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2013 08 Walserweg / Alpenpässeweg

7. Juli 2013
38 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Stunden


4.8.2013 - Schleitheim – Brand - Alp Drusa

Wir erreichen um die Mittagszeit Brand im Brandnertal, wo wir das Auto abstellen. Die Pferde sind bald gesattelt und wir sind dabei von einigen Touris umringt. Der Weg führt lange auf der Teerstrasse hinauf, nur ab und an findet sich ein Stück Schotterweg. Wir erreichen die Talstation der Gondelbahn und machen eine kurze Pause. Ein guter Kiesweg führt steil den Berg hinauf. Wir treffen zwei Barfussgänger, die auf dem groben Schotter scheinbar mühelos den Berg hoch marschieren. Ein Stück des Weges führt über losen Schotter steil bergan und die beiden Pferde rutschen im Kies immer wieder runter und zeigen deutlich, dass sie lieber wieder runter möchten. Am Ende der Schotterpiste beginnt der Einstieg in die Klamm. Wir warten, bis der Weg frei wird und klettern das schmale Felsband hoch. Einige enge Stellen sind zu bewältigen, aber es ist einfacher als erwartet. Oben begrüsst uns der Hüttenwirt und eine Zürcher Familie, die ich am Parkplatz getroffen hatte. Wir traben um den Luner-See herum und gehen anschliessend zum Cavelljoch hoch, da das Schweizertor für die Pferde nicht machbar ist. Durch die Planänderung verlängert sich die Route erheblich und wir traversieren auf der Schweizer Bergseite den Prätigauer Höhenweg entlang. Vor einer weiteren Felskletterstelle entscheiden wir quer über die Weide ins Tal abzusteigen und sind bald wieder auf der geplanten Route und folgen der Höhenlinie auf ca. 2000 hm nach Osten. Über Tamunt erreichen wir die Alp Drusa. Da es schon 18:00 ist und wir noch mind. 4 h hätten, laut Auskunft des Käsers, fragen wir, ob wir hier bleiben können. Die Pferde werden eingezäunt und mit Heu versorgt. Wir bekommen Spaghetti mit Rahmsosse und geniessen die Kühle des Abends. Die Hitze hatte uns ganz schön zugesetzt.



5.8.2013 – Alp Drusa - Davos

Wir starten um 8 Uhr hinauf zur Carshina Hütte. Irgendwo verpassen wir einen Abzweiger, denn plötzlich findet sich der Weg auf der anderen Bachseite. Wir klettern wieder im taunassen Gras die Weide hinab und kommen so zum markierten Weg. Pat reitet Pach den Wanderweg hinauf und ich hänge am Schweif von Cool. Wir erreichen die Passhöhe und führen die Pferde auf einer Schotterpiste ins Tal. Der Weg führt nach St. Antönien, doch wir entscheiden, den Berg sein zu lassen und auf der Strasse nach Davos zu reiten, denn Pach tritt mal wieder kurz. Wir führen hinunter zum Wanderweg und im Schatten der Bäume ist es etwas kühler. Es ist sicherlich um die 30°C im Schatten. Wir führen den geschotterten Weg hinunter und kommen an eine Stelle, wo ein Harvester arbeitet. Der Bauarbeiter, der unter einem Baum gerade Siesta macht, ruft uns zu: da geht's nicht weiter, Murenabgang. Ja toll, ich lasse die 3 stehen und gehe vor zum Erdrutsch im Bachlauf. Dieser ist nicht so dramatisch, dass wir nicht drüber könnten und ich frage den Arbeiter, ob es noch weitere Abgänge gäbe. Er weiss es nicht. Also gehen wir auf gut Glück über die Mure und steil den Berg hoch. Die Sonne brennt in den Hang rein und mir wird schlecht, beim Aufstieg in der prallen Sonne. In einem kleinen Wäldchen machen wir kurz Pause und ein Bach kühlt meinen Kopf und mein T-Shirt, dass wir weiter gehen können. Es kommen noch einige Felsabstürze, die wir immer wieder überklettern müssen. Wir kommen nach Küblis und telefonieren mit Phillip von der Lusiranch, um zu klären, ob wir dort bleiben können. Wir traben auf derFahrstrasse nach Davos hinauf und übernachten auf der Ranch. Phillip selber ist unterwegs und wir werden vom seiner Frau herzlich begrüsst.



6.8.2013 - Davos - Bergün

Heute brechen wir schon um 7 Uhr auf und genehmigen uns ein Frühstück in Davos an der Tankstelle. Die 25 km bis Sertig Dörfli reiten wir in 3 h und nach einer Pause klettern wir zum Ducan Pass hinauf. Anfangs führt der Weg durch Arvenwälder und später durch ein ehemaliges Gletschergebiet. An blühenden Bergwiesen vorbei ziehen wir immer weiter hoch, bis sich rechts der Mondscheinpass auftut. Verlockend leuchtet der grüne Übergang. Doch wir müssen noch links ins Schotterfeld hinein dem Ducan entgegen. 30 Minuten später stehen wir im gleissenden Sonnenlicht bei steifer Briese aus Süden auf dem Pass, um festzustellen, dass wir nochmals 50 m steil hoch müssen, um auf den Weg ins Tal zu gelangen. Gras und Schotterfelder wechseln sich ab und etwa 2 h später kommen die ersten Bäume ins Blickfeld. Dann machen wir am Rande des Stulgerbaches ein Feuer und Grillen unsere Bratwürste, die wir abends zuvor von Phillips Vater erhalten haben. Die Pferde grasen erst und drehen dann wieder Richtung Norden dem Pass entgegen. Pat schnappt sich die Beiden und bindet Pach an einem Gebüsch fest. Cool steht wie angewurzelt daneben. Wir führen den zum Teil recht steilen Weg das Tal neben dem rauschenden Bach hinunter. Auf der Stulger Alm stossen wir auf eine junge einzelne Kuh, die vor uns das Tal hinunter läuft. Am mehr oder weniger heftigem Gebimmel können wir das Tempo erahnen. Bald verschwindet sie auf die andere Bachseite und wir kühlen uns am Brunnen. Auf dem Fahrweg gelangen wir nach Stulgen. Eine Dorfbewohnerin bietet uns eine Cola an während Pat am Brunnen die Pferde kühlt.  Bald gelangen wir nach Bergün, wo wir zuerst im Dorfzentrum einkaufen und bestaunt werden und dann von der Walserfamilie Heinrichs spontan und herzlich empfangen und verwöhnt werden.



7.8.2013 – Bergün – Alp Flix

Als wir nach dem Frühstück satteln wollen, zieht eine gelbgraue Gewitterfront das Tal hinauf und bald blitzt und donnert es direkt über uns. Wir ziehen uns wieder ins Esszimmer zurück und warten bis der Spuk zu Ende ist. Um 9 sind wir zum Abritt bereit und führen die Pferde den Berg Richtung Ela Pass hinauf. Wir kommen zu einem Schild "Abkürzung" und entscheiden uns für den längeren Weg, in der Hoffnung länger reiten zu können. Doch bald hört der bequeme Fahrweg auf und über einige Holztreppen und Felsensteige führt der schmale Pfad in den Arvenwald hinauf.  Der Weg ist gespickt mit Hindernissen, umgestürzten Bäumen, schmale mit Ketten gesicherte Stege über Felsen oder Wurzelwerk. An einer Stelle ist der Pfad so schmal, dass an Umkehren nicht zu denken ist und genau dort hängt ein Baum mit einem Durchmesser von 60 cm über dem Weg. Wir sind noch am Überlegen, wie das Problem gelöst werden kann, als Cool einfach den Kopf senkt und unten durch marschiert. Als er mit der Rolle hängen bleibt, geht er in die Knie und quetscht sich unten durch. Eine Naht der Rolle geht bei der Aktion auf, aber sonst ist alles Heil. Auch Pach probiert zu Pats Entsetzen sein Glück und als er mit dem Sattelhorn hängen bleibt, geht auch er in die Knie und zwängt sich durch. Alles bleibt Heil. Wir kommen endlich auf die Ebene oberhalb des Waldes an eine Hütte und lassen die Pferde grasen. Da hier jede Menge Eisenhut wächst und auch noch viel Gemähtes rum liegt, gehen wir weiter, bevor sich ein Pferd an dem giftigen Eisenhut gütlich tun kann. Der Weg führt wieder durch Arvenwälder der Höhenlinie entlang[Wortende verdeckt] um den Berg herum. Wir kommen auf eine grosse freie Fläche mit ungenutztem Gras,  auf das sich die Pferde gierig stürzen. Es geht über den Kamm hinüber und 200 Meter unter uns steht die Ela Hütte. Wir steigen hinab und machen kurz Rast, um etwas zu essen. Von der Hütte aus können wir den Elapass sehen und wir bereiten uns moralisch auf den [Rand verdeckt] 700 hm Aufstieg vor. Die beiden Aserbeidschaner machen ihren Job hervorragend und ziehen uns den Berg hinauf. Es weht ein heftiger Föhnsturm und Pat kämpft um ihren Hut. Wir lassen den Pass d’Ela auf 2724 m schnell hinter uns, denn dunkle Wolken ziehen auf und immer noch ein heftiger Wind bläst uns um die Ohren und so steigen wir zu den 2 Seen ab. Wir überqueren den nächsten Kamm und steigen steil ins Tal ab. Es ist bald vier Uhr als wir die Alp Err erreichen und dort Kaffee und Kuchen geniessen.

Von dort sind es noch 2,5 h bis zur Alp Flix aber die Strecke zieht sich durch einen riesigen Talkessel und über etliche Bergrücken bevor wir die Jurten der Alp Flix unter uns erkennen. Unterwegs löst Cool einen grossen Felsen aus dem Pfad und da für seine Hinterhufe nur noch heisse Luft zur Verfügung stand, drohte er rückwärts den Berg hinab zu rutschen. Wie eine Katze drehte er sich um die eigene Achse, so dass er ins Tal hinunter blickt und stoppen konnte. Ic[Wortende verdeckt] kletterte zu ihm hinunter und führte ihn wieder auf den Weg hinauf, es war jedoch so steil, dass er nochmals abrutscht und erst im zweiten Anlauf oben Halt fand. Knapp 1h später werden wir von Fonsi begrüsst und die Pferde werden mit Heu und Hafer auf die Weide entlassen und wir bekommen ein leckeres Abendessen serviert.


8.8.2013 - Alp Flix – Pause

Wir schlafen in einem der Gästezimmer und es stürmt die ganze Nacht so heftig, dass ich immer wieder wach werde vom Lärm. Die Pferde stehen draussen im Windschutz eines kleinen Hügels, aber sie tun uns leid. Sobald es hell ist, stehe ich auf und führe sie zu einer kleinen Box hinunter, wo sie wenigstens einigermassen trocken stehen. Heu und Wasser werden gereicht und ich genehmige mir einen Kaffee im Restaurant. Später bekommen sie ihr Kraftfutter und sie schauen zufriedener aus. Wir bekommen Frühstück und angesichts des stürmischen Wetters, entscheiden wir eine kurze Pause einzulegen. Derweil waschen wir unsere Wäsche und da der Trockner gleich dabei steht, ist alles schnell wieder trocken. Der Föhnsturm treibt immer neue Regenschauer den Berg hinauf und es beruhigt sich immer nur für wenige Minuten. Wir wollen am Nachmittag aufbrechen, aber das Wetter verschlechtert sich zu zusehends und so wird aus dem halben Tag ein ganzer. Nachmittags finden wir heraus, dass Fonsi morgen Geburtstag hat. Ein weiterer Grund nicht hinaus zu müssen in dieses stürmische Wetter. Abends klart der Himmel auf und wir hoffen auf besseres Wetter für morgen.


9.8.2013 Alp Flix - Andeer

Wir reiten mit Fonsi und seinen Aushilfen zur Alp Faller und genießen dort eine herrliche Gerstensuppe. Es regnet noch immer ab und an, aber die Temperaturen sind jetzt wieder normal. Nach dem Essen brechen wir auf zum Starlera Pass auf 2700 m. Es ist neblig und nass, als wir zuerst die Höhe des Fuorcla Cortegns auf 2658 m erreichen, und oben erwartet uns der Weg der durch mehrere Schneefelder verdeckt ist, die aber kein Problem darstellen. Der Abstieg über die schmalen Graspfade gestaltet sich rutschig und wir Fussgänger haben beide eine im Schuhe eingebaute Zehenspühlung. Auf der Starlera Alm quatschen wir kurz mit den Älplern und erreichen bald die Naturstrasse nach Innerferrera. Im Tal fängt es wieder an zu regnen und wir folgen dann der geteerten Passstraße nach Andeer, wo wir für die Nacht im Reiterhof von Korell unterkommen.



10.8.2013 – Andeer – Tuurahus, Safiental

Um 7:30 sind wir bereit den nächsten Berg in Angriff zu nehmen. Wir führen die beiden Aserbeidschaner das Dorf hinauf und besorgen ein paar Bananen und Getränke und Lebensmittel für heute. Die Kassiererin fragt wohin die Reise geht und bringt noch weitere Bananen und Karotten für die Pferde. Die verdrücken genüsslich die Bananen samt Schale. Das halbe Dorf hat seinen Spass daran. Wir reiten in Richtung Splügen und auf der Höhe Sufers gehen wir der Alpschäller Alm und Lücke entgegen. Bald hört der Teerweg auf und wir führen den schmalen Waldpfad hinauf. Pat gefällt das Klettern am steilen Abgrund weniger als Felsen und Geröll, und als wieder ein dicker Baum über dem Pfad liegt, fängt sie an zu meckern. Wir müssen im fast senkrecht steilen Gelände die Pferde durchs Gebüsch nach unten führen. Ich gehe voran und Cool drückt selbständig einen dicken Ast aus dem Weg, um zu mir rüber zu gelangen. Pach ist inzwischen auch abgestiegen und klettert auch gleich wieder zum Weg hoch. Cool folgt ihm und wir gelangen bald ins Freie, wo wir die Pferde grasen lassen. Der Aufstieg mit ca. 1600 hm zieht sich, ist schlecht markiert und das letzte Stück zum Pass ist äußerst steil. Wir klettern neben einem Wasserfall hoch und kommen nach einem weiteren Aufstieg über eine Kuppe endlich auf die Passhöhe. Zwei Täler gehen hier ab und wir folgen den spärlichen Wegzeichen dem Berg entlang. Vor uns tut sich eine riesige Steinschlagfläche auf, die wir irgendwie hinter uns bringen müssen. Pat klettert zum Bachlauf hinunter, um zu sehen, ob es dort möglich ist, die Felsblockmassen zu umgehen. Sie meldet kein Durchkommen, wegen der scharfkantigen riesigen Gesteinsbrocken. Also klettern wir im Geröll den Berg hinauf, um im kleinschottrigeren Teil die Felsbarriere zu umgehen. Aber kaum kommen wir über den Kamm, sehen wir ein weiteres noch größeres Feld vor uns und jetzt ist klar, dass die Bachseite das kleinere Übel gewesen wäre. Aber es hilft nichts, wir wollen nicht zurück und so suchen wir uns möglichst kletterbare Pfade durch die Felsen. 1h später haben wir die 500 m Geröll hinter uns und stehen an einem Kamm. Hinter uns das Geröllfeld, vor uns ein Kiesabhang von etwa 30 m Breite, im 45° Winkel in ein abschüssiges Schneefeld übergehend. Ich versuche mit Cool den kontrollierten Abstieg, der gelingt auch bis zum Schneefeld, dort rutsche ich aus und rausche den Zügel loslassend, das Schneefeld hinunter. Zum Glück kann ich meine Fahrt auf dem Hintern mit den Füssen stoppen, als ich unten an den Felsen ankomme. Cool schaut nur verdutzt zu mir runter und entscheidet dann wieder hinauf zu klettern, um zu Pach zu gelangen, der mit Pat eine andere Abstiegsvariante probiert. Seine Bemühungen verlaufen sprichwörtlich im Sande und er dreht sich wieder zu mir um. Statt jedoch zu mir runter zu steigen, entscheidet er der Höhenlinie zu folgen und stapft tapfer über den Schnee in die falsche Richtung. Mein Rufen irritiert ihn zwar, er lässt sich aber von seinem Vorhaben nicht abbringen und erst nach etwa 20 m hält er an und schaut zu mir her. Inzwischen bin ich über das Schneefeld wieder hochgekraxelt, nur um etwa 2 m unter ihm nochmal eine Schlittenfahrt nach unten anzutreten. Diesmal schrappe ich mit dem linken Unterarm über das zuvor losgetretene Geröll. Cool bleibt oben wie angewurzelt stehen und ich nehme einen weiteren Anlauf, um zu ihm hinauf zu gelangen. Diesmal klappt’s und ich erwische den Zügel. Vorsichtig führe ich Cool über das Schneefeld auf den Wanderweg zurück. Dort binde ich den Zügel an einem Stein fest und ermahne ihn stehen zu bleiben, während ich hochklettere um Pat beim Abstieg zu helfen. Die ist noch immer oben auf dem Kamm, allerdings ist sie statt mir im Kies zu folgen auf dem Kamm in Richtung der anderen Talseite weiter gezogen. Pach zeigt deutlich, dass er keine Lust hat und verweigert zum ersten Mal den Abstieg im Berg. Ich bin fast genau unter ihr und kann ihr helfen den Abstieg durch die Felsen zum Schneefeld zu finden. Sie lässt Pach oberhalb des Schneefeldes los und er klettert folgsam herunter. Er kommt auf allen vieren gut das Schneefeld runter gerutscht, während Pat gleich auf dem Hosenboden eine Rutschpartie macht.

Cool wiehert seinem Freund entgegen und bald grasen sie friedlich nebeneinander.

Wir folgen dem nun einfachen Wanderweg dem Tal entgegen, als mir schon wieder Böses vor die Augen kommt. Vor uns rauscht der Bach einer Klippe zu und der Wanderweg läuft genau auf diese Stelle zu. Ich verordne eine Essens- und Fresspause, um mir den Weg anzusehen. Der Höllbach rauscht hier etwa 80 m lang in steilem Winkel die Schlucht hinunter und der Wanderweg windet sich auf 5 m Breite in Serpentinen daneben hinab. Ein Dortmunder kommt zu dem Zeitpunkt die Klamm herauf und gemeinsam besprechen wir die Alternativen. Schlussfolgerung: Es gibt keine sinnvollen Alternativen, die das Gesamtrisiko reduzieren würden.

Ich klettere zu Pat hoch und erkläre ihr die Situation und die verschiedenen Varianten zur Problemlösung. Der Gedanke an die Rega schwirrt durch unsere Köpfe, doch sie ist mit mir einig, dass wir den Abstieg durch die Höllbachfurge riskieren können und wir führen die beiden Pferde zur Felskante vor. Cool zögert einen Moment, bevor er mir folgt und vorsichtig Huf für Huf im steilen Geröllbett setzt. Ich rutsche aus und ein Fels rutscht auf meinen Fuss, den ich nur mit Mühe wieder befreien kann, während Cool geduldig oberhalb von mir steht. Wir klettern die engen Kehren hinunter, als es hinter mir rumpelt und Cool mit einem Satz an mir vorbei auf einen grossen Felsen springt. Von dort geht es nicht weiter, er muss auf dem Felsen kehren und wieder zu mir absteigen. Dazu muss aber der Zügel auf die andere Seite und ich zu ihm hinauf. Er dreht wie auf einem Bierdeckel und klettert zu mir hinunter. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir den kleinen Hügel auf dem der Weg aus der Schlucht heraus führt. Dort bleibe ich stehen, um das Adrenalin runter zu fahren und um auf Pat zu warten. Sie klettert herunter, den Pach im Schlepp und das nächste was ich sehe, ist dass der Pach im kontrollierten Sliding Trab senkrecht auf mich zukommt. Ihm sind wohl die Serpentinen zu langweilig. Was er nicht bedacht hat, dass die Steine schneller um seine Füsse fliegen als er rennen kann. Ich renne los um mich und Cool aus der Gefahrenzone zu bringen, aber bis Cool sich bewegt ist der Pach schon auf seiner Höhe und macht einen Satz nach rechts, dreht sich um die eigene Achse, bremst ab und trottet hinter dem jetzt endlich vorwärts gehenden Cool her. Unglaublich die Aktion. Pat ist froh ihren Pach noch heil wieder zu haben. Gemeinsam warten wir, bis Pat bei uns ist und steigen die verbleibenden 600 hm auf schmalen Pfaden im grasbewachsenen Steilhang hinunter ins Tal. Doch noch ist kein Ende in Sicht. Vor uns rauscht ein heftiger Bach den steilen Grashang hinunter und als ich zum Bach komme, ist der Graben etwa 2 m tief. Als Brücke liegt ein 80 cm Alusteg quer über dem Graben. Die Sprossen sind etwa 8 cm auseinander und nur etwa 5 cm breit. Nicht gerade das, was man sich für die Pferde aussuchen würde. Ich prüfe den Steg und entscheide, dass er halten müsste und führe den Cool hinüber. Kein Problem, ich hoffe allerdings, dass Pat und Pach, das genau so sehen. Es scheint, dass Pach, noch von seinem Abenteuer geschockt, gar nicht realisiert, wo er da drüber klettert, da er ja sonst überhaupt nicht zu überzeugen ist, über Alustege oder Gitterrostbrücken zu gehen. Als wir endlich Kuhkoppeln sehen, ist der Spuk vorbei. Es geht zwar noch steil bergab aber nichts Gefährliches mehr, Erleichterung für uns alle. Am Berggasthaus Tuurahus können wir die Pferde auf dem Parkplatz einzäunen und der Wirt besorgt Heu für die 2 Helden. Wir versorgen die Schrammen, die sich Pach bei seiner Aktion zugezogen hat und geniessen das Abendessen. Wir schlafen in der Sauna, doch in der Früh wird es empfindlich kalt. Der Thermostat zeigt ganze 4°C


11.8.2013 – Tuurahus, Safiental – Zervreila-Stausee

Wir versorgen Pachs Schrammen nochmals und nach einem guten Frühstück ziehen wir dem Tomülpass entgegen. Der Weg ist breit und wie der Gipfelstein sagt, wurde er von polnischen Internierten während des zweiten Weltkrieges gebaut. Unterwegs treffen wir zwei Österreicher, die mit riesigem Gepäck unterwegs sind. Sie wollen ebenfalls nach Chamonix, vielleicht sieht man sich ja wieder. Um den Berg herum geht es auf einer Fahrstrasse das Tal nach hinten, bis der Bach gequert werden kann. Dort machen wir Katzenwäsche und lassen die Pferde grasen. Der Weg zum Zervreila Stausee ist schmal aber gut ausgebaut und führt das langgestreckte Tal hinauf. Gegen 16 Uhr erreichen wir das Restaurant, wo wir eine Weide zugewiesen bekommen. Wir satteln ab und verstauen unser Zeugs in der Garage. Wir haben gerade unsere Weissbiere mit Limo getrunken, als ein Bauer seine Herde Angus und Fleck die Strasse runter treibt und die Rinder auf die für die Nachtweide vorgesehene Grasfläche stellt. Der Wirt hat wohl etwas zu viel versprochen, aber die Bauersleute sind sehr nett und überlassen uns eine halben Ballen Heu, damit sind auch unsere Beiden gut versorgt. Ich komme mit der Bäuerin ins Gespräch und sie erklärt dass der Säumerweg über den Zervreila Pass früher nur deshalb so gut machbar war, weil der Gletscher einen sicheren Übergang bescherte. Heute sei dieser Weg und der Übergang extrem steil im feinen Geröll. Sie würde uns eine andere schönere, dafür etwas längere Route empfehlen. Da der Pach Mühe hat mit seinen Schrammen, entscheiden wir uns auch für diese Variante.


12.8.2013 - Zarvreila Stausee - San Giuseppe

Wir erkundigen uns nach der Möglichkeit Hafer einzukaufen. Die Serviertochter bietet uns an, am Morgen welchen mit hoch zu bringen. Wir nehmen dankend an und vereinbaren, sie auf der Strasse nach Vals zu treffen. Wir marschieren die Teerstrasse in das Tal, das wir gestern hochgekommen sind, wieder hinunter. 16 km Teer liegen vor uns und ich muss mich zusammen nehmen,um nicht überlaunig zu sein. Nach 4 Stunden sind wir in Uors, wo wir die Pferde grasen lassen. Wir reiten auf der Schattenseite das Val Lumnezia hinauf und versuchen die Pferde zum Trab zu ermutigen. Aber es lässt sich nicht erzwingen, lustlos laufen die beiden gerade so viel wie nötig. Wir erreichen San Giuseppe und fragen nach der Möglichkeit, die Pferde unter zu bringen. Aber wie schon Jahre zuvor werden wir auf die gemeindeeigene Ziegenweide verwiesen. Also weiter hinauf und bei den letzten Häusern kommen wir mit Gaudenz, einem pensionierten Walser, der hier oben Ferien macht ins Gespräch. Er bietet uns an, die Pferde hinter seinem Haus weiden zu lassen und wir nehmen dankbar an. Wir bauen uns einen Wind- und Regenschutz und sitzen nach dem Abendessen in gemütlicher Runde bei 2 Flaschen Graubündner Wein zusammen. In der Nacht duscht es kräftig und wir sind um den improvisierten Regenschutz dankbar.


13.8. - San Giuseppe - Campo

Wir haben im letzten Dorf des Tales übernachtet und brechen auf, während das Dorf noch schläft. Die Pferde werden am Brunnen getränkt und wir lassen uns in bewährter Manier den Weg hoch ziehen. Cool lässt sich inzwischen gut über den Schweif steuern und abwechslungsweise die Führung übernehmend, klettern wir dem Diesrutpass auf 2428 m entgegen. In einer Bachfurche entscheiden wir uns für den weniger steilen Weg und landen dafür prompt in einem Sumpfgebiet, mit dem Erfolg dass Pach wie ein Appaloosa aussieht und Cool schwarze Strümpfe trägt. Die Greina liegt in der ganzen Pracht unter uns und wir durchreiten sie in der ganzen Länge. Murmeltiere pfeifen und Pach ist im Gebirgsdistelparadies.

Ein Hirtenhund kommt uns bellend entgegen, während wir dem nächsten Pass entgegen gehen. Über die Crap. la Crusch kommen wir an den Abstieg zur Hütte Cabana Motterascio, als ich erkenne, dass der Wanderweg auf eine Leiter zusteuert. Wir müssen einen Umweg nehmen, um auf dem den Kühen vorbehaltenen Weg zur Hütte zu gelangen. Unter uns spiegelt smaragdgrün der Luzoner See in den am unteren Ende ein riesiger Wasserfall seinen Inhalt entleert. Laut Karte führt der Weg unter dem Wasserfall durch. Ich bin gespannt, wie sich das Problem löst. Der Abstieg zum See ist zwar steil, aber sehr gut ausgebaut, so dass wir in gutem Tempo nach unten kommen. Es sieht hier aus wie beim Schatz im Silbersee. Der türkisblaue See funkelt immer wieder zwischen den Bäumen durch. Eine Dame aus Seelisberg (Tinker Besitzerin) ist ganz begeistert von unseren Pferden. Der Wasserfall wird in einem Tunnel unterquert und ich nehme ein Bad im doch recht kühlen See. Entlang steiler Felshänge neben dem See gelangen wir nach Campo und reiten ins Dorf hinein in der Hoffnung einkaufen zu können. Es gibt keinen Laden und nachdem wir die Pferde in der Maschinenhalle eines Ex-Bauern, mit Auslauf und etwas Gras, untergebracht haben, gehen wir ins Bistro, wo das Besitzerehepaar sich rührig um uns kümmert. Der Chef fährt uns nach Olivone, wo wir endlich Propolis Tinktur für Pach’s Schrammen holen können. Da alles ausgebucht ist bekommen wir kein Zimmer und sie kümmert sich drum, dass wir mit WC in der Nähe nächtigen können und organisiert uns ein Frühstück in einem Altenheim im Dorf. Am Abend werden wir von einem pensionierten Lehrer an den Stammtisch eingeladen und er besorgt uns Kraftfutter für unsere Pferde und bei dem Bauern werden wir auch das nächste Mal nächtigen können.


14.8.2013 – Campo - Lago Ritom

Wir sitzen auf der Terrasse des Altenheimes und geniessen unser Frühstück. Die Pferde haben das Heu verschmäht, welches der Bauer besorgt hatte und ich muss bei Cool einen Beschlag hinten erneuern. Cool hampelt mal wieder tüchtig rum und es braucht ein paar klare Ansagen, bevor er ruhig steht. Wir steigen gleich auf dem schmalen Pfad dem bewaldeten Berg hinauf und die Pferde müssen tüchtig klettern. 2 h geht’s so rauf, bis die 700 hm überwunden sind. Oben stolpern wir fast über zwei spärlich bekleidete Damen, die auf den sanften Grashügeln in der Sonne baden. Wir fahren wieder 200 hm runter und kommen in ein kleines Dorf an, dessen Eingang der Kindergarten mit der Leiterin und dem Empfangskomitee bildet. Sie spendieren uns ein Panache und wir veranstalten im Gegenzug Ponyreiten für die Kinder. Wir verabschieden uns und wieder geht es einige 100 hm hinauf auf dem Sentiero der zum Lukomanier Pass führt. In Aquacalda löschen wir unseren Durst und nehmen die nächsten 600 hm zum Passo del Sole in Angriff. Anfangs recht steil zieht sich der Weg über Alpweiden dem Bachlauf entlang. Cool folgt dem Weg bis auf wenige Abweichungen sehr gut und wir kommen gut voran. Endlich ist die Höhe erreicht und wir sehen das Tal vor uns, durch das wir vor 5 Jahren in der anderen Richtung bei Sturm und Regen schon mal geritten sind. Am See gibt es eine Alp, dorthin wollen wir, denn bis Airolo werden wir es nicht schaffen. Nach 10 Stunden Marschzeit sind wir angekommen und auf der Alp hilft uns Barbara, die auch nur Gast ist, aber italienisch fliessend parliert und sich auskennt. Wir richten den Pferden mit einer Schubkarre Heu auf der riesigen aber spärlich bewachsenen Weide und finden Betten im Massenlager für die Nacht. Barbara ist alleine mit vier Eseln in ähnlichem Gelände unterwegs. Hut ab vor den Nerven dieser Frau, die sich tagtäglich mit den Macken von 4 Langohren auseinander setzen muss. Wir sitzen gemeinsam auf der neu gebauten Hütte und geniessen ein herrliches Abendessen mit Bier und Wein.

Die Esel hätten auch gerne was von dem Kraftfutter, das wir unseren Pferden nach unserem Abendessen servieren. Wir ziehen uns auf das Matratzenlager zurück und werden mitten in der Nacht von ein paar anderen Touris geweckt, die auch hier schlafen wollen. Pech gehabt, war schon besetzt.

15.8.2013 – Lago Ritom – Airolo

Da Pach’s Bein wieder angelaufen ist und wir auch schon 2 Wochen unterwegs sind, gehen wir nur bis Airolo runter, zu dem Bauern, wo wir nun schon 2-mal waren, und legen einen halben Tag Pause ein.

Da es keine Dusche gibt waschen wir uns am Wasserschlauch. Ich mache den Aufpasser, falls doch ein paar Leute auf der Strasse durchkommen. Pat versorgt Pach’s Bein, versucht nach telefonischer Rücksprache noch ein paar andere Globuli, doch das will nicht so wirklich besser werden. Etwa um 14°° erreiche ich den Sohn des Bauern und nachdem alles geklärt ist, können wir nach Airolo und unseren Hunger und Durst stillen. Es ist ein Musik-WE angesagt und so ziehen einige Gruppen mehr oder weniger gut spielend durch die Strassen. Ich helfe noch dem Bauern beim Rundballen pressen und am späten Abend gehen wir Pizza essen.


16.8.2013 - Airolo - Riale

Da Pachs Bein noch immer angelaufen ist konsultieren wir eine TA in Airolo nachdem Pat erst mit Regula gesprochen hatte und während wir auf sie warten, kaufe ich Getränke und Brot ein. Pat bekommt eine Dose Antibiotika für Pach und ist damit etwas beruhigt. Auf dem Wanderweg ziehen wir das Bredetto-Tal hinauf und werden von einer 11 köpfigen Familie auf Fahrrädern überholt. Wir gelangen nach All’Acqua, wo der Wanderweg zum San Giacomo hinaufgeht. Wir nehmen die längere Strecke und die Pferde ziehen uns bergan.

Wir haben eine tolle Aussicht übers Tal und die schneebedeckten Berge und sind nachmittags auf der Passhöhe. Jetzt geht’s nur noch vorbei am Lago del Toggia nach Riale runter wobei wir die Abkürzungsroute statt der Fahrstrasse nehmen. Gleich die erste macht uns Probleme, weil sie von Felsen durchsetzt ist, die weniger harmlos sind, als sie im ersten Moment scheinen. Bald erreichen wir Riale und das alte Dorf. An einem Bach kühlen wir Pachs Beine. Hinter dem Haus können wir die Pferde einzäunen und Heu gibt’s noch dazu. Für uns sogar Dusche und Abendessen. Erster Schreck bevor wir das Abendessen bekommen, die Pferde sind ausgebüchst, doch weit sind sie nicht, nur das Gras auf der anderen Zaunseite war wohl besser. Wir gehen essen und stellen später unser Zelt auf in der Nähe der Beiden auf.


17.8.2013 – Riale – Binn

In Riale beschlagen wir Cool ein weiteres Mal, diesmal hinten links und reiten anschließend am Stausee Lago di Morasco vorbei zum Nefelgiu Pass hoch. Der Weg ist breit ausgebaut und führt zur Alpe Vannino. Wir erreichen den Pass und vor uns liegt tiefblau der Lago Vannino. Wir steigen zum See hinab und machen Pause. Hier sind wir wieder auf der GTA. Ich frage den Hirten nach der Qualität des Weges über den nächsten Pass. Er erklärt uns, dass letztes Jahr einer mit einem Muli über den Scatta Minoia gekommen wäre. Dieser sei im Schnee eingebrochen. Er erklärt mir Alternativen und wir müssen die Risiken abwägen. Wir klettern wieder 600 hm rauf und stoßen unterhalb des Gipfels auf ein grosses Geröllfeld, auf dem uns ein Touri entgegenkommt der uns lauthals warnt,  weiter zu gehen. Ich lasse Pat bei den Pferden und klettere das Feld hinauf. Ich finde den alten Viehtrieb und klettere diesen hinunter bis ich Pat wieder sehen kann. Sie bringt die Pferde hoch und wir umgehen damit das ganze Geröll. Jetzt sind es noch 100 hm zum Pass und da ist die genannte Gletscherzunge, die uns jetzt einfach tragen muss, wenn es denn gelingen soll. Ich führe Cool auf den Gamsrutschbahnen hinauf. Jetzt muss ich aber weiter nach rechts und steuere auf einen Übergang zwischen zwei Felsen zu und prompt bricht Cool mit den Vorderläufen ein. Er richtet sich auf der Hinterhand auf, zieht sie raus und dreht zu mir runter. Nichts passiert, aber hier geht’s nicht weiter. Wir gehen ein Stück quer zum Hang und ab jetzt läuft es ruhig den Gletscher hinauf. Oben sehen wir ein paar weitere Geröllfelder, durch die der Pfad aber sauber durchführt. Wir klettern hinunter zur Alpe Devero und auf der obersten Alp treffen wir einen Bauern, der uns erzählt, dass der Albrun Pass sehr leicht zu machen sei. Also nochmals 400 hm hinauf und wieder geht es einer Schneekuppe entgegen, aber diesmal führt der Weg über große Felsplatten am Schnee vorbei. Der Abstieg ist teilweise noch auf Originalen Walser Steinplatten. Diese wurden von Hand so verlegt, dass sie noch jetzt, 300 Jahre später wie eine perfekte aber schmale Strasse durch die Alp führen. Pach verliert nun nach 400km seinen ersten Duplo und muss erst mal ohne Beschlag weiter. Wir erreichen den Fahrweg nach Binn und haben noch 4 h Weg vor uns. Sowohl Pach als auch Cool haben je einen Beschlag verloren und gehen vorsichtig auf dem Schotterweg. Wir finden ein paar junge Leute an einer umgebauten Stallhütte und fragen, ob wir die Pferde beim Bach unten einzäunen dürfen. Wir dürfen und bekommen ein Bier und Kaffee spendiert. Später kriechen wir in unser Zelt und schlafen tief und fest nach der langen Tagesetappe.


18.8.2013 - Binntal - Rosswald

Wir marschieren das Binntal vollends hinunter nachdem Pachs Haxen im Fluss 10 min Kühlung fanden. In Fäld stoßen wir auf ein Restaurant und ein Dorfbewohner borgt uns eine Raspel, um die beiden Hinterhufe von Pach nach 450 km neu zu beschlagen. Auch Cool’s 4. Duplo muss nun vorne links neu beschlagen werden. 1 h und ein Kaffee später sind wir wieder unterwegs nach Binn. Wir hoffen in Heiligkreuz bei einem Pferdewirt Hafer zu erhalten und fragen eine junge Frau danach. Offenbar ein ungünstiger Moment, denn sie hat es eilig zur Messe zu gehen, die um 12°° oder so angefangen hat. Wir machen Mittag und warten auf die junge Walliserin, die mit einem Begleiter zurückkommt. Dieser eröffnet sofort, das sei schwierig, aber ich könne mitkommen und selber schauen. Ich konnte mich selber davon überzeugen, dass es ausser altem Brot, nichts zu Füttern gab und wir zogen weiter. Fast senkrecht führte der Bergweg den Saflisch entlang nach oben und Cool kam ganz schön ins schnaufen, mich da hochzuziehen. Nach 1 h war es geschafft, wir waren wieder auf der Alpstrasse, die zum Saflischpass führt und konnten aufsitzen. Cool stellt sicher, dass er sich nicht über anstrengt, während ich versuche den Blog des Vortages fertig zu schreiben. Wir fallen immer weiter zurück und ich sehe ein, dass dies keinen Sinn macht. Ich breche einen Zweig ab und 2 Minuten später sind wir wieder am Schweif von Pach. Der Saflischbach plätschert friedlich dahin und wir entscheiden ein Bad zu nehmen. Wir geniessen die Sonne und vor allem unsere Zehen freuen sich über das kühle Nass. An Schneefeldern vorbei ziehen wir zum Pass und erreichen um 15 Uhr den Gipfel. Der Pass ist sehr gut zu machen und es ist fast langweilig, ausser dass das Panorama spektakulär ist. Hinter dem Pass öffnet sich ein riesiger Kessel an dessen Nordwand der Wanderweg verläuft. Wir erreichen Rosswald und ich rufe Nicole an, mit der ich ein Treffen am Simplonpass vereinbart hatte. Wir brauchen dringend Kraftfutter für die beiden Vierbeiner und entscheiden zu ihr nach Ried-Brig abzusteigen. Der Seilbahn entlang geht’s nach unten und 2 h später erreichen wir ihr modernes Haus, wo wir von Nicole’s Mann herzlich begrüsst werden. Wir geniessen die Vorzüge der Zivilisation (Wäsche wird gewaschen und getrocknet), wir können duschen und unsere Elektronik wieder aufladen.


19.8.2013 - Rosswald - Embd

Wir haben unter einer Trauerweide geschlafen, was keine gute Idee ist. Am Morgen ist der Schlafsack mit klebenden Flecken übersät. Das Päckchen, welches meine Frau an Nicole geschickt hatte, wird prompt geliefert und wir konnten Hufnägel, Beschläge und Gamaschen nachrüsten. Dafür ging mein Handtuch, mein eh schon sehr schmales Necessair, der Putzhandschuh und der med. Klammerer nach Hause. Das Wetter ist trüb und wir kommen überein den Umweg über den Monte Moro und den Theodul weg zu lassen. Also geht’s direkt nach Visp, wo ich im Migros 2 kg Polenta und 2 kg Haferflocken kaufe. Später finden wir eine Tierfutterhandlung, wo wir weitere 14 kg der energiereichsten und teuersten Luft einkaufen. Die Haferflocken und Polenta aus der Migros kosteten gerade mal die Hälfte, was wir hier für das komische Pferdefutter bezahlen. Nach Visp geht es in Richtung Zermatt nach Emd und wir verbringen wieder einen halben Tag im Sattel. Das Dorf erreichen wir so gegen 18 Uhr und finden einen Bauern, der uns eine Yakfarm als Übernachtungsmöglichkeit vorschlägt. Clou an der Sache, die Farm liegt etwa 300 hm über dem Dorf. Wir rufen oben an und werden von Daniel freudig begrüsst. Er ist noch am Heuen, wird aber in ein oder zwei Stunden auf dem Hof sein. Wir klettern den engen Yak-Pfad hoch und erreichen den Hof, auf dem eine Yak-Mutter mit ihrem Kalb steht. Wir satteln die Pferde ab und können sie direkt am Heustadel einparken. Später ist Daniel sichtlich überrascht, dass wir wirklich mit Pferden da sind, denn er meinte es sei ein Scherz. Wir geniessen die Gesellschaft und das gute Essen und kommen uns fast vor wie im Himalaya mit den Fahnen, die im Winde vor der Bergkulisse wehen.


20.8.2013 – Emd – Gruben, Alp

Wir werden den Walserweg heute verlassen und steigen direkt auf zum knapp 2900 m hohen Augstbordpass, unseren bisher höchsten Pass. Die Pferde hatten eine gute Nacht und auch wir haben sehr gut geschlafen. Daniel wundert sich über den vielen Mist, den unsere 2 Pferde hinterlassen und meint nur dass seine Yaks etwa die gleiche Menge produzieren, nur er hat an die 30. Die sind wohl deutlich genügsamer! Zunächst führt uns der Weg auf den schmalen Verbindungspfaden an den Yakweiden vorbei. Danach folgen wir ihm im Talkessel und dann entlang dem Bach das Tal hinauf. Kurz vor dem Pass müssen wir bremsen, weil zwei Frauen ihr Gepäck kaum den Berg hinauf bringen. Als sie den Pass erreichen sind wir auch schon oben und während wir im T-Shirt die Aussicht geniessen und der Hut vom Winde verweht wird, ziehen sie die zweite Mütze, Handschuhe an und die dritte Jacke über.

Wir machen traumhafte Fotos und führen die Pferde den Weg hinunter direkt in eine Kuhherde, die uns fast bis ins Tal folgt. Wir essen eine Kleinigkeit im Hotel in Gruben und versuchen die Käserei auf dem Weg nach Meiden zu erreichen. Aber weder das Internet noch die Rezeption ist in der Lage mir eine Nummer der Alp zu besorgen. Also brechen wir auf gut Glück auf und hoffen auf das Beste. Steil führt der Wanderweg durch den Lärchenwald hinauf und 100erte Schmetterlinge tanzen an den feuchten Stellen vor uns vom Boden auf. Wir kommen zur mittleren Staffel und fragen dort nach den Stallungen. Diese sind nur 1 km wieder die Strasse hinunter und so gehen wir schon mal dorthin und warten in der Sonne auf die Hirten. Die Pferde geniessen die frühere Pause und das frische Gras. Jemand von der Käserei ruft zurück und nach einigem Hin-und Her habe ich die Telefonnummer des Eigentümers, der uns gestattet,  die Pferde auf der Alm einzuzäunen. Gegen 20 Uhr kommen dann die beiden Hirtinnen und wir geniessen gemeinsam den Kartoffelsalat und die von uns beigesteuerten Würste. Wir dürfen im Heustadl schlafen.


21.8.2013 - Gruben, Alp - Grimentz

Die hinter unserem Heubett grasende Ehringer Kuh hat eine riesige Glocke um und die hat die ganze Nacht gebimmelt. Als endlich Ruhe einkehrt, weil sie sich zum Wiederkäuen hinlegt, müssen wir aufstehen. Den beiden Aserbeidschanern schmeckt das mit Polenta gestreckte Kraftfutter und wir bekommen einen Kaffee von den beiden Hirtinnen, die hier oben die Kühe in ihrem Verhalten beobachten, um zu entscheiden, welche zur Ehringer Königinnen Wahl zugelassen werden. Wir satteln auf und sind um 7:30 unterwegs zum Meidpass, der auf knapp 2800 m ist und erreichen diesen schon um 10.30. Ich bin guter Dinge, dass wir es bis Evolene schaffen. Auf dem Abstieg ist Pach aber immer am Bremsen und auch als ich mit Cool vorbeiziehe, wird er nicht wirklich schneller. Anscheinend hat die Alpschelli Furgge ihre Nachwehen. Der Weg nach St. Luc zieht sich und wir erreichen das Dorf kurz vor Mittag. Pat braucht unbedingt etwas, um ihren Blutzuckerspiegel zu stabilisieren, und ich brauche einen Satz neuer Akkus, da die alten den Dienst quittieren und Pats Kamera mit den gleichen AA-Akkus läuft. Wir nehmen den Wanderweg nach Voisiere hinunter und die Zeit rennt davon. Es ist drückend heiß auf 1200 m und die Bremsen plagen die Pferde. Den Weg nach Grimentz hinauf reiten wir auf der Strasse. Von dort geht eine Seilbahn hinauf zur Basis weiterer Skilifte. Parallel dazu geht der Wanderweg und wir müssen diesen nehmen, denn die Strasse macht den Weg etwa 3 x so lang. Trotzdem dauert es bis 15:30 als wir endlich oben am Einstieg zum Pass sind. Die Wirtin des Gondel Restaurants erklärt mir den Begriff Ecuriere, den ich auf einem Schild gesehen hatte. In diesem Teil der Schweiz heisst das Stallungen für Rinder, anderswo Pferdehof. Oben am Berg hat es eine solche Ecuriere und wir entscheiden dort zu nächtigen. Eine französisch sprechende Familie fragt nach dem woher und wohin und wir bieten an, dass die 3 Kinder auf den Pferden zur Ecuriere reiten dürfen. Die sind begeistert und oben werden wir von der Mutter der Bäuerin herzlich empfangen. Der Bauer kommt später mit seiner Frau und wir bekommen Heu, Krafu, welches wir durchsieben müssen, da Rübenschnitzpellets enthalten sind, die aufgeweicht werden müssen, für die Pferde und eine Dusche und ein Bett im Massenlager. Die Frau backt Pizza und wir essen gemeinsam mit den Bauern und seinen Angestellten zu Abend.


22.8.2013 - Grimentz - Meina

Wir schlafen im Massenlager ganz für uns, nach einem tollen Abendessen mit dem Bauern und seinen Leuten. Um 7°°morgens sind die meisten schon weg, als wir zum Frühstück erscheinen. Es gibt selbstgebackenes Brot und etwas was als Milchkonfiture verkauft wird. Es besteht aus Rahm, Zucker, Vanille und wird so lange gekocht bis eine cremige honigfarbene Masse entsteht.

Der Aufstieg folgt der Straße der Skipiste und wir könnten eigentlich reiten. Der Pass Col de Becs liegt auf knapp 3000 m und wir schaffen die 2000 hm in etwa 2,5 h. Mal führt Pach in gemäßigtem Schritt, mal macht Cool etwas mehr Tempo. Auf dem Pass gibt es einen Hinweis schnell oder einfach, aber im Gegensatz zum "Rapide" ist der "Facile", einfache Weg kaum zu finden. So landen wir auf dem "Rapide" und kommen auf ein Schneefeld neben einem Felsen, was mir wenig zusagt. Pat geht schauen und kommentiert, dass wir auf dem falschen Weg sind. Wir kehren um und versuchen den zarten Hinweisen des einfachen Weges zu folgen. Offensichtlich sind alle von der schnellen Truppe außer uns. Dank dem GPS finden wir auf die Route zurück und steigen nach Evolene ab. Der Weg zieht sich über Matten und durch Wälder und kurz vor dem Ziel finden wir ein Hinweisschild welches 8 h Wegzeit angibt. Gut dass wir das Gestern nicht noch angegangen sind. In Evolene genießen wir ein kühles Radler, allerdings war der Limoanteil sehr gering, so das der Alkohol Pat ziemlich zusetzt. Nach 1h Pause führen wir die Pferde zu einem kleinen See hinauf, der auf der Route zum Pass de la Meina liegt. Die Wirtin zeigt uns, wo wir die Pferde grasen lassen dürfen und wir satteln bei einem ehemaligen Heu Schober ab und genehmigen uns ein Bad im kühlen Wasser des Bergsees. Wir zäunen die Pferde ein und gehen Essen, als ein wie ein Bauer gekleideter Mann schimpfend den Weg herunter kommt. Im ersten Moment denke ich, holla da kommt Trouble, aber es wird bald klar, dass der gute Mann Sturz betrunken ist. Wir geniessen das einfache Abendessen und füttern die Pferde mit Kraftfutter und lassen sie nochmals frei grasen. Neben dem Schopf legen wir den Poncho, unsere Matten und die Schlafsäcke aus und schicken die Pferde auf die Weide, bevor wir uns unter dem hellen Licht des Vollmondes schlafen legen.


23.8.2013 - Meina - Pralong

Wir bekommen Frühstück um 7°° und geniessen die Berge, die im aufsteigenden Sonnenlicht glühen. Auf einem schmalen Pfad ziehen wir durch Lärchenwälder dem Meina Pass entgegen und die Pferde wirken unmotiviert. Zeit wieder mal eine Pause zu machen. Deshalb möchte ich gerne vorwärts kommen und mache dem Cool Druck. Plötzlich rafft er es und zieht vorneweg den Berg hinauf, so dass Pat sich über das Tempo beschwert. Der Aufstieg ist einfach und bald ist der Col de la Meina erreicht. Wir können von oben auf den Stausee Lac des Dix runter sehen an dem wir Morgen vorbei auf den nächsten 3000 er hochklettern werden. Nach der Passhöhe geht es allerdings nicht gleich nach unten, sondern zuerst mal weiter hoch dem Bergrücken entlang und über ziemlich eklige Geröllfelder, bevor es dann endlich nach Pralong runter geht. Wir kommen von hinten ins Dorf und gehen durch einen Campingplatz, wo wir nach Unterbringungsmöglichkeiten für unser 4-Beiner fragen. Eine Gruppe junger Leute, die alle aus Freiburg und Umgebung kommen, gibt uns etwas Gepäck mit nach Hause, nachdem wir erklärt haben, was wir mit unseren Pferden machen. Ich lade mein Handy auf und erreiche später Roger von der Ranch in Vex bzw. Sion und frage ihn, wo er die Pferde hier oben unterstellt. Er nennt mir die gleiche Weide wie der Wirt und so stellen wir die Pferde dort ein. Er bringt auch noch Heucobs und Kraftfutter hoch, um unsere Pferde zu versorgen. An dieser Stelle herzlichen Dank an Roger. Super Service der ASRE Leute. Pach hat auf der Weide einen Schlappen verloren, den wir ersetzen müssen. Beim ganz leckeren Abendessen treffen wir den Besitzer der Wiese, der uns dann auch eine Raspel besorgt. Pat beschlägt den Pach, während ich mich dem Blogschreiben widme.


24.8.2013 - Pralong - Nendaz

Wir trinken einen Kaffee vom Esbritkocher und reiten, nachdem wir das Telefon vom Netz des Camping geholt hatten, zum Lac des Dix Stausee hinauf. Im Hotel genehmigen wir uns einen Kaffee mit Kuchen, bevor wir zum Pass de Prafleuri auf knapp 3000 m hochführen. Parallel zum Wanderweg führt eine Servicetrasse zum Pass, die jedoch auf dem GPS nicht eingezeichnet ist. Eine Gitterrostbrücke führt über einen Bachlauf und Pat testet ob Pach hier drüber geht, denn er könnte daran vorbei. Aber er meistert es ohne zu zögern. 200 m unter den Pass hört die Strasse auf und der Wanderweg führt fast senkrecht den Berg hinauf. Wir treffen auf ein Genfer Ehepaar, das uns davor warnt, weiter hinaufzugehen. Wir bedanken uns freundlich und klettern den steilen Weg hoch. Auf 3000 m spüre ich die dünne Luft und ich bin froh endlich auf dem Pass zu stehen. Da steht ein Schild, nur 4,5 h bis nach Fionnay, hört sich verführerisch leicht an. Der Abstieg schaut einfach aus und wir steigen nach ein paar Gipfelminuten ab, da das Wetter sich drastisch ändert und graue Regenwolken sich uns nähern. 100 hm weiter unten stehen wir vor einem Geröllfeld und diesmal ist es kritisch, denn jetzt sitzt uns zusätzlich das drohende Gewitter im Genick. Während Pat mit den Pferden wartet und von den vorbeikommenden Wanderern kritisch beäugt wird, suche ich das Gelände ab und entscheide nochmals nach oben zu gehen, um den alten Viehtrieb Weg zu suchen. Ich finde ihn dann auch glücklicherweise sofort an Hand der Eselspuren und bitte Pat die Pferde wieder hoch zu führen. Gemeinsam bringen wir sie wieder zum Pass hinauf und folgen dem nicht markierten Pfad, der durch den kleineren Schotter führt. Wir müssen entscheiden den nächsten Übergang nach Fionnay noch zu packen oder einfach in diesem Tal ab zu steigen. Das Gewitter, das nur noch drei km entfernt ist nimmt uns die Entscheidung ab. Bei einem Gewitter hoch auf den ungeschützten Pässen zu stehen und dann womöglich nicht durchzukommen, ist uns zu gefährlich. Es tropft, dann giesst es wie aus Kübeln und wir steigen quer über die Alm nach unten. In einer Senke stossen wir auf eine Herde Ehringer Kühe, die uns umkreisen. Cool ist nervös ob der Überzahl, lässt sich aber gut händeln. Wir erreichen eine Hütte, wo wir für ein paar Minuten aus dem Regen kommen und von hier führt ein Fahrweg nach Visaoie und Nendaz hinunter. Auf unserem Weg kommen wir an einem Restaurant vorbei, in dem wir uns einen Punsch gönnen, der allerdings heftigst mit einem Schluck Schnaps aufgepeppt wurde. Im dicken Nebel finden wir eine Herberge oberhalb von Nendaz und der Wirt organisiert eine Weide für uns. Wir können die nasse Kleidung waschen und trocknen lassen und sind froh ein Dach über dem Kopf zu haben.


25.8. - Nendaz - Alm vor Verbier

Mein Telefon hat den gestrigen Regentag nicht gut überstanden, ebenso mein GPS das die Karten gar nicht mehr laden will. Deshalb muss der Blog heute leiden und das GPS wechsle ich auch. Nun muss ich nur noch den Track per Bluetooth übertragen, dazu muss ich aber das GPS wieder zum Laufen bringen. Auf jeden Fall suche ich mir unsere Route für heute auf dem GPS zurecht und wir marschieren auf guten Forstwegen los. Unterwegs erneuern wir Cools Beschläge hinten und schon bald erreichen wir bekanntes Terrain. Hier kamen wir auf der SwissCross Tour schon mal durch. Pach macht Tempo, wohl in der Hoffnung bald zum Hafer zu kommen. Wir folgen der Bisse, dem künstlich angelegten Wasserlauf dem Berg entlang und gelangen bald zum Aufstieg zum Cross de Coeur. Die Pferde traben den Weg hinauf und wir können das gesamte Rhonetal überblicken. Hier oben 5 km vor Verbier gibt es einen Hof, wo wir mit den Pferden unterkommen können. Wir besprechen die Route für die kommenden Tage und genießen ein vorzügliches Fondue. Die Batterien werden alle nochmals gecheckt und geladen und ich versuche mein GPS zum Laufen zu bringen, damit ich die Route übertragen kann. Am Ende stelle ich fest, es liegt an der Topokarte. Ich wechsle diese aus und mein GPS läuft wieder.


26.8.2013 – Verbier – Trient

Wir suchen den Weg, der uns beschrieben wurde, aber nach dem 2. Abzweiger, den wir verpasst haben, gebe ich auf und wir marschieren nach Martigny hinunter. Nachdem wir aus dem Wald rauskommen, landen wir in einem Aprikosengarten. Der Torzaun war sehr eng und an den Satteltaschen reissen ein paar Riemen. Wir finden wieder aus der Anlage raus, müssen aber nochmals durch so einen Engpass. Die Pferde bedienen sich an den Aprikosen und auch wir naschen ein paar davon. In Saxon genehmigen wir uns einen Kaffee, nachdem Pat ihre Notfall 50 Franken aus dem Portemonnaie geholt hatte, denn ich musste erst mal auf die Bank. Nach fast 3 h sind die letzten hm absolviert und wir sitzen auf, um nach Martigny zu traben. Eine steife Brise weht uns entgegen und wir durchreiten die alte Römerstadt. Am Museum der Bernhardinerhunde machen wir Pause und durchreiten anschliessend das Kolosseum. Der Talweg hinauf zum Pass Forclaz, ist wie hier üblich, direkt neben dem Flusslauf angelegt und geht entsprechend steil nach oben. Auf dem Pass frage ich nach den Übernachtungsoptionen und eine nette Französin erklärt auf Englisch, dass unten im Tal ein Bauer Pferde hätte. Der Abstieg dauert nur 30 min auf dem steil abfallenden Wanderweg und während Pat auf die grasenden Pferde achtet, mache ich mich auf die Suche nach dem Bauernhof. Er ist am oberen Ende von Trient und als wir dort ankommen, ist niemand zu Hause. Nicht mal den Hund kann ich zum Bellen animieren. Als wir anfangen abzusatteln, kommen zwei junge Leute daher, der Sohn des Eigentümers mit seiner Freundin. Er gibt uns das OK, die Pferde vor dem Haus einzuzäunen und teilt uns mit, dass in 1 h sein Vater auch da sei. Er gibt uns Heu und Kraftfutter und ein Bett im Heustock. Wir essen in der TMB-Unterkunft im Ort und sitzen am Tisch mit US-Bürgern und Israelis. Es ist ein lustiger Abend.


27.8.2013 - Trient - Les Houches


Wir verabschieden uns vom Bauern und ziehen zum Col de Balme los. Auf dem Weg sind ganze Völkergruppen, die aud der Tour de Mont Blanc TMB unterwegs sind. Wir haben einen guten Blick auf den Gletscher von Trient. Die Pferde haben sich jetzt eingespielt und wechseln sich in der Führung ab, wobei Pach den grösseren Teil macht, weil Pat sein Tempo angenehmer findet. Auf dem Col de Balme, was früher einen überhängenden Fels oder Schutz für die Hirten bedeutete, trinken wir einen sehr teuren Kaffee. Ich wundere mich, wie die Japaner so flotten Schrittes an uns vorbeiziehen. Pat, die die andere Seite und den Sessellift schon gesehen hatte, wusste, warum. Wir machen noch Aussichtsfotos von den schneebedeckten Bergen. Nun haben wir die Grenze zu Frankreich passiert. Beim Abstieg müssen wir die Pferde mal wieder durch einen Elektrozaun lotsen, mit dem Ergebnis, dass der Pach mit dem Horn an der Litze hängen bleibt. Er rennt los, zerreisst die Litze und gemeinsam mit Cool galoppieren sie zur Sesselliftstation hinunter, wo sie stehen bleiben. Pat geht sie holen, während ich den Zaun wieder zusammenbaue. Es zwickt mich noch ein paar Mal, bis jemand den Strom abschaltet. Wir erreichen den Talgrund. Der Weg führt durch einen Park durch die Ortschaft und dann kommen die ersten Touristenshops. Später führt der Weg dem Bach entlang und wir können da entlang traben. In Chamonix reiten wir quer durchs Stadtzentrum, werden zig mal fotografiert und ein Paar meint, sie hätten uns schon mal gesehen? Aber wo wissen wir nicht. Bei Nieselregen erreichen wir Les Houches, unsere erste Adresse auf dem GR5. Hier wartet ein Ersatzmaterialpaket auf uns. Die Pferde werden auf dem Paddock untergebracht und wir können unter dem Dachstock der Scheune schlafen. Pat darf sich noch eine heisse Dusche gönnen, bevor wir zum Abendessen in die City von Les Houches fahren. Dort treffen wir auf ein schottisches Ehepaar mit denen wir plaudernd die Zeit bis zum Abendessen verbringen und die uns spontan zu einem Glas Wein einladen.


28.8.2013 - Les Houches - Ref. de la Balme

Wir schlafen auf einem Bretterboden im Schopf bei Christophe André. In der Früh bekommen wir ein Frühstück und dann brechen wir auf, um im Dorf einzukaufen und das Paket mit nicht mehr benötigten Sachen, zurückzuschicken. Wir reiten das Dorf hinauf und nehmen den Wegweiser GR5 ernst, was sich als Fehler herausstellt, denn es gibt die unterschiedlichsten Varianten und die von uns gewählte, muss die für Extremsportler sein. Statt wie geplant den Fahrweg zu nutzen, klettern wir schmale steile Bergpfade zum Gipfel hoch, um dann wieder zum Pass Col de Voza abzusteigen. Aber man ist ja lernfähig. Wir sind auf 1653 m und führen die Pferde die Schotterstraße hinunter. Immer wieder eröffnet sich ein Blick auf den Mont Blanc. Die Teerstrasse nimmt kein Ende und erst gegen Mittag erreichen wir das Tal. Wir machen Rast und reiten dem Fluss entlang hinauf Richtung Col du Bonhomme. Wir können den Pferden endlich mal wieder die Zügel geben und die beiden laufen im Gleichschritt über die schmalen mit Steinen und Wurzeln durchsetzten Pfade. Immer wieder kreuzen wir die Strasse und finden Vorbereitungen für den Northface Ultratrail de Mont Blanc, der an dem Wochenende stattfinden wird. Wir kommen zu einem großen Sportpark, mit Kletterwand, See und Golf und hier beginnt der Wanderweg zum Bonhomme hinauf. Über blanke Felsplatten führt uns der Weg den Fluss entlang hinauf und eine Brücke kreuzt den hier tosenden in eine tiefe Schlucht rauschenden Fluss. Wir kommen an zwei Refugios vorbei und arbeiten uns zu Fuß nach oben zur dritten und letzten Hütte vor dem Pass. Dort angekommen, erklärt der Wirt, wir können leider bei ihm nicht essen, trotz vorherigem Anruf, da er komplett ausgebucht sei, aber für die Pferde gäbe es 30 min weiter oben genügend Futter. Obwohl wir nicht die Hälfte der geplanten Strecke geschafft haben, sind wir ziemlich müde, als wir endlich das Plateau erreichen. In einer alten Schutzhütte richten wir uns für die Nacht ein und stecken für die Pferde eine Fläche guter Berggräser ab. Wir genießen unsere Trekkingmahlzeit und etwas Dörrobst bevor wir uns schlafen legen.


29.08.2013 Ref. de la Balme - Landry

Die Pferde ziehen uns den Pfad zum Bonhomme hinauf und um 9°° sind wir schon oben. Der Weg geht nochmals auf 2400 m hinauf zum Croix de Bonhomme und überall sehen wir Muli Mist. An einer engen Schlucht müssen wir kehren, denn der Fussweg führt steil über Felsplatten. Wir finden die Mulispuren und folgen denen über einen Grünstreifen den Hang hinauf. 30 m über dem Fußweg quert die Spur den Bachlauf und führt bequem zum Weg hinauf. Warum wir Menschen immer den schwersten Weg nehmen müssen? Wir erreichen den Croix du Bonhomme und ein Refugio mit Jurte, an dem wir einen Kaffee und ein Stück Schoko Kuchen zu uns nehmen. Eine Französin will wissen, wie lange es dauert, bis man mit Pferden so was machen kann. Während die Pferde grasen, plaudern wir mit ihr. Der geplante Weg führt über weitere Pässe in einem großen Bogen nach Landry und der erste Berg flößt mir bereits Respekt ein. Wir sind müde Berge hoch zu klettern und entscheiden uns für den direkten Abstieg ins Tal, um mal wieder ein paar km zu reiten. Einige kitzlige Passagen sind zu durchklettern, bevor wir im Tal aufsteigen können. Wir traben die Strasse vor, bis die ersten Kehren kommen und führen dann die endlosen Schleifen hinunter. Wie ich das Teergeklopfe liebe. Es zieht sich ohne Ende und gegen 15°° erreichen wir Bourg St. Maurice. Wir löschen unseren Durst und lassen die Pferde in einer Garageneinfahrt grasen. Aber sie sind von den Fliegen genervt und wollen weiter. Wir erreichen den Bahnhof und binden die Pferde an einer Info Tafel an. Wir sind gleich umringt von jungen Damen, die Pferde streicheln wollen. Wir lassen die beiden in deren Obhut und ich versuche am Ticket Schalter Informationen über Zugverbindungen nach Lyon zu erhalten. Die Dame hinter Glas erklärt mir freudig, dass sie keine Auskunft geben könne, da das System abgestürzt sei. Meine Fragen ignoriert sie einfach und wiederholt ihren Text wie ein Automat. Ihren Gruß zum Wiedersehen lehne ich gefrustet ab.

Ein freundlicher älterer Herr erklärt mir anschließend an der Infotafel doch noch, wann der Zug nach Lyon hier abfährt und wann er in etwa in Landry sein wird. Im Tourismusbüro erhalte ich die Adresse eines Reiterhofes oberhalb von Landry und wir entscheiden dort hin zu reiten. Aus Unachtsamkeit geraten wir auf die Route National statt auf die Nebenstraße im Tal und müssen trabend mit den dicken Brummern der Landstraße mithalten. Nach 8 km ist denn auch die erste Abzweigung, die unsere und wir kommen nach Landry.

Wir lassen die hungrigen Pferde grasen und ich frage nach Weideplätzen für die Vierbeiner. Ein Camping 500 m weiter oben wird mir empfohlen und ich telefoniere mit dem Pferdestall in Nancroix. Oder versuche es zumindest, denn kaum habe ich eine Frage gestellt,  werde ich auf französisch zugetextet, dass mir die Luft wegbleibt. Nach mehreren Versuchen, den Sprachfluss zu stoppen, erkläre ich ihm, dass ich ihn in ein paar Minuten wieder anrufen würde. Ich gehe zurück zur ersten Infoquelle und bitte die Dame auf Englisch mit dem Herrn Kontakt aufzunehmen und meine Fragen zu übermitteln. Gesagt getan, nach einem mehrere Minuten dauernden Schwall von unverständlichen aber sicher französischen Lauten, erklärt die junge Dame lakonisch, jetzt sei alles geregelt. Ich bitte sie, mir die Regelungen auf Englisch nochmals zu kommunizieren und tatsächlich scheint es gelungen zu sein, unser Anliegen positiv beantwortet zu bekommen. Wir werden also in Landry im Camping beim Laden übernachten und dann morgen in der Früh nach Nancroix hochreiten. Die Pferde haben den ganzen Rasen, der übersäht ist mit blühenden Herbstzeitlosen, des Campings zur Verfügung und ein paar interessierte Jungbauern bringen Heu vorbei. Wir können die Duschen ganz für uns alleine benutzen, sowie auch den Campingplatz. Wir essen im lokalen Gasthof und verbringen die Nacht unter klarem Sternenhimmel.


30.8.2013 - Landry – Nancroix

Gleich um 6°° gibt es das letzte Kraftfutter für die Pferde. Schnell sind unsere feuchten Sachen eingepackt und die Pferde gesattelt. Wir gehen grösstenteils auf der Teerstrasse nach Nancroix und meistern die 13 km innerhalb von knapp 2 h. Hier suchen wir den Stallbesitzer und ich habe Mühe das Französisch des guten Mannes zu verstehen. So allzu begeistert scheint er von unserem Anliegen nicht zu sein, doch nach kurzer Zeit taut er auf und verspricht uns alles zu machen, wie wir es gerne für die Pferde hätten.

Wir ziehen uns um und geniessen im benachbarten Restaurant ein Frühstück und die Frau erklärt uns, dass hier an dem Wochenende fast alle zumachen und erst wieder im Winter zur Saison aufmachen. Das kann ja heiter werden, wenn wir am Montag auf der GR5 weiter wollen!

Wir machen Urlaub vom Urlaub und fliegen kurzerhand für einen Tag nach Reken, um am VFD-Symposium zu nehmen.


1.9.2013

Wir kommen am Abend mit dem Gespann bei unseren Pferden an, die uns ziemlich hungrig erwarten. Viel haben sie in der Zeit wohl nicht bekommen. Nachdem sie noch einen halben Ballen Heu bekommen hatten und ihr Kraftfutter standen sie nach 2h schon wieder hungrig am Zaun. Was machen? Es war schon 21°° durch und wir konnten kein Heu mehr auftreiben. Kurzerhand durften wir die Pferde hinter dem Gasthaus einzäunen. So hatten sie wenigstens Gras.

2.9.2013 - Nancroix – Heimfahrt

In der Früh, der erste Schreck: die Pferde sind ausgebüchst. Allerdings sind sie nur oberhalb der Weide zu dem anderen Pferd gelaufen und haben sich dort die Bäuche vollgeschlagen. Wir bringen sie in ihren Paddock und gehen selber frühstücken, bevor wir unsere Sachen packen.

Wir gehen dem Nationalpark Rosuel entgegen, als uns ein Park Ranger entgegenkommt, anhält, telefoniert und uns dann erklärt, dass wir mit den Pferden nicht in den Park dürfen! Verständnislos für uns? Angeblich wegen der Wurmkuren, die unsere Pferde haben könnten und den dortigen Tieren ein Problem machen könnten. Der Ranger ist bemüht und meint dann, wir sollen weiter reiten und so tun, als hätten wir ihn nicht gesehen. Was aber, wenn der Nächste kommt und weniger freundlich ist? Die Route würde uns noch durch 4 weitere Parks führen. Zurück in die Schweiz reiten? Karten sind schon zurückgeschickt! Eine Umrundung der Französischen Berge ist schwierig, da wir keine Karten für die Strecken dabei haben. So entscheiden wir zum Auto zurückzugehen und weiter zu überlegen. Schade, das Wetter ist ein Traum für solche Bergtouren. Wir haben keine wirklich sinnige Idee, und nachdem Pat das OK bekommt, wieder arbeiten zu können, sodass die restlichen Urlaubstage nicht verloren gehen, fahren wir kurzerhand heim.

Die GR5 werden wir uns noch vornehmen, aber diesmal warten wir, bis der Parkranger uns schriftlich erlaubt, dass wir durchreiten dürfen.

Rückblick

Wir sind vier Wochen unterwegs gewesen, haben die Länge der Schweizer Alpen durchquert und einen Abstecher nach Italien und Frankreich gemacht. Zwei 3000er wurden überschritten und wir haben den Mont Blanc zu 50 % umritten. Die Pferde sind etwas über 1000 km gelaufen und haben 31 Pässe mit 42000 hm überwunden und sind ebenso viele hm plus ein paar mehr, wieder hinuntermarschiert. Wir sind etwa 80% der Strecke zu Fuss gegangen und den Rest mehrheitlich im Trab geritten. Unsere Pferde haben sich als zuverlässig und äusserst berggängig erwiesen, einzig der Vorwärtsdrang ist noch optimierbar. Wir haben gelernt, mit Firn- und Gletscherschnee umzugehen und wiederum, dass diese beiden Pferde wendiger und leichtfüssiger sind als alles, was wir bisher kennen gelernt haben.

Ein Dank an alle die dazu beigetragen haben, dass diese Reise gelingen konnte.

 

 
 
 

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Erfahrung aus eigenen autonomen Langstreckenritten  
Diese Erfahrungen fließen in unsere Vorbereitung, Sicherheit und Ausbildungskonzepte ein.
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