt, dass es Kumys , vergorene Stutenmilch war. Das Müsli schmeckt streng, Olivia verweigert und ich halt mich an den Ayran. Berdibek trinkt die Kumy s zum Nachtisch. Peter nimmt es gelassen. Meine mittlerweile kaputten Satteltaschen bleiben zurück. Die Plastikanbindehaken halten in dem Gelände auch nicht, was sie versprechen, und wir müssen schauen, dass wir welche aus Eisen bekommen. Aynabek hatte uns gewarnt.  

Mein Pferd „ Hirre “ was gelbes Pferd bedeutet, läuft zackig los. Olivia hat das Packpferd gegen ihres ausgetauscht und ist nun happy, da das Tier deutlich besser läuft. Doch nun passt der Packsattel nicht mehr richtig und es muss neu sortiert werden. Das neue Packpferd hat wegen seiner langen Füße auch Mühe über die Felsbrocken zu laufen und mit dem Gepäck ist es einfacher. Nur Peters Pferd und das neue Packpferd harmonieren nicht miteinander. Wir kommen in ein farbenprächtiges Tal, das langsam enger wird. Eine große Pferdeherde kommt uns entgegen und wir begutachten die interessanten Farben, die es hier gibt. Es gibt 64 verschiedene Farbbezeichnungen für die mongolischen Pferde. Über uns kreisen Adler und zu Mittag kommen wir aus der Steinwüste wieder in ein grasreiches Flussbett, wo wir Pause machen. Wir biegen nach links ab in das nächste Tal, in der Ferne sehen wir Kamele und ein Hirte sagt uns, wo es lang geht. Wir sind wieder mitten in der Steinwüste und es sieht nicht nach Grünfutter aus. Wir sehen immer wieder Winterquartiere der Familien, nur wovon wollen die hier leben? Um die Quartiere herum sehen wir aufgestapelt den Mist der Yaks und Ziegen, der im Wintert fürs Kochen und Heizen gelagert wird. Uns scheint es nun absurd, den Pferden zu Anfang Wurmkuren verabreicht zu haben, denn der Mist wird aufgesammelt und als Brennmaterial verwendet. So bleibt kein Dünger für den Boden übrig aber der Wurmbefall hält sich auch in Grenzen. Endlich kommen wir an einen kleinen Bachlauf mit ca. 100qm Grünfläche. Für 5 hungrige Pferde nicht gerade viel. Wir schauen, dass wir unsere Zelte nicht auf das letzte Gras stellen, so dass die Pferde jeden Halm haben können. Wir hobbeln die Pferde zunächst nur, damit sie aussuchen können, wo sie fressen wollen und für die Nacht werden sie noch angebunden. Sie fressen allerdings nur kurz und legen sich dann zum Schlafen hin. Die Pferde haben wenig Mühe sich überall und auch mit vollem Gepäck hinzulegen. Das war für uns zum Umgewöhnen, denn mit vollem Gepäck abliegen lassen, tut diesem meist nicht sehr gut. Ich klettere barfuss durch den Bach, um zu schauen, ob das Gras dort etwas besser ist. Peter legt sich hin, um sich von dem Gezerre mit dem Packpferd zu erholen, was nicht gerade die reinste Freude ist. Die Zelte sind im Wind schnell aufgebaut und wir verziehen uns zum Essen ins Zelt mit Trekkingmahlzeiten und Snacks. Die Müllentsorgung läuft übers Verbrennen ab. Es ist recht unterschiedlich, wie die Familien mit dem Müll umgehen. Bei manchen ist es ordentlich aufgeräumt und bei anderen liegt alles herum. Vodka Flaschen findet man zum Teil oft in der Landschaft einfach weggeworfen und irgendwann sind es halt einfach Glasscherben. 

 



Dienstag, 16.8.              Oigr Oisn – Hoigr Tal  

Wir stehen etwas verspätet auf. Peters 6°° ist in diesem Land nicht das allgemein Übliche. Es ist zu kalt morgens und erst wenn die Sonne hinter den Bergen vorkommt. wird es angenehmer. Je nachdem hinter welchem Berg sie vorkommt kann das lange gehen und dann müssen wir trotzdem raus.  Die Pferde werden von den Seilen befreit, damit sie nochmals besser fressen können, nur gehobbelt sind die Tiere allerdings flink und versuchen über den Bachlauf zu verschwinden. Der Versuch geht regelrecht baden, denn Peter muss durch den Fluss in seinen Stiefeln waten und das Pferd will nicht mit. Da die Tiere, und vor allem seines, sehr gut im Tauziehen sind, macht es nicht viel Laune sie zu führen. Berdibek steht mit 2 anderen am anderen Ufer und sie blockieren. Ich setze mich auf mein Pferd ohne Sattel und geh ihm helfen. Nur mein Pferd will auch nicht wirklich, und so muss ich mich auf heftigste durchsetzten. Zusammen bekommen wir die Pferde rüber ohne, dass Berdibek nasse Füße bekommt.  Mittlerweile ist das Teewasser wieder abgekühlt. Wir machen nun unser Müsli mit dem indischen Chai Latte Tee und das funktioniert sehr gut. Flexibel muss man sein vor allem wenn das Brot alle ist. 

Wir satteln die Pferde und machen in unseren blauen Kutten ein Gruppenfoto, damit Peters Mutter auch ihr Werk getragen sieht. Er hat für jeden von uns eine in Rot, Blau und Weiß machen lassen. Sie leuchten richtig in der Landschaft heraus.  Peters Pferd verweigert am Bach und reist sich das Eisen fast vom Huf ab. Es steht zur Hälfte nach innen ab und so können wir nicht weiter. Da die Pferde nicht an Hufe geben gewöhnt sind und Peters Pferde ganz und gar nicht kooperativ ist, müssen wir die hiesige Methode nehmen und das Pferd umwerfen, um nach dem Eisen schauen zu können. Das Pferd wusste genau, um was es geht, und hat es uns nicht leicht gemacht. Nach einigem hin und her liegt das Pferd tatsächlich am Boden und durch das Gerangel ist die Hälfte des Eisens nun eh schon weg. Nun wissen wir aber wie es geht und Berdibek erzählt voller Stolz, dass er das zum1. Mal gemacht habe und sonst nur zugeschaut hat. Super. Doch Hufe geben wäre einfacher!  

Mit Verspätung und leicht verschwitzt können wir nun um 10°° endlich losziehen. Ein paar Km weiter wäre saftigstes Gras gewesen, aber hier stecken Fahnen im Gras was bedeutet, dass man hier nicht bleiben darf. Das Gras ist zur Heugewinnung und für den Winter gedacht. Die Landschaft ist atemberaubend und wir sehen zum 1. Mal den entfernten Gletschergipfel von Tavan Bogd , dem Markenzeichen der Mongolei.  Immer wieder huschen Erdmännchen an uns vorbei in die Löcher. Leider sind sie zum Fotografieren viel zu schnell. Die Murmeltiere sind dafür äußerst leise und man bekommt sie meist erst mit. wenn die Pferde fast drauftreten. Wir kommen auch immer wieder an Skeletten vorbei, derer Tiere, die den harten Winterbedingungen nicht gewachsen waren oder die einem Wolf zum Opfer gefallen sind. Man könnte hier gut Anatomie studieren.  

Wir kommen in einem Sumpf an saftigstes Gras und lassen die Pferde erst mal grasen, sie haben es verdient nach der Schmalspurkost der letzten Nächte. Den Löchern, die die Murmels und Erdmännchen hinterlassen, weichen die Pferde sehr geschickt aus. Sie finden mit einer Sicherheit jeden Ziegenpfad und manchmal wundert man sich, warum das Reittier plötzlich einen komplett anderen Pfad einschlägt.  

Wir kommen ins Jolpak Tal und in der Ferne können wir 9 Gers zählen. Wir reiten immer wieder an Viehherden vorbei, machen unsere Fotos und wollen dringend einen Chai. Beim 1. Ger bekommen wir den auch. Wir bringen dafür die obligatorischen Schoki-Täfelchen. Es ist heiß und wir sind recht durstig, vor allem Berdibek leidet am meisten unter dem allgemeinen Teemangel aus seiner Sicht. Peter will ein Schaffell kaufen. aber uns erscheint der Preis arg hoch. Später merken wir, dass wir im Touri Einzugsgebiet von Tavan Bogd sind. Jetzt wird uns alles klar. Wir kommen an die Grenze zum Nationalpark von Tavan Bogd und müssten nur ein paar km weiter an einen See, wo es besseres Gras geben soll. Doch so schnell geht das nicht. Wir haben nur eine Bewilligung für den anderen Weg, den wir ursprünglich geplant hatten. Wir müssten nun alle mit dem Bus 25 km an die Grenze zum Militär fahren und dort unsere neue Genehmigung holen. Kommt nicht in Frage, wer passt auf unser Gepäck und die Pferde auf? Pässe aus der Hand geben ist auch keine Option. Nur mit etwas Geduld kommen wir doch zum Ziel. Wir zahlen zwar 10 Dollar drauf, dass wir nicht dahinfahren müssen und der Nationalparkwächter das für uns übernimmt. Gut Ding will Weile haben. Es ist schon halb 6 und wir werden zum Chai eingeladen. Wir nehmen an und sparen uns das Wasserkochen beim Abendessen. Da wir auch Brot und Käse angeboten bekommen haben reicht uns dann zum Abendessen eine Champignonsuppe aus der Tüte.  

Ein paar km weiter vor dem Pass finden wir Gras an einem Bachlauf, was will man mehr? Ich mache Fotos von einer Yakherde im Abendlicht, im Hintergrund funkelt der Gletscher. Wir sind nun im Hoigr Tal kurz vor Tavan Bogd auf 2700hm und nächtigen hier mit unseren Zelten. Der kalte Wind bringt uns dazu im Zelt zu essen. Wir sehen immer wieder Jeeps an uns vorbeifahren. Weiter unten ist das Touri Camp. Ab und an halten welche an und sie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern.  

Seit unserem Abflug in Zürich ist nun schon 1 Woche vergangen. Die Zeit vergeht wie im Fluge. 




Mittwoch, 17.8.         Hoigr Tal – Chuwet Kol – Chaichon  

Wir beiden Frauen verweigern das 6 Uhr Geläut, denn wenn Peter prustet, weil es kalt ist, da brauchen wir erst gar nicht raus. Es hat Bodenfrost und wir wollten die wärmende Sonne abwarten. 30 min später bestrahlt sie auch schon unser Zelt und wir schlängeln uns aus den verschiedensten Schichten, mit denen wir uns zugedeckt hatten. Nach dem Frühstück mach ich mich ans Müll verbrennen, was so langsam auch besser funktioniert, nur die Alutrekkingbeutel sind nicht unbedingt dafür geeignet und biologisch abbaubar sind sie auch nicht. Da sollte sich der Hersteller noch was einfallen lassen. Als wir endlich startklar sind, kommt ein Jeep hochgekrochen. Mir schwant nichts Gutes: Hoffentlich kein Deja vu! Militär kommt angefahren, doch sie wollen nur die Pässe kontrollieren und ein paar Fotos machen. Wahrscheinlich die Beweisfotos, dass auch ab und zu gearbeitet wird. Wir können unbehelligt weiterreiten. Wir schleichen mit unseren arg motivierten 4-Beinern den Berg hoch und brechen jeden Rekord im Schneckentempo-Reiten. Wir erreichen den See, den wir am Abend zuvor ansteuern wollten. Gut, dass es nicht gereicht hat, denn er ist von Sumpf umgeben, das wäre feucht geworden. Er liegt vor der malerischen Kulisse der Gletscher und lädt zum Verweilen ein. Wir kommen den Gletschern von Tavan Bogd   immer näher und endlich haben wir alle 5 in voller Pracht vor uns. Berdibek erklärt uns die Namen von rechts nach links. Marchen, Quiten , der Höchste mit 4347m, dazwischen der Gletscher mit 200m Breite. Im Vordergrund ist der Burglud , was Adler bedeutet und für uns nicht sichtbar im Hintergrund der Friendship , denn er grenzt an Russland, China und die Mongolei. Links davon liegt der Archant . Die weiteren kann uns Berdibek nicht nennen. 20 min weiter genießen wir das Gletscherpanorama beim Mittagessen. Es gibt Nüsse, Aprikosen, Pumpernickel und im Supermarkt eingekaufter Käse.  

Zunächst führt uns der Weg zurück in die Richtung, aus der wir gekommen sind und dann geht der Abstieg für uns recht einfach hinab zum Sarakol , der hier aus dem Gletscherwasser entspringt. Das Packpferd hat durch den Abstieg plötzlich den Sattel zwischen den Ohren und muss neu gesattelt werden. Nur dazu muss das ganze Gepäck runter. Die Pferde haben derweil etwas magere Fresspause. Unten im Tal sehen wir einige Gers und lauter abgefressene Weiden. Sieht schlecht aus für uns. Wir müssen zur Brücke, die den Sarakol überquert. Peter hat sich beim Kartenlesen etwas gewundert, dass es eine Brücke über ein Gletscherbächlein braucht, doch das hier ist ein reisender Strom. Den Pferden ist die Brücke nicht geheuer und es braucht etwas Überredungskunst sie drüber zu führen. Auf der anderen Seite kaufen wir an einem Ger etwas Brot für 5 Dollar ein, doch zum Tee werden wir nicht eingeladen. Offensichtlich kommen hier zu viele Touris vorbei. So ziehen wir am Berghang entlang, 100m weiter oben zieht eine Kamelherde mit uns, die wir dann aber doch zurücklassen. Olivia ist am Laufen, um das Pferd zu schonen. Der angesteuerte See Chuwat Chaichon hat mehr Gras. aber das Wasser ist nicht sehr gut, da er keinen Zufluss hat. Es schmeckt brackig. Olivia hat noch Gletscherwasser dabei. aber das ist sehr Mineralhaltig! Im Abendessen merken wir davon nicht allzu viel. Wir gehen ohne Sattel mit den Pferden zum See um sie zu tränken und reiten dann wieder hoch. Beim Abendessen gibt es Meinungsverschiedenheiten über das, was gemütlich ist und was nicht? Wir werden in dem bisherigen Tempo, die von Peter geplante Route nach Bulgan nicht schaffen. Die Pferde sind einfach zu langsam und wir sind anderes Tempo gewöhnt. Diesmal übernachten wir wärmer. Wir sind auch nur noch auf 2584 hm. Im Hintergrund sind noch die Gipfel von Tavan Bogd zu sehen. Sie leuchten im Abendrot - Alteiglühen.

Wir bekommen Besuch von 3 betrunkenen Mongolen, die gerade von der Heuernte kommen und im Galopp mal schnell den Berg hoch brettern. Was machen wir falsch mit unseren Pferden? 

 



Donnerstag, 18.8.        Chuwat Chaichon – Teglt Tinowa Pass 3149 m – Tahilt Tal   

Im Zelt auf die Sonne warten. war diesmal nicht möglich, da sie erst hinter einem Berg vorkommen müsste und das wäre 9°° geworden. Es ist aber auch nicht so kalt und nach kurzer Zeit waren wir startklar. Das morgendliche Ritual: Peter bepackt das Packpferd, Berdibek hält ein oder mehrere Pferde, Olivia und ich satteln unsere Pferde und machen dann den Haltepfosten und der jeweils andere sattelt Peters Pferd. Berdibek darf dann seinen Schwarzen satteln. So kommen wir insgesamt recht gut hin. Der Weg ins nächste Tal wechselt von Gesteinsbrocken über Hubbelgraspisten zu Sumpfwiesen. Alles ist möglich. Der Abstieg ins Chara airk Tal ist einfach. In der Ferne sehen wir Gers, die vor der Kulisse schneebedeckter Berggipfel stehen. In einem Ger bekommen wir von einem 10jährigen Mädchen Tee serviert. Die Mutter ist bei den Schafen und Ziegen und der Vater am Pass mit den Kamelen. Wir kaufen ein Filzdeckchen und da kein Kleingeld hatte, bekommen wir noch etwas Brot dazu. Ich bin überrascht, als es miaute. Der kleine Bruder hatte ein Katzenbaby im Arm. Katzen habe ich bis jetzt noch nie in diesen Ländern gesehen.   

Der Vater des Mädchens kommt auf seinem Pferd angeritten als wir losziehen und erzählt, dass sie mit den Schafen, Ziegen, Yaks und den Kamelen auch über den Pass gehen. Dunkle Wolken ziehen auf und es fängt an zu regnen. Doch die Tropfen verdunsten auf dem Hemd, innerhalb von Sekunden.  Wir beobachten, wie die Herde über den Pass klettert. Von unten sieht es nicht einfach aus. Doch als wir darauf zusteuern, sieht man den Weg und es ist nicht gefährlich nur anstrengend da hochzulaufen, um die Pferde zu schonen.  Die Tuwa reiten mit ihren Pferden da drüber, die Kamele mit den abgebauten Gers bepackt. Auf dem Pass Teglt Tinowa schnaufen wir auf den 3148m. Der Abstieg ist einfach aber sehr staubig. Da es nie viel regnet, wirbelt bei jedem Schritt der Staub hoch und der Wind tut sein Übriges dazu. Wir holen die Tuwa ein, bekommen nicht gerade gut schmeckenden Käse angeboten, bei dem es uns schüttelt und der diesmal mit Schokki Geschmack übertüncht werden muss. Ich bekomme noch kleine Krümel, bin vorsichtig, doch die schmecken gut. Yakkäse gezuckert!  

Wir machen Rast etwas 100 m von den Tuwa entfernt. Es ist noch so warm, dass wir endlich mal wieder Haare waschen können, im Winde getrocknet sieht man aus wie vom Winde verweht! Wir müssen im Eilverfahren die Zelte aufstellen, weil dunkle Wolken und Donnergrollen in unsere Nähe rücken, nur es ist Wirbel um nichts! Es regnet kurz und dann ist der Spuk vorbei.  

Berdibek will nicht mit uns zu den Tuwa gehen, warum auch immer? Peter besteht darauf, dass wir hingehen mit Flachmann und Nussstängeli bewaffnet und wir haben einen lustigen Abend. Wir bekommen Tee, diesmal recht Milchhaltig und der Tee besteht aus Bergkräutern. Die Leute sind fasziniert von unseren Fotos und Peter macht Kinoabend für sie mit seinen mitgebrachten Bildern auf seinem Handy. Die Alpenjodlerin hängt uns noch den ganzen Urlaub immer wieder in den Ohren. Eine Kaschmirziege mag unsere Nussstängeli auch liebend gerne. Ein Junge macht sich einen Spaß und setzt sich auf sie drauf, unter großem Gelächter rennt sie davon.  

Unsere Pferde stehen endlich mal richtig fett im Gras. Wir sind nun 1 Woche mit den Pferden unterwegs. 

 



Freitag 19.8.                   Tahilt Tal – Hotton Khol  

Am Morgen sind unsere Zelte nass vom nächtlichen Regen und die Sonne lässt auf sich warten. Neben uns haben die ganze Nacht die Schafe geblökt und wir hörten unsere Pferde das Gras kauen. Nachdem wir mit unserem Frühstück fertig sind, werden wir bei den Tuwa nochmals zum Chai eingeladen. Wir lassen als Geschenk 3 Kutten da, für jeden der Männer eine und die 2 Jungs bekommen 2 Sticker von den Mainzelmännchen und sind happy damit!  

Die Tuwa haben ein süßes Gebäck, bis ich darauf komme, dass es Mürbteig ist. Schmeckt lecker. Bis wir gesattelt haben. ziehen sie schon an uns vorbei ins Tal. So können wir sehen, welchen Trampelpfad sie nehmen. Wir müssen bald reiten, da es immer wieder sumpfig ist und wir den Bach mehrmals durchqueren müssen.  

Uns kommt eine Gruppe Israelis entgegen, die sich nach dem Passweg erkundigen. Bald sehen wir wieder den Sarangol , der immer noch eisgraues Wasser vom Gletscher mit sich führt. Auf der anderen Flussseite sehen wir eine Gruppe Touris reiten. Das Tal Aiu daran war von farbigen Bergen umgeben und im Hintergrund Schneegipfel in Sicht. Wir machen Rast an einem See, der sehr von stechenden Mücken umgeben war. aber es hatte Gras und das war in diesem Land für uns wichtig, damit die Pferde genug zu fressen hatten. Mich hat es erwischt, ich muss gleich 2mal in den Busch... nur warum ist mir nicht klar und es wird nicht besser. Ich habe die Rosinen in Verdacht?  Wir haben noch 18 km vor uns, um den großen See Hotton Khol  zu erreichen. Eigentlich für uns keine Distanz, so fordern Olivia und ich unsere 2 Pferde zu mehr Tempo auf. Die 2 zusammen spornen sich gegenseitig an. Allerdings werden wir immer wieder durch Sumpf und ausweichenden Gebirgswegen gebremst, die mühsam zu erklettern sind, da wir die Pfade fast nicht finden. Peter trennt sich unfreiwillig von seinem Pferd, dass mal wieder einen Geist gesehen hat. Wir fangen ihn ein und es ist nichts weiter passiert. außer einem blauen Fleck.  

Die Landschaft weitet sich, es zieht eine Wolkenfront auf wie ein Tag zuvor und es bläst ein Sturm in unsere Gesichter. Hier hat es keinen Halm Gras, alles abgenagt und wir haben keine Alternative, wir müssen weiter. Glücklicherweise bleibt der Regen aus! Nach 2 h kommen wir an eine abenteuerliche Brücke, die keinem TÜV standhalten würde und kurz darauf kommen wir an den Eingang zum Nationalpark „ Aral Tolgoi“ . Pässe vorzeigen und wir dürfen passieren, nachdem der Grenzwächter Peter erklärt hat, dass direkt neben dem Weg die chinesische Grenze anfängt und dort alles gefährlich ist. Peter zeigt ihm sein GPS und die chinesische Grenze, die noch gut 50 km entfernt ist! Thema erledigt! Alle passieren die Schranke, nur mein Zausel sieht da Gespenster, großes Gelächter, doch dann siegt der Herdentrieb.  Wir kommen endlich an einen Flusslauf und finden wieder Wasser, um unsere Wasserflaschen aufzufüllen. In der Nähe des Sees gibt es zwar Gras. aber es ist alles sumpfig. Die Pferde können sich nicht wirklich hinlegen und ausruhen und wir haben ein Platzproblem mit dem Zelt. Peter schlägt sich allein an das Seeufer, um zu schauen. ob es dort besser ist. Links von uns liegt ein abgefressener Berghang. Ich steige dort hoch, um einen Überblick zu bekommen und dort erwartet uns ca. 100 qm Gras, das die Viehherden nicht mochten oder übersehen und stehen gelassen haben. Glück gehabt und der Flusslauf ist auch gleich 50m weiter unten und gut zu erreichen. Bäume hat es sogar auch so dass die WC-Frage etwas einfacher ist. Peter, Olivia und Berdibek bauen die Zelte auf und ich werfe die Brenner an, denn wir haben nach dem langen Tag alle Hunger und Durst. Es fängt arg an zu stürmen und so ist es mir mit dem Benzinbrenner zu gefährlich und ich muss mit Peters Zündis und einem Kocher vorliebnehmen. Es dauert dementsprechend lange, ich warte draußen im Nieselregen und Berdibek leistet mir zum Teil Gesellschaft. Der Turmbau mit den 3 Töpfen ist etwas gewagt, aber so geht es schneller, aber man kann den Brenner nicht allein lassen.  Das Ausharren im Regen lohnt sich und wird mit Abendrot und 2 Regenbögen belohnt. Die Abendstimmung ist gigantisch mit Alteiglühen.  Der Tag war lang und wir gehen hundemüde ins Bett. 



Samstag, 20.8.              Hotton Khol – Sari Tompak  

Es ist feucht und klamm, als wir aufstehen. Der versprochene Sonnenaufgang findet doch hinter dem Berg statt über dem See. So dauert es bis sie da ist und wir müssen die Zelte feucht einpacken. Andere Reiter zotteln in einem etwas schnelleren Trab an uns vorbei aber auch sie gehen nicht flott dahin. Wir müssen uns damit abfinden, dass dies das hiesige Tempo ist. Kurz nach 8°° sind wir startklar.   

Wir ziehen am Hotton Khol , der 50 km lang ist den ganzen Tag entlang. Peter nimmt ein erfrischendes Bad im See, der nur wenige Grade über Null hat. 

Die Luft ist diesig und wir sind in einem weitläufigen Tal, was nicht zu vielen Foto animiert aber dafür den Akku schont. Mittags bekommen wir in einem Ger Chai und die Familie freut sich über unsere Fotos, die wir dabeihaben. Peter macht mit seinen Handyfotos und dem Alpenjodlergesang wieder Kino live. Eine junge Frau ist Lehrerin und hält alle im Zaum. Sie freuen sich über ein paar geschenkte Postkarten. Ein Junge ist im Frühjahr von einem Pferd am Kopf getreten worden und seitdem zum Teil gelähmt. Er will nun im September zum Arzt gehen. Peter schenkt ihm ein Schweizer Taschenmesser. Während wir Tee trinken, geht ein kurzer Schauer über uns weg und als wir aufbrechen, strahlt schon wieder die Sonne. 3 unserer Pferde pennen im Liegen mit vollem Gepäck, für mich praktisch ich kann alles gemütlich wieder einpacken.  Wir kommen durch Lärchenwälder, die sich abwechseln mit Steppe und Steinwüsten.  Um halb 5 finden wir einen Bachlauf mit viel Gras, etwa 500 m von einem Ger entfernt.   

Olivia und ich satteln die Pferde ab, während Peter und Berdibek zum Ger laufen und versuchen uns ein Abendessen zu organisieren, denn die Trekkingmahlzeiten werden nun knapp. Sie kommen zurück mit der guten Nachricht, dass wir essen und Tee bekommen, nur das war dann wohl ein Sprachproblem, wir haben unsere Erbswurst Suppe und Kartoffelbrei mitgebracht aber außer Tee und Brot gab es nichts weiter. Wir machen viele Fotos von der Familie, dem 52jährigen Opa und seinen Enkeln, zeigen unsere Bilder und der Sohn lehnt erst ab Peters Pferd zu beschlagen. Nach einem weiteren Gespräch war er doch bereit am nächsten Morgen das Pferd zu beschlagen. Berdibek hatte unterwegs ein Eisen gefunden, das wir als Ersatz nehmen können. Die Eisengröße spielt hier nicht gerade die größte Rolle. Olivia hatte zum Glück noch ein paar Hufnägel dabei, die bestaunt werden. Peter muss beweisen, dass er mit der Sense mähen kann, nachdem er behauptet hat, er würde auch wie die Nomaden Heu machen. Dass damit nur das Ausmähen gemeint war und wir normalerweise Heu mit großen Maschinen machen, war den Kasachen nicht klar. Etwas skeptisch wurde das Ganze beäugt, die Kasachen waren auf jeden Fall sehr gut im Mähen.   Die Sonne zeigt sich im Abendrot und wir werden durch den Sumpf bzw. Umgehung zu unseren Zelten begleitet.